Zusammen, was zusammen gehört

„I missed you so much!“ So hätte ich mein Telefoninterview mit The Kills angefangen – also egal, ob Jamie „Hotel“ Hince oder Alison „VV“ Mosshart am anderen Ende gewesen wäre. Ihr letztes Album „Blood Pressures“ ist vor fünf Jahren erschienen, seither Zappeln, Däumchen drehen, Haare zwirbeln, Nägel kauen … bis „Ash & Ice“ hat es jetzt wirklich elend lange gedauert.

Gut, Hince hat in der Zwischenzeit seinen Finger ganz unglücklich in einer Tür eingeklemmt, musste ihn x-mal operieren und das Gitarrespielen neu lernen. Dann war da noch die Trennung von Kate Moss, die allerdings ein Thema für meinen Bezahljob ist. So oder so hätten wir Gesprächstoff genug gehabt, beim Telefoninterview, das The Kills leider zweimal abbliesen. Mit Alison Mosshart hätte ich übrigens über ihre kunstvoll bekritzelten Notizbücher gesprochen, ihre ewig coolen Outfits und die Musik, natürlich. Aber auch über die menschliche Fähigkeit, zum Schutz von Freundschaft und gemeinsamem Kreativ-Flow wahre Gefühle bis aus Äusserste zu verdrängen. Oder? Jamie Hince und Alison Mosshart, die gehören doch zusammen?!

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Ihr Album zumindest lässt einen genau das spüren. Dass hier zwei Menschen Musik machen, die ohne einander viel und miteinander alles sind. Die zusammen derart unter Hochspannung stehen, dass der simple Zusatz von Stimme, Gitarre und ein bisschen elektronischem Diesunddas ausreicht, um so viel Energie zu erzeugen, dass es einem die Worte ungesagt aus den Mundwinkeln bläst. Also mir geht es so. Ich würde eigentlich am liebsten nichts mehr schreiben, sondern nur noch hinhören.

Ich jogge ja seit Jahren gerne zu The Kills. Mit dem neuen Album wird es nicht mehr ganz so einfach sein, auf Touren zu bleiben. Da gibt es beispielsweise diese Ballade „That Love“, die Mosshart mit ruhiger Stimme einzählt, bevor Klavier einsetzt (ja, Klavier!) und sie „that love you’re in is all fucked up“ singt. Ich müsste an dieser Stelle immer anhalten, mich hinsetzen und fragen, ob sie das nun einem ihrer Ex-Lover oder ihrem Seelenfreund Jamie Hince gesagt hat, als dessen Ehe langsam serbelte. Da ist es wieder, ich habe die ganze Zeit das Gefühl, Mosshart wende sich in ihren Texten direkt an Hince.

I need you
Don’t ask me why it is
I want strings – attached
Unnatural as it feels

Bei „Echo Home“ müsste ich mich dann sogar hinlegen, die Augen schliessen, mir vorstellen, die Drummachine wäre mein Puls, sprich, ich wäre immer noch am Rennen – dorthin, wo mein Zuhause ist.

„So won’t you come on home and make it all right“

The Kills sind The Kills, in meinen Ohren haben die noch nie etwas falsch gemacht mit ihrem minimalistischen Garagenpunkbluesrock. Doch diesmal, find ich, machen sie alles noch besser.

THE KILLS: „ASH & ICE“, out 03.06. (Domino Records)

Konzert: 27.10. Volkshaus, Zürich

(Bilder: Facebook)

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