Autogrammaktualisierung

Luke und Adi Weyermann

Kürzlich habe ich an einer Feier im Emmental gelernt, wie man innerhalb von zwei Sekunden einen Bandnamen „berechnet“. Farbe der Unterhose + letzte Mahlzeit. Das Zürcher Bruder-Duo The Weyers hätte zum Zeitpunkt unseres Treffens Grey Egg beziehungsweise Black Salad geheissen.

Oder? Hab ich das richtig im Kopf? Die Aufnahmefunktion hat leider schon vor der ersten offiziellen Frage abgestellt. Schuld ist übrigens Büne Huber. Er hat seinerzeit mein altmodisches Diktafon ausgelacht und gesagt, ich solle mir doch stattdessen endlich ein iPhone anschaffen. Obwohl er Recht hatte – von dem halbstündigen Gespräch mit ihm waren auch nur vier Minuten auf Band – bereue ich den Wechsel gerade.

Jedenfalls, diese Vorgeschichte mit den Bandnamen ist insofern lustig, als dass Luke Weyermann, dessen Band genausogut Grey Egg heissen könnte, das Duo mit seinem Bruder Adi ursprünglich The Eyers nennen wollte. The Weyers (für alle anderen Emmentaler: Man spricht das aus wie The Wires!) schien dann aber aus naheliegenden Gründen passender.

Letzten Freitag ist das neue Album der Rockbrüder erschienen. „Out Of Our Heads“ heisst es und enthält vom rauen Gitti-Schlagzeug-Rocksong (zum Beispiel „White Elephant“) über einen Muse-mässigen Elektroschocker („Out Of Our Heads“) bis hin zur astreinen Popnummer („Darkness“) so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Es enthält, wenn man die beiden ein bisschen kennt, ebensoviel Luke wie Adi. Denn während sie in jüngsten Jahren mit ihrer Band Crank musikalisch noch auf der gleichen Skate-Punk-Schiene fuhren, wandte sich Adi während seiner Solozeit („Pool“, „Wood“) den sanfteren Klängen zu, die er auch auf „Out Of Our Heads“ nicht links liegen lässt. Luke blieb der Härte derweil in anderen Bands treu. Und für seinen Bruder ist klar, dass Luke „den Rock in die Band bringt“. Letzterer wiederum ist bemüht, Adi den Raum zu geben, „seinen eigenen Rock zu entfalten“.

So, und jetzt:

Quasi seit Rockette-Beginn warte ich darauf, diese Geschichte zu erzählen – meine liebste Erinnerung an das Gurtenfestival 2007. Damals spielte Adrian Weyermann solo auf der Waldbühne. Und danach gab es Autogramme. Ich stand hinter einem Teenagermädchen in der Schlange, das die Frage, wie es denn heisse, mit „Nadja, mit j(ott)“ beantwortete. Als sie weg war, sagte Weyermann, er habe „Nadja, du Idiot“ verstanden. Was nicht halb so schlimm gewesen wäre wie mein Feiglingszug. Ich sagte, ich müsse das Autogramm im Auftrag meiner Tochter holen (sie war damals noch nicht mal 3).

Und nun, 10 Jahre später, als ich mit Adi und Luke Weyermann in einem Wespenschwarm vor dem Zürcher Landesmuseum sass, war es an der Zeit, das Autogramm von damals zu aktualisieren.

Für Yan! + Miriam, Adrian Weyermann mit Luke in der Hand

 

 

THE WEYERS: „OUT OF OUR HEADS“, out (OMN Label Services/Weyerworks)

LIVE: 07.10. Mühle Hunziken, Rubigen; 20.10. Atlantis, Basel (Doppelkonzerte mit Death by Chocolate) und so weiter.

(Bilder: The Weyers/Tabea Hüberli, Rockette)

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