Musik ist wie Broccoli – ein aquired taste

Beni Bürgin, Pascal Grünenfelder, Stefan Strittmatter

Am Freitag erscheint das Debütalbum von The Universe By Ear. Als Appetizer gibts dieses Selbstinterview von und mit Gitarrist Stefan Strittmatter. Mit ihm ein paar irrwitzige, weil von Google übersetzte, Reviews aus dem Ausland.

Frage-Stefan: Schön, dass du dir Zeit für ein Gespräch genommen hast.

Antwort-Stefan: Keine Ursache. Wir sitzen derzeit eh nur zuhause rum und versuchen, mit Google-Translator die *Reviews zu übersetzen, die uns aus dem Ausland erreichen. Abgesehen davon ists ja kein Aufwand, ich bin schliesslich du – effizienter gehts nicht.

Das hat was. Magst du als Einstieg ein paar deiner liebsten Auto-Übersetzungen vortragen?

Gerne. Diesen Satz aus einer französischen Review mag ich beispielsweise sehr: „Beide warnen diejenigen, die vor allem wollen wandern Wege sind gut markiert und mit etablierten Labels identifiziert, das erste Album des Schweizer Trios hat sie nicht unbedingt entsprechen. Für Nachteile, die Schmuggler, die eingefleischten neugierig, leidenschaftlich Entdecker gewinnen diesen Rekord für die am wenigsten komplexen und reichlich zu nähern.“

Aha. Und was sagt beispielsweise der Italiener?

Unter anderem dies: „Das Debüt ist eine angenehme Überraschung: ihr ein Rock durch tausend Einflüsse absolut unkonventionell kontaminiert ist.“

Das kann man sicher noch mehr auf den Punkt bringen.

Ja, der Spanier machts vor: „Dies ist sein Debüt und machen es durch die Vordertür.“

Gibt es denn bereits auch Rezensionen, die man ohne Computerhilfe lesen kann?

Ja, etwa diese: „Für ein Debüt ein wirklicher Kracher. Woher zum Donner bezieht die Band das Material für ihre Musik? Das muss von ganz oben kommen!!!“

Und, tut es das? Kommt Eure Inspiration von ganz oben?

Nein, von ganz Innen. Als wir The Universe By Ear vor knapp drei Jahren ins Leben gerufen haben, ging es uns darum, Musik zu machen, die uns gefällt.

Tut das nicht jede Band?

Im besten Fall schon. Aber es ist sehr leicht, seine Visionen aus den Augen zu verlieren. Man will den Fans gefallen, im Radio gespielt werden. Vielleicht will man so klingen wie seine Vorbilder. Es gibt tausend Wege, die einen von der Musik wegführen, die man selber machen möchte.

Was tut ihr dagegen?

Immun gegen äussere Einflüsse sind auch wir nicht. Aber wir haben ein System entwickelt, bei dem wir Ideen sehr organisch, also möglichst unverkopft, keimen lassen. Danach setzt ein rigoroser Selektionsprozess ein: Macht etwas nur beim Spielen Spass, oder hat der Song auch beim mehrfachen Hören Bestand?

Ihr habt das Debüt selber gemischt. Wie oft habt Ihr die Songs gehört?

Hundert- bis tausendfach, und jetzt freuen wir uns, die Stücke auch live präsentieren zu können. Es war uns ein Anliegen, dass das Album möglichst nahe am Live-Eindruck bleibt. Wir haben die Instrumente gleichzeitig und in einem Raum eingespielt. Damit verbaut man sich beim Mischen viele Möglichkeiten, fängt aber viel mehr vom Zusammenspiel ein. In den Siebzigern entstanden Alben nur so, und zumindest klanglich orientieren wir uns gerne an dieser Zeit.

Also machen The Universe By Ear altbackene Musik?

Das soll jeder für sich entscheiden. In meiner Vorstellung existiert Musik ohnehin nicht linear: Ich kann mir King Crimson neben Mars Volta anhören oder John Coltrane neben den Beasty Boys und immer Parallelen und Gleichzeitigkeiten erkennen.

Manchen dürften einige eurer Stücke zu komplex sein.

Das glaube ich nicht. Es gibt kein rationelles Argument, wieso ein 4/4tel-Takt besser ins Ohr gehen sollte als ein 15/16tel. Oder wieso C-Dur leichter verdaulich sein sollte als Fis-Lydisch. Am Ende hat Musik mit Gewohnheit zu tun, da verhält es sich nicht anders als mit Essen: Wer nur Fischstäbchen kennt, der mag nichts anderes. Wir machen keine Pommes-Ketchup-Mucke, wir sind eher Broccoli mit Weisswein/Dillsauce: ein aquired taste.

A propos aquired: Wo kann man euer Album bekommen?

Bei uns an den Konzerten oder überall sonst über das Label. Alle Angaben mit Gewähr unten. Und wer uns als erster eine brauchbare Übersetzung der unten verlinkten fremdsprachigen Reviews zusendet, der kriegt eine Platte geschenkt.

THE UNIVERSE BY EAR: „UNTITLED“, 24.03. (Czar of Revelations/ Czar of Crickets). Vinyl (CZAR052) oder CD (CZAR051)

LIVE: 14.04.2017 Kaserne Basel (Czar Fest)

 

*Die Reviews

  • Artnoir (CH): Bei diesem Debüt hat man oft das Gefühl, alle Zeitachsen krümmten sich zu einem Punkt zusammen und präsentierten hier eine neue Supergroup. Und trotz all dieser Verweise wirken The Universe By Ear nie angestaubt oder bieder – viel mehr erreichen sie eine wunderbar weite Perspektive und erfassen unsere Umgebung als Gesamtheit und bleiben immer grossartig. Wer hätte gedacht, dass eines der kernigsten und besten Prog-Alben 2017 aus Basel stammen würde?
  • BMA Magazin (AUS): Der Sound von The Universe By Ear ist dunkel und dreckig mit einer scharfen Blues-Kante aber ungewöhnlichen Taktarten. Das Album ist voll von reichhaltigen Texturen und Grooves und einer Handvoll grossartiger Gitarrensoli. Alles ausgeführt mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks.
  • Grind on the Road (IT): Die Welt dieser Band ist aus psychotopen Substanzen hergestellt. Ihr Rock ist von Tausend Einflüssen absolut unkonventionell kontaminiert. Hut ab!
  • United Mutations (NL): Energievolle, zeitgenössische Gitarren-orientiete Rockmusik. The Universe By Ear haben einen sehr eigenen, wiedererkennbaren Sound, in dem sie Prog und Experimentelles in ihren Rock einfliessen lassen. Ich liebe es.
  • Pitfire (DE): Ambitioniertes Weltraum-Kino, das technisch einwandfrei dargebracht wird. Besonders auch der liebenswerte Siebziger-Charme im Gerocke hat seinen Reiz.
  • Metalbrothers (ES): Die Stimmen spielen eine Schlüsselrolle in diesem halluzinogenen Rock, der aus Stoner-Riffs Kraft bezieht und immer wieder seinen psychedelischen Heiligenschein aufblitzen lässt.
  • Heavy-Metal (DE): Der Typ ist ein bisschen irre am Viersaiter. Genauso ausgefallen und manchmal irritierend sind eine manchmal lachende, seufzende und zeternde Gitarre. Was für geniale Musikerhirne.
  • Metal Integral (FR): Die kompromisslosen Fertigkeiten von King Crimson treffen auf den gesanglichen Wohlklang von Yes. Doch damit ist das klangliche Universum noch lange nicht ausgeschöpft. Bedrohliche Rhythmen à-la Tool sorgen für moderne Einflüsse.
  • Metal Factory (CH): Neun Songs mit einer hervorragenden Produktion, neun hervorragend musikalische Meisterwerke sowie ein progressiv-psychedelisch gehaltenes Cover-Artwork.
  • Scream Magazine (NOR): Musik mit komplexen Rhythmen und stiller Kraft.
  • Zephyrs Odem (DE): Sehr beeindruckend, wie mit nur drei Instrumenten solch ein Alarm geschlagen werden kann. (Wertung 10/10)
  • Hooked on Music (DE): Es ist immer wieder interessant, wie es manch ein Trio schafft, trotz reduzierter Instrumentierung über eine Dreiviertelstunde einen abwechslungsreichen Sound hinzuzaubern, wo manch andere zahlreich besetzte Band ihre Schwierigkeiten bekommt.

 

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