Und wir … haben die Playlist von Johnny Depp

Donnerstagnacht hab ich nichtsahnend ein paar Kapitel in „Fear and Loathing in Las Vegas“ gelesen. Einen Tag später ist in diesem Buch eine Unterschrift von Johnny Depp und auf meinem Handy seine persönliche Playlist für den Gang über den Grünen Teppich – Gonzo-König Hunter J. Thompson wäre stolz auf mich.

Später am Abend habe ich dummerweise Bier drübergeschüttet

Johnny Depp hat am Zurich Film Festival über seine Arbeit gesprochen. Mein Lieblingsthema, naheliegenderweise: „Fear and Loathing in Las Vegas“ (1989), die Kultverfilmung des gleichnamigen Romans von Hunter J. Thompson. Auch von Thompson selbst hat er erzählt. Mit dem verstorbenen Erfinder des von uns meist unfreiwillig betriebenen Gonzo-Journalismus‘ hat den Schauspieler eine tiefe Freundschaft verbunden. I miss him every single day, sagte Depp. Ich kanns verstehen.

Wir haben uns in Aspen über einen gemeinsamen Freund kennengelernt. Dass wir beide aus Kentucky kommen, hat uns von Anfang an verbunden. Später lud mich Hunter zu sich ein, wo wir stundenlang redeten und tranken. Um halb vier morgens bewunderte ich eines seiner Gewehre an der Wand und er fragte, ob ich mal damit schiessen wolle. Als Ziel bereitete er einen mit Propan gefüllten Tank vor, an dem er eine Box, so klein wie eine Streichholzschachtel, befestigte, die Nitroglycerin enthielt. Ich schoss, es gab einen 80 feet fireball und Hunter meinte bloss: good shooting, man. Er hat immer einen partner in crime gesucht. Mich nannte er Colonel Depp. Er hat in seinem Haus sogar ein Schlafzimmer für mich eingerichtet. Irgendwann fand ich heraus, dass der Nachttisch, auf dem mein Aschenbecher stand, bis oben hin mit Schiesspulver gefüllt war. Ich rief Hunter herbei und er meinte nur: ah, hier ist das alles hingekommen. (Johnny Depp über Hunter J. Thompson)

Der unfassbare Teppich-Soundtrack von Johnny Depp

Spulen wir vor: Es folgten die Unterschrift in meinem Buch, viel Fangeschrei und Horrorgedränge, und später diese Geschichte am Grünen Teppich: Aus ordentlich beruflicher Sicht hatte ich da einen absoluten Scheissplatz, sah ausser Journalisten von hinten wirklich rein gar nichts. Eine Resignationszigarette im Abseits später, war ich allerdings schon im Gespräch mit meinem, ehm, Zufallsinformanten. Er erzählte mir, dass die Playlist, die gerade laufe, von Johnny Depp zusammengestellt und mitgebracht worden sei. Stimmt wirklich, denn auf einmal kam ein Anruf von einer Festivalmitarbeiterin, die sagte, er solle jetzt ENDLICH die Liste von Johnny Depp laufen lassen statt des komischen Sounds. Mein Informant zu ihr: Das ist die Liste von Johnny Depp. Und zu mir: Ich drücke jetzt mal manuell auf Guns N’Roses.

Hier ein paar Highlights (neben „You Could Be Mine (Live)„, „Welcome to the Jungle (Live)„, „Nightrain (Live)“ von Guns N’Roses) aus der rund 50 Titel umfassenden Playlist von Colonel Depp.

(Fotos: Rockette)

 

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