Vier von hier (drei von Bern, eins von Fern)

Zum Entdecken: Vier Neuheiten von Bands aus der Region Bern – oder auch nicht. 

BEHAVE!

Unsere Rockette-Freunde von Behave! sind nach längerer Zeit wieder ins Studio gegangen und haben Smash aufgenommen. Wie immer überzeugt der kompakte Indie-Rock der Band, charakterisiert auch durch die starke Arbeit von Markus Fuchs an der Gitarre. Das dazugehörige Video besteht grösstenteils aus Aufnahmen aus dem Studio; auf den obligaten Drohnenüberflug, ohne den es heute bei lokalen Mittelklassebands nicht mehr geht, hat die Band Gott sei Dank verzichtet (und das nicht aus Kostengründen, sondern weil Behave! eben keine lokale Mittelklasseband sind). Wer mehr von Behave! hören will, liked sie auf Facebook und geht an eines ihrer exklusiven Clubkonzerte. Da wird man schon bald mehr neue Songs hören können. Wer mehr über Behave! wissen will, gräbt tief im Archiv von Rockette und liest diesen Artikel hier über die netteste Band der Schweiz, die es so gerne krachen lässt.

 

Roumee & Iroas

Roumee und Iroas haben sich von der Berner Chaostruppe abgesondert und soeben „Anti Einiges“ veröffentlicht, ein Album mit dreizehn neuen, soulig groovenden Songs. Man kann sicher gegen einiges sein, doch bestimmt nicht gegen diesen Sound, der einen hinüber nach Philadelphia oder in das Los Angeles von Kamasi Washington oder Kendrick Lamar mitnimmt. Iroas hat, als C. Perkins verkleidet, wieder seine Beats-Maschine angeworfen und diese Beats fliessen dann so aalglatt aus den Lautsprechern, dass ich mir in meinen Fieberträumen vorstelle, ich könnte selber dazu rappen. In „Du kennsch ds o“ geht es um das Geld, das schon am Anfang des Monats wieder fehlt. Im Video wird das Geld das WC hinabgespült, in die Pfanne gehauen oder gleich verbrannt. Halb so schlimm, es sind nur die alten Hunderternoten, die da vernichtet werden, die sind scheints eh nichts mehr wert.

 

Dnepr

Auch ein Sonderling ist (Andrea) Kaiser, der sich als Einmann-Band Dnepr nennt. Bereits in den 1980er Jahren hat er aus dem Berner Untergrund Gitarrensounds von sich gegeben, die schon damals für Unruhe in der „nume ned gsprängten“ Bundesstadt sorgten. Nun erscheint nach 25 Jahren (sic!) das Comeback-Album von Dnepr. Wieder wurde mit der Elektrogitarre ein Werk gezimmert, das sperrig und kompromisslos ist (doch wenn man alles selber macht und selber spielt, dann muss man auch niemanden fragen) und in seiner Einzigartigkeit an allem vorbei zielt, was Kommerz ist und am Radio läuft. What took you so long Kaiser, was hast du in den letzten 25 Jahren eigentlich gemacht? Und wieso kommt er gerade heute wieder zurück auf die Bühne?  (Wobei halt, das stimmt so nicht ganz, im letzten Jahr habe ich den Kaiser im Rittersaal vom Schloss Laupen gesehen und gehört, eine Art Geheimkonzert vor einer Handvoll Eingeweihten, als auf dem Handy auch gleichzeitig ein Viertelfinal der Fussball WM lief.) Rockette ist am Kaiser dran und die Leser und Leserinnen werden alle Antworten auf alle Fragen als erste erhalten, in ein paar Wochen an dieser Stelle.

 

Sun Cousto

Fern meint in diesem Artikel eine Stunde weg von Bern. Panzer Souchon (also, Isumi Grichting) und Ultrabalaste (eigentlich Julie Bugnard) sind Sun Cousto und sie kommen aus Lausanne. Als Duo von Gitarre und Schlagzeug haben sie sich aufgemacht, mit ihrem Lo-Fi Indie Rock/Pop die Bühnen dieser Welt unsicher zu machen. Panzer Souchon und Ultrabalaste sind auch die Gründerinnen des Twee Satanismus. Was das genau ist, müssen sie uns dann später einmal erklären; im Moment ist mir noch nicht klar, ob es sich dabei um eine versteckt ultrareligiöse oder eine offen blasphemische Bewegung handelt und wie viele Jünger diese hat. Auf jeden Fall kommt Jesus mehr als einmal in ihren Songtiteln vor, er surft sogar (respektive kann es eben nicht) und da ich Sun Cousto erst vor kurzem in Bern gesehen habe, nehme ich an, Jesus übt auf dem Lac Léman und nicht in Kalifornien. Am 4. Oktober kam Sun Coustos erstes Album heraus, “Satan and I walk under a rainbow”. Die erste Single und das erste Video ist “Sun is out”. Diesen raw to the bone Sound hätten auch Neil Young and Crazy Horse nicht (viel) besser hingekriegt (das Schauspielern vermutlich schon).

 

GUESTLIST: Kurt Werren lebt in Bern, der Libanon ist seine zweite Heimat. Er hat hat ein Flair für fruchtbare Begegnungen und ein Näschen für spannende Frauen und Männer sowie gute Musik. Und er betreibt seit Kurzem seinen englischsprachigen Blog The Open Enso.

 

 

 

(Titelbild: Sun Cousto)

 

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