„Take it easy“, meinte mein Handy. Gönn dir ein Konzert.

Mein Handy ist ein Lustiges. Ab und an spuckt es von alleine Einladungen zu Konzerten aus. Evan Dando, ihr erinnert euch, tauchte so unvermittelt in meiner Welt auf wie letzte Woche die Eagles. Genau. DIE Eagles, versicherte ich meinem Bruder Roland am Telefon. Klar wäre er dabei, sagte er.

Mein Handy spuckt manchmal auch noch ein zusätzliches Ticket aus, wonach ich mich nicht entscheiden kann, wen ich mitnehmen soll. In diesem Fall ist es so: Rockette Domi würde zwar gerne, geht aber nach Bern ins Stadion zu dieser anderen Band. Tante Käthi könnte, macht mich aber mit einem smarten Move darauf aufmerksam, dass doch Onkel Urs familienintern der grösste Eagles-Fan sei.  Dieser ruft mich nach zahlreichen erfolglosen Anrufen irgendwann zurück, verwundert über meinen Telefonterror, weil so viel rufe ich ihn sonst nicht an, auch wenn er eigentlich einer meiner Jugendhelden ist.

„Du hast mich gesucht“, knurrt es in gängiger Familienmanier aus dem Hörer. Von dieser Charmeattacke lasse ich mich weder aus der Ruhe bringen noch lasse ich die Katze gleich aus dem Sack.
„Kannst du dich am Mittwochabend deinem Alltag entziehen“, frage ich ihn.
„Schwer. Eigentlich nicht“, antwortet er. In der Tat, er ist ein vielbeschäftigter Mann.
„Schade“, antworte ich, „ich hätte noch ein Eagles-Tickets für dich“.

eagles ticket

 

Seine rhetorische Bestimmtheit bröckelt und für einen kurzen Moment verstummt er.
Auf seine Nachfrage versichere ich ihm, dass ich Freude hätte, wenn er ans Eagles-Konzert käme. Das einzige, was er hinbekommen müsse sei, am Mittwoch zwischen 19 und 19.30 Uhr in Oerlikon zu sein. Ich höre ein Murmeln durchs Telefon und dass es schon toll wäre, dorthin zugehen. Ich grinse, im Wissen, meiner Zürcher Konzert Connection (ZKC) bald ein weiteres Familienmitglied von mir vorstellen zu können.

Mit dem Pfeife rauchenden Onkel im Schlepptau machen sich mein Bruder und ich auf Richtung Hallenstadion. Mit je einem Bier in der Hand suchen wir im Stadion unsere Plätze. Wir laufen einen Moment, Onkel Urs will schon in den hinteren Reihen unsere Plätze suchen, doch letztere finden wir nur wenige Reihen von der Bühne entfernt und mittig. Wir grinsen uns an. Das kann nur gut werden.

An das Konzert hatte ich ehrlich nicht so hohe Erwartungen. Eine Altherrenkappelle mehr, die sich nochmals über die Bühne schleppt. Sie werden mich jedoch eines Besseren belehren. Bei den Eagles wurde der verstorbene Glenn Frey durch Deacon Frey, seinen Sohn und ein veritables Orlando-Bloom-Double sowie Vince Gill, einen Country Superstar, ersetzt. (Warum haben meine Texte eigentlich so oft einen Country Bezug? Brrr.)  Mit den ersten perfekten Harmonien von „Seven Bridges Road“ haben uns die Eagles im Sack. Selten so ein perfekt abgemischtes und gespieltes Konzert erlebt wie dieses. Das ermuntert natürlich uns und andere, dies irgendwie für die Nachwelt festzuhalten. Doch es besteht absolutes Aufnahmeverbot. Dies führt dazu, dass sich immer wieder Ordner durch die Sitzreihen zwängen um die Leute höflich darauf aufmerksam zu machen bitte nicht zu filmen. Höflich weil, es sind hier nicht Teenies am Werk, sondern gestandene Persönlichkeiten.

Eagles
Irgendwo im Bild. Family. Und Mami ZKC.

Auch wenn die Eagles ab und an einen Anflug von beliebigen Gedudel (oder wie ich sagen würde: Dudeligkeit) haben in ihren Liedern, so steht da eine Band auf der Bühne, die jederzeit auch die grössten Arenen im Griff hat. Der Sound ist immer Eagles, mal etwas Rock, mal etwas Country, mal etwas Funk. Gitarrist Joe Walsh hält auf der Bühne die Fäden zusammen, auch wenn Schlagzeuger Don Henley als einziges verbliebenes Gründungsmitglied der unumstrittene Boss ist. „Life in Fast Lane“ hat eines der besten Gitarrenriffs und zu Hotel California erübrigt sich jedes Wort. Bis auf den Tour-Gitarristen Steuart Smith (ja, der heisst Steuart) übernehmen alle Bandmitglieder einmal den Leadgesang. Mein Liebling auf der Bühne ist der langhaarige Bassist T.B. Schmidt, der surfende Hippie-Opa, den man eigentlich direkt adoptieren möchte. Wie von Don Henley angekündigt, geht das Konzert pünktlich nach 2,5 Stunden mit „Best of my Love“ zu Ende.

Ich glaube, in Zukunft nimmt Onkel Urs meine Anrufe weniger mürrisch entgegen.

GUESTLIST: One happy family. Gastautor Marcel ist ein Glückskind. Nicht nur, weil sein Handy ab und an die besten Plätze für ein Konzert ausspuckt. Er findet auch immer familieniterne Freiwillige, die ihm dann auch noch ein Bier spendieren. Am 22. Juni legen er und sein Bruder im Kater Zürich auf, Hippie-Shit-Party als DJ-Team Plusminus (im Bild links und mittig). Der Name bezieht sich nicht auf die Haare.  

(Bilder: privat)

Tags:

One thought

  • Nun also, vom Jugendheld zum mürrischen Onkel, so schnell kann es gehen, wenn auch etliche Jährchen (Hinweis aufs Alter des Bloggers…) dazwischen liegen.
    Tja, lieber als mürrischer Onkel im Zeitalter von Fake News bezeichnet zu werden als das Hammerkonzert zu verpassen. Freue mich auf die nächste Störung, bin dann vielleicht etwas launisch….
    Onkel Urs

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.