Von The Afghan Whigs über Bubi zu The Twilight Singers. Oder: Eine Reise nach Bologna

The Afghan Whigs spielen wieder! Nachdem sie vom Musikbusiness zerschossen worden sind und sich 2001 aufgelöst hatten, sind sie nun endlich wieder auf Tour. Und wer brav diesen Text zu Ende liest, hat unten sogar die Chance, Tickets für das Konzert am 6. August im Mascotte zu gewinnen.

The Afghan Whigs waren Anfang der Neunziger im Sog der Grunge Bands gross geworden. Doch im Gegensatz zu den Screaming Trees oder Alice in Chains fehlten ihnen einschlägige Hits. Dennoch, Alben wie „Gentleman“, „Black Love“ und „1965“ sind allesamt Klassiker. Anders als die anderen Bands, die sich von Punk oder Metal inspirieren liessen, sind bei The Afghan Whigs deutlich Einflüsse von Black Music zu hören. Für den Film „Beautiful Girls“, bei dem sie gar in der Szene vorkommen, als Paul (Michael Rapaport) bei Andrea (Uma Thurman) abblitzt, coverten sie Barry Whites „Can’t Get Enough Of Your Love Baby“.

 

 

Sänger Greg Dulli war auch massgeblich am Soundtrack zu „Backbeat“ beteiligt, einem Film über die Anfangstage der Beatles. Dieser Soundtrack veranlasste 1994 einige gestandene Berner Rockmusiker wie Sam Mumenthaler und Bubi Rufener, eine Hommageband Backbeat feat. Bubi zu gründen (ich habe sie zweimal live gesehen, absolut sehenswert. Laut FB habe ich grad ein Konzert in Guggisberg verpasst … Shame, oh, oh, shame).

Nach der Trennung der Whigs 2001 zog Frontman Greg Dulli mit seiner anderen Band The Twilight Singers, die zuerst nur ein Nebenprojekt zu The Afghan Whigs war, durch die Lande. Wenn die Whigs nun schon Geschichte waren, denn damals galten Trennungen von Bands noch definitiv, wollte ich Dulli wenigstens mit seiner aktuellen Formation sehen. Im Internet war ein Konzert von The Twilight Singers in Bologna angekündigt. Ein Gratisevent. Da ich Ferien und sonst nichts Besseres vorhatte, kaufte ich mir ein Zugticket nach Bologna. Ich ging davon aus, dass ich mich schon irgendwie ins Konzert schmuggeln könne. Nur, so einfach, wie ich mir das vorstellte, war es dann eben nicht.

Das Konzert fand im Innenhof einer alten italienischen Villa statt. Es gab einen einzigen Eingang und sonst nur hohe überdachte Mauern, typisch alte italienische Villa halt. Ich versuchte es erst beim Herren am Einlass, fragte, ob ich an das Konzert dürfe. Der schüttelte nur den Kopf und wies mich auf Italo-Englisch darauf hin, dass die Tickets nur gewonnen werden konnten. Mitleid und Empathie war grad nicht so sein Ding. Und weil es eben so ein Gratisdings war, stand vor dem Eingang auch niemand rum, um schwarz Tickets zu verkaufen.

Da stand ich nun ziemlich konsterniert am Gitter. Mein Hirn ratterte ins Leere, mir fiel nichts ein, wie ich nun da rein kommen könnte.

Plötzlich schob jemand das Eingangsgitter zur Seite und eine Gruppe Männer trat auf die Strasse. Ich konnte es kaum fassen. Den zwei Meter grossen Greg Dulli erkennt man sofort, er, seine Band und Entourage machten sich auf den Weg wasweissichwohin. Vom Ehrgeiz gepackt, jetzt oder kein Konzert, steuerte ich auf Band zu, bevor sie von Autogrammjägern umzingelt werden konnten. Es musste einfach klappen. Ich erzählte also der Gruppe mein Leid. Das Interesse war mässig, bis auf den Bassisten, der mir tatsächlich zuhörte, und fand, dass mein Aufwand doch belohnt werden sollte. Er gab dem Tourmanager den Auftrag, mich auf die Gästeliste zu setzen. Etwas widerwillig, so hatte ich zumindest den Eindruck, ging dieser mit mir zurück zum Eingang, während ich mich wiederholt überschwänglich bei ihm bedankte.

Er gab dem Typen am Eingang meinen Namen an. Danach drehte er sich um und sagte mir im Vorbeigehen, dass ich nun auf der Gästeliste stehe und trollte zurück zu seinen Leuten.

Freudestrahlend ging ich nun zum Menschen an der Kasse, welcher mich hatte abblitzen lassen und sagte, dass ich auf der Gästeliste sei. Er kuckte mich nur ausdruckslos an, schaute auf die Liste und fand meinen Namen wie zufällig auf der Liste. Er strich ihn durch und gab mir einen Stempel auf das Handgelenk. Ich war drin. Mit etwa 200 Gewinnern sass ich in einem italienischen Hof zu Bologna und erlebte ein einzigartiges Konzert, perfekt für einen italienischen Sommerabend.

Keine Angst, für das Konzert von The Afghan Whigs im Mascotte am 6.8.2017 kann man Tickets ganz regulär kaufen.
Oder noch besser, hier verlosen  wir 1*2 Tickets.

 

The Afghan WhigsRockette-Man Marcel leidet. Seine Texte stecken in der Warteschlaufe von seiner Rockette-Lady, die im Moment leider immer noch mehr arbeiten muss und weniger rocketten kann. Sie leidet auch, weil sie mehr rocketten möchte, aber mehr arbeiten muss. In der Warteschlaufe stecken noch Texte zu Mark Lanegan und Guns’N’Roses in Slane Castle, Eddie Vedder in Antwerpen und, und, und. Jaja, wir jammern auf hohem Niveau.

 

 

 

 

(Bilder: Chris Cuffaro / privat)

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