„tru.“ wie eh und je

Kaum einer über 20 hat Cro für voll genommen, als er einen Feelgood-Hit nach dem anderen landete oder im Film „Unsere Zeit ist jetzt“ Einblick in seine Künstlerseele gewährte. Der Rapper mit der Pandamaske musste erst ein Album namens „tru.“ veröffentlichen, um Skeptikern klar zu machen, dass er es ernst meint mit der Kunst.

Diese Tage lese ich Dinge wie, „tru.“ klinge „besser als gedacht“ (Spiegel). Es sei ein Album, „das niemand erwartet hat“ (hiphop.de). „Reflektiert, ehrlich, überlegt, erwachsen“ – das schreibt laut.de und zitiert dazu – Achtung: Faust aufs Auge – die Zeile  „Scheiss auf Money, scheiss auf Bitches und Karrierescheiss / ich wurde nicht weil ich gut ficke bei den Apes gesignt“.

Ich persönlich habe dieses Album erwartet. Sehnlichst sogar. Und ich finde nicht, dass es ehrlicher ist als seine Vorgänger, auch nicht überlegter, und mit dem Ausdruck „erwachsener“ kann ich sowieso nichts anfangen. „tru.“ ist einfach ein wahnsinnig geiles Album von einem jungen Typen, der bisher gutgelaunten Rap-Pop gemacht hat und gerade jetzt Lust auf genau das hat, etwas Ernsthafteres.

Cro müsse bei der Arbeit an „tru.“ so ziemlich alles im Kopf herumgeschwirrt sein ausser die Charts. Sagen die Kritiker und finden das verspielte, vielseitige, detailverliebte Album gerade deshalb so respektabel. Weil dessen Macher nicht an Ruhm und Geld gedacht hat. Ja, haben die dem Bärchen denn vorher nie zugehört? Der Musiker, Zeichner, Kleidergestalter, Produzent und Schreiberling aus Stuttgart hat überhaupt noch nie etwas anderes getan, als das, wozu er gerade Lust hatte. Freiheit war ihm immer schon wichtiger als Kohle. Dass er mit dieser Einstellung erfolgreich wurde und sicher viel Geld verdient, kann man ihm nicht vorwerfen. Erst recht nicht, dass er je seine Seele verkauft hätte. Der heute 27-Jährige hat, als seine Karriere so richtig ins Rollen kam, sogar jeden noch so lukrativen Plattenvertrag abgelehnt und stattdessen sein eigenes Label gegründet.

„tru.“ sollte demnach nicht so verstanden werden, als wäre der junge naive Rotzbub endlich zur Vernunft gekommen. Cro ist noch immer der alte Ideenkopf, er hat sich lediglich ans Business gewöhnt, was ihm vielleicht ein bisschen die Zappeligkeit nahm. Eigentlich sogar sehr, denn bei einigen Songs klingt er, als hätte er sie schlafend aufgenommen.

Wer Bilderbuch mag, dem müsste das hier gefallen:

So sehr ich mich derzeit an „tru.“ erfreue – mich nervt, dass so wenig Leute „Unsere Zeit ist jetzt“ gesehen haben. Deshalb werd ich den Film jetzt gleich bestellen, kurz nochmal selber schauen und dann verlosen. *** Schnappt ihn euch, ich missioniere nicht alle Tage. *** Das Album müsst ihr dann aber schon selber kaufen.

CRO: „TRU.“, out (Chimperator Productions)

(Bild: Facebook)

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