Weit wie der Ocean

Der Startschuss kam mit der Frage der anderen Raketen. Ob ich mich zum Release des Best-Of-Albums von Billy Ocean ein bisschen treiben lassen, in den weichspülenden R&B-Wellen segeln, in die Tiefen von Oceans Schaffen tauchen und daraufhin in die Tasten hauen möchte? Klar, ja doch, schliesslich kenne ich den Discoknaller „Caribbean Queen“.

Wenn ich ihn höre, tauchen Bilder auf von meiner ersten WG in Bern. Ich wohnte dort mit zwei Freundinnen, wir hatten nebst vielen anderen auch eine kurze Oldies-Phase, wo wir uns im Theater National zu den Exzessen von DJ Funky Moskito (lebst du noch?!) vergnügten und tanzten und betranken und um 5 Uhr morgens zurück in der Bude Spaghetti kochten. Das war dann auch die Zeit für „Willy“: Wir drückten den Startknopf des Vibrators, von dem die Käuferin bis heute steif und fest behauptet, ihn nie benutzt zu haben, weil er eine komische Farbe habe (er war fleischfarben, Anmerkung der Redaktion), liessen ihn über die Küchenablage holpern – und verreckten fast vor Lachen.

Willy reimt sich auf Billy. Ocean, klar, ja doch, die Best-of-Scheibe. Also Track 4 auf CD 2 !! lautet mein Rezept zur Freude, doch beim näheren Hinhören erkannte ich noch 2-3 andere Songs: „Get Outta My Dreams, Get Into My Car“ zum Beispiel, oder „Loverboy“. Alles Klassiker, die auf die zweite CD des Doppelalbums gepresst wurden, welches übrigens morgen Freitag anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums von „When the Going Gets Tough“ auf den Markt kommt. Sound, den man (wenn nicht im National) problemlos zum Putzen hören kann. Oder sonst einfach ganz leise und zufällig.

Ruhig und romantisch ist CD Nr. 1: Hier hat Billy seine allerliebsten Coverversionen versammelt, die für ihn im musikalischen und privaten Leben irgendwann mal von Bedeutung waren. „Cry me a river“ ist da drauf, original von Ella Fitzgerald, oder „No Woman no Cry“ von Bob Marley. Ein bisschen weinerlich irgendwie. Anders als beim fiebrigen Song über die karibische Königin sehe ich hier Ehepaare Ü50, die bei Kerzenschein und einem guten Tropfen den Auszug ihrer Kinder beweinen, mit Ocean in Nostalgie versinken, wo sind all die Jahre geblieben? Die Kinder zu gross, die Tanzschuhe zu klein, die Nächte zu lang.

Und Ocean zu weit. Zu weit weg. Von mir zumindest.

 

 

 

BILLY OCEAN: „‚HERE YOU ARE: THE BEST OF BILLY OCEAN“. Out: 29.04. (Sony Music)

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