Sweet nineteen

Mit (nicht vor!) 17 Jahren hat das Londoner Duo Let’s Eat Grandma 2016 sein Debütalbum „I, Gemini“ veröffentlicht. Gleichzeitig sagte das Zentralschweizer Zweiergespann Pull N Way, ebenfalls 17 Jahre alt, eine Castinganfrage für „The X Factor“ ab. Und jetzt sind alle vier Frauen 19 – und mit neuer Musik am Start.

Wir sind in Festivalstimmung. Und ohne je von ihnen gehört, geschweige denn sie gesehen zu haben, wünsche ich mir Let’s Eat Grandma auf irgendeine Openairbühne. Egal welche, einfach dämmern müsste es bei dem Konzert. Oder kühl sein, damit ich die Energie hätte zum Tanzen.

Ich möchte zu gerne wissen, was die Kindheitsfreundinnen Rosa Walton and Jenny Hollingworth jahrelang in ihren Zimmern gespielt haben. In Anbetracht der Originalität, der Kraft und (ich sage jetzt das scheussliche Wort) Reife, die ihr zweites Album aufweist, würde ich sagen: Band mit langjähriger Erfahrung. „I’m all Ears“ ist experimentell, allerdings so, als hätten die beiden das Resultat ihrer elektronischen Pröbeleien schon im Vornherein genau im Ohr gehabt. Als hätten sie in ihrer Jugend schon so viel Elektropop gehört und auseinandergepflückt, um genau zu wissen, sie sich ein Song zusammensetzt, der einfährt.

Und jetzt treten Let’s Eat Grandma natürlich grad nirgendwo in der Nähe auf. Halb so schlimm, dieses Album tut mit einem in etwa dasselbe wie eine geile Nacht am Festival.

Pull N Way, die aktuell immer mal eine Single veröffentlichen, sind nur auf den ersten Blick ein Pendant der Britinnen. Altersmässig: ja. Anzahlmässig: ja. Soundmässig: nein. Der Unterschied zu Let’s Eat Grandma liegt vor allem darin, dass ihr Pop nicht nur von Teenies interpretiert wird, sondern auch vorwiegend für Teenies. Man kann es am besten so sagen: Was die beiden Britinnen eher The XX, sind die beiden Schweizerinnen eher Selena Gomez. Und das ist in Ordnung, denn letztlich sage ich so oder so schon mal Chapeau zu allen U20ern, die nicht, wie ich damals, Hooch trinken und auf allen Vieren an Kassen vorbeikriechen, um gratis an Schaumpartys zu kommen.

Hier übrigens ein etwas älteres Video von Pull N Way. Und mich persönlich würde es nicht stören, wenn sie sich etwas mehr daran als am sweeten Dancepop orientieren würden.

 

LET’S EAT GRANDMA: „I’m all Ears“ erscheint am 29. Juni (Transgressive Records)

Die meisten Songs von PULL N WAY gibts hier zu hören.

(Titelbild: Facebook Let’s Eat Grandma)

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