We will remember you, Taped

#Squadgoals – Bei Taped moshen die Väter im Pit mit und die Mütter tragen geschlossen Bandshirts. Das vorerst letzte Konzert der Liechtensteiner Metalcore-Combo war ein Abend voller Emotionen.

Unter einem strahlend hellen Beinahe-Vollmond versammelte die Band im Dornbirner Schlachthaus noch einmal ihr Wolfpack. Mit einem brandneuen Song verabschiedeten sich Taped, zumindest für das laufende Jahr, von der Bühne. Wir sagen: Auf Wiedersehen und bis (hoffentlich) bald.

Musik transportiert so viele kaum fassbare Emotionen, steht für Meilensteine im Leben und lässt mit wenigen Klängen ein Sammelsurium an Erinnerungen aufleben. Das Album „Empires“ von Taped gehört seit dessen Release 2015 zu meinen Top-20-Alben überhaupt – ein Werk, dass ich locker zwei- dreimal ohne Pause durchhören kann, ohne mich zu langweilen. Im Gegenteil, immer wieder entdecke ich neue Facetten zwischen den Zeilen, die mich emotional packen und eine Klaviatur an Gefühlen auslösen.

Ähnlich gings mir am Tag nach dem Abschieds-Konzert. Total unerwartet packte mich eine Flut an Emotionen, die sich, wolfsgleich, von hinten angeschlichen hatte. Ich lief gerade mit Taped im Ohr durch die Wälder und erinnerte mich an das Video zu „Turn the Page„, in dem Frontmann Finlay Sky Davey ebenfalls rennt und rennt und rennt. Ohne es zu merken, war ich zwei Stunden statt der geplanten 40 Minuten unterwegs, rannte und rannte und rannte, und machte mir für einen unspektakulären Sonntagnachmittag ziemlich epochale Gedanken zum Leben.

2017 wird es keine Konzerte von Taped mehr geben. Nachdem die Band in den letzten Jahren Europa bereist und mit Grössen wie Eskimo Callboy oder Attila auf der Bühne stand, kündigten Finlay, Tiago, Kevin, Christian und Philipp überraschend eine Pause an. Der Abend im Dornbirner Schlachthaus war zwar „nur“ als vorläufig letztes Konzert deklariert, doch sowohl im Publikum, wie auch auf Bandseite war Abschiedsschmerz spürbar. Obwohl ein „für immer“ im Vorfeld heftig dementiert wurde (etwa mit Videos aus Zeiten, als die von Finlay und Tiago in einem Keller in Mauren gegründete Combo noch in der Pubertät steckte), markierte der Abend irgendwie ein Ende.

Die Angst, vergessen zu werden, thematisiert der Sänger in „Remember me“. Nach dem Abend in Dornbirn, bei dem so einige Bierflaschen zu Bruch gingen, weil das Wolfsrudel noch einmal alles gab und das Schlachthaus mit einer rohen, aber wunderbar positiven Energie erfüllte, kann eines vorweg genommen werden: Die Zukunft von Taped mag zurzeit ungewiss sein, dass man sich aber an die Liechtensteiner erinnern wird, ist Fakt. In rund achtjähriger Bandgeschichte hat sich das Wolfsrudel in den Herzen ihrer treuen Fans ein Monument geschaffen. Wolfpack ist nicht nur ein Song, für die Liechtensteiner ist es ein Lebensgefühl.

Am Ende des Abends nahm der Frontmann seine Wegbegleiter in die Arme – und seine Mutter. Sein Talent, sein Drang, eine Message in die Welt hinaus zu tragen, machen Taped einzigartig. Nicht nur optisch erinnert der Sänger an einen gewissen Propheten – er hat auch verdammt viel zu sagen und scheint sich Tag für Tag damit auseinanderzusetzten, wie er die Welt ein wenig besser machen kann. „Young, bitter and angry“ mag der Titel des brandneuen Songs sein, nach dem Taped sich ohne viel Aufhebens wortlos von der Bühne verabschiedeten, Verbitterung war aber in keinem Moment des Abends spürbar.

I will remember you, Taped. We will.
Auf Wiedersehen und bis bald.

 

Gisèle Luther passt wunderbar zu den Rocketten: Sie braucht Musik wie Gin das Tonic und sucht die guten Töne im Leben auf allen Wegen – manchmal mit mehr oder weniger Ironie. Gibt nicht nur in knackigen Texte gerne ihren Senf dazu, sondern würzt damit einfach alles.

 

 

(Bilder: Kim Eichelberger)

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