Tiefgang zwischen Klischee und Keyboard


Die einen mögen sie – und mit sie ist nicht nur die knackige Front-Frau Jennifer Weist (nein, die heisst nicht Rostock) gemeint – die anderen (und die AfD) können sie nicht ab: Jennifer Rostocks Fangemeinde ist breit gefächert, oft noch ziemlich jung, aber immer mit dabei, wenn Jenni und Co. sich durch die Backstage-Bereiche snappen. Zuletzt hat die von Usedomer Kindergartenfreunden gegründete Deutsch-Rock-Pop-Band mit klaren politischen Statements und Busenblitzern für mediale Präsenz gesorgt. Mit „Genau in diesem Ton“ beweisen die inzwischen Wahl-Berliner aber auch, dass sie noch ziemlich viel anderes zu sagen haben. Ganz klischeefrei sind zwar auch die besten zehn Zeilen des neuen Albums* nicht – dank der rotzig-frechen Intonation von Jennifer Weist und den (spürbar aus dem Punk kommenden) treibenden Drums von Christopher „Baku“ Kohl ist der Spassfaktor aber immer hoch! Wer mitsingen will: Im Januar spielen Jennifer Rostock im Z7 in Pratteln. Und wer den in den Zeilen angedeuteten Tiefgang noch weiter vertiefen möchte, dem sei an dieser Stelle das Gespräch von Jennifer Weist zum Thema „offene Beziehungen“ empfohlen.

„Denn man bereut doch nur die Fehler, die man niemals macht.“

„Hast du zu wenig Chips für den Dip, machste noch ’ne Tüte auf, haste zu wenig Dip für die Chips.“

„Wir haben jede Nacht in Wein getränkt, standen auf Dächern, haben die Becher erhoben, aber unsere Becher hatten Löcher am Boden.“

„Menschen sind zu sperrig, um in Schubladen zu passen.“

„Ich seh’ so viele Männer und so wenig Eier.“

„Was in die Brüche geht sieht man erst, wenn der Sturm sich legt.“

„Ich glaub’, ich tausch den Brautstrauss gegen brennende Molotows.“

„Wem gehört mein Körper, wenn ihn die Zeitung druckt?“

„Die Wut der Stammtisch-Besorgten schwappt in gestammelten Worten aus ihren Gläsern, aus den Kneipen auf die Strassen allerorten, vielleicht wär’ es leicht, die wahren Gründe zu ergründen doch viel leichter ist es immer noch ‘n Sündenbock zu finden.“

„Wenn du auf Komiker machst und nur selbst drüber lachst – fand ich das früher mal süss.“

 

*JENNIFER ROSTOCK: „GENAU IN DIESEM TON“ out now (Four Music Productions GmbH)

KONZERT: 28.01.2017, Z7, Pratteln

GUESTLIST: Gin Ironic will grad noch anonym bleiben, passt aber wunderbar zu den Rocketten: Sie braucht Musik wie Gin das Tonic und sucht die guten Töne im Leben auf allen Wegen – manchmal mit mehr oder weniger Ironie. Gibt nicht nur in knackigen Texte gerne ihren Senf dazu, sondern würzt damit einfach alles.

(Bild: Presse)

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