Der Mann mit dem goldenen Ohr

Was ist besser als eine gute TV-Serie? Eine gute TV-Serie über Musik. Mit viel Musik. Die in den 70ern spielt. Die von Mick Jagger und Martin Scorsese produziert und von Terence Winter („Sopranos“, „Boardwalk Empire“) gedreht wurde. Ladies and Gentlemen: „Vinyl“.

Die HBO-Serie erzählt die wechselvolle Geschichte von Richie Finestra (gespielt von Bobby Cannavale, das ist der böse Gyp Rosetti aus „Boardwalk Empire“, oh, und war der böse), einem Self-Made-Plattenboss mit einem „goldenen Ohr, einer silbernen Zunge und einem Paar Eier aus Messing“, und mit ihr und an ihren Rändern ganz viele andere Geschichten: Da erlebt die Sekretärin Jamie (Juno Temple) ihr eigenes Cinderella-Märchen, als sie selber eine Band entdeckt, die Nasty Bits, deren Sänger von James Jagger gespielt wird, ja, das ist der Sohn, und er ist wie geschaffen für die Rolle. Da lässt einer der Plattenheinis sich von Alice Cooper erniedrigen, weil er alles tun würde, um den Star zu seinem Label zu holen. Da stürzt ein Gebäude ein, in dem Richie gerade eine musikalische Erleuchtung hat. Da gibt es Orgien. Andy Warhol. Heroin. Rassismus. Tote. Gebrochene Nasen. Sex auf dem WC beim Velvet-Underground-Konzert. Klischierte Deutsche. Die Mafia. Sexismus. Geld. Kokain. Olivia Wilde! Und die Einsicht: Das Musikbusiness ist ein Drecksgeschäft.

Geschrieben wurde das Drehbuch nicht von den üblichen Hollywood-Heinis, sondern von einem „Rolling Stone“-Journalist, in jahrelanger Zusammenarbeit mit Scorsese und Jagger. Letzterer hatte dem Autor eine Liste von Leuten gegeben, mit denen er reden solle, Leute, die „die Geschichten hinter den Geschichten kannten“ – Musiker, Produzenten, Studiobosse, A&R-Leute, alle steuerten einen Teil des Puzzles bei (kann man alles in diesem fabelhaften Artikel nachlesen, der in erster Linie den Niedergang der Freundschaft zwischen Jagger und Keith Richards beschreibt).

Und dann ist da noch die Mode. Die 70s sind ja eh de retour – „Vinyl“ wird den Hippie-Blusen-Schlaghosen-Trenchcoat-Cat-Eye-Trend noch verstärken. In der Schweiz ist „Vinyl“ zwar noch nicht wirklich zu sehen, und SRF hat aktuell „keine Pläne, ‚Vinyl‘ ins Programm aufzunehmen“, aber in Deutschland zeigt der Bezahlsender Sky die Serie, und bereits ist eine zweite Staffel gebucht, und irgendwann wird sie auch hier ankommen, so in zwei, drei Jahren spätestens schauen sie dann alle, sag ich jetzt mal. War bei „Mad Men“ genauso.

Nachtrag vom 13. April: RTS zeigt die Serie jetzt schon. Die sind uns einfach einen Schritt voraus. Beim Radio ganz besonders: Couleur 3 widmet die Sendung „Tanger-Glasgow“ am 19. April ganz „Vinyl“.

Foto: HBO

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