Weniger Songs sind nicht weniger schön

In diesen Wochen erscheinen viele EPs. Ziemlich viele Schweizer EPs für ein so kleines Land. In jeweils derselben Anzahl Sätze wie die Kleinalben Songs enthalten, werde ich eine Auswahl verlebendigen.

Odd Beholder, „Lighting“, out 13.05. (Mouthwatering Records)

Welcher Beschäftigung ich am liebsten nachgehen würde, während diese wunderbare Debüt-EP des Zürcher Duos Daniela Weinmann und James Varghese läuft? So lange ins Aquarium schielen bis die Kärpflinge mit den Putzerfischen verschwimmen, das wär cool. Oder im wolkenlosen Himmel nach einem ganz weit oben fliegenden Vogel suchen. Stattdessen befind ich mich natürlich mal wieder mitten im Alltag, in der Stadt, der Menschenmenge. Was ja eigentlich auch ganz gut zu drum machine und Synthesizer passt. So lauf ich mit Odd Beholder auf den Ohren gegen den Strom, immer schneller und irgendwann heb ich einfach ab.

 

The Fridge, „Campus EP“, out 27.05.  (Red Brick Chapel)

Ich vermute jetzt mal, The Fridge, also Chregi Müller, mag Brüche im Sinne von Vollbart zu Glatze tragen, schräge Töne im instrumentalen Mittelteil eines eigentlich ganz harmonischen Gitarrensongs für mitreissende Dramatik sorgen lassen („Portrait & Landscape“), ein Mundartlied inmitten englischer Lovesongs veröffentlichen. In seinem ersten Dialektlied, „Los Mou Zue“ heisst es, erkennt der Singer-Songwriter seinen Hang zur Gegensätzlichkeit übrigens selbst, stellt er sich doch die Frage: „Warum dieser durchaus unfreundliche Ton und warum dann doch nicht lauter?“ Ehrlich gesagt, ich hab den Song noch nicht oft genug gehört, um alle inhaltlichen Fragen, die mir dabei aufkommen, zu beantworten. Er ist so schräg und eigenwillig, dass ich mir dazwischen zur Gemütsberuhigung immer mal die anderen drei anhören muss.

 

The Two Romans: „Forest“, out (Real Indie, „wir machen die ganze Scheisse alleine“, sagt Samuele)

Wenn eine Band ihren Musikstil verrät, ohne jemals einen Ton von sich gegeben zu haben, dann The Two Romans. Die Thuner um die wuscheligen Frontbrüder Samuele und Mattia Zanella tragen Hemden und grösstenteils auch Bärte, langes Haar und gerne mal einen Man Bun – und sie machen, ja, genau, sie machen Folk. Und was gibt es schöneres als Musiker, die sich bis in die Fingerspitzen mit ihrem Sound identifizieren? Ich finde, rein gar nichts. So ist „Forest“ nicht weiter überraschend eine absolut authentische Sammlung folkiger Pop-Songs mit quite a bit „Mumford & Sons“-Einschlag.

(Pressbild Odd Beholder)

 

Tags:

Schreibe einen Kommentar

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.