Wer ist dieser JulDem?

Eigentlich wollte ich JulDem nicht ignorieren. Ich habe ihn schlicht verpasst. Bevor ich am Zermatt Unplugged an sein Konzert gehe, will ich aber wissen, wer er ist, woher sein Name kommt und was er mit Bastian Baker gemeinsam hat. Auch ihr könnt übrigens am Festival im Wallis dabei sein. Wir verlosen Pässe.

Vor genau zehn Jahren, als Pegasus ihre Plattentaufen noch im Bieler Club Le Singe feierten, eröffnete ein gewisser Bastian Baker ihr Konzert. Ich kam damals zu spät und habe ihn nicht auf der Bühne gesehen. Nach seinem Auftritt stand er an einem kleinen Tisch. Vor sich Autogrammkarten. Um ihn herum kaum jemand. Das liess Baker wohl schier verzweifeln, denn wie mir einen andere Rockette unlängst erzählte, war auch sie an dem Konzert. Sie wollte an die Bar. Baker habe sich ihr in den Weg gestellt und gefragt, ob sie ein Autogramm wolle. „Eigentlich will ich lieber ein Bier“, habe sie gesagt.

Was in der Zwischenzeit aus Baker geworden ist, wissen wir.

Im vergangenen Dezember war ich wieder an einem Pegasuskonzert. Ich kam wieder zu spät und verpasste die Vorband.

Es war JulDem.

Kurze Zeit später scheint es so, als stünde auch diesem Sänger eine grosse Karriere bevor. Er war für die Swiss Music Awards als Best Talent nominiert und sein Name steht auf den Lineups verschiedener grosser Openairs (Gurten, Stars of Sounds, Jazztage Lichtensteig).

Höchste Zeit also, dass ich mich jetzt doch auf diesen JulDem einlasse. Nicht zuletzt, weil er am Zermatt Unplugged spielt. Dort werden wir auch sein.

Chorknabe und Operndarsteller

Er ist 27, heisst eigentlich Julien Pellaud, kommt aus Sierre und hat letzten Winter seine erste EP „Reloveunion“ veröffentlicht. Soviel habe ich herausgefunden. Wie kommt er plötzlich wie aus dem Nichts auf die grossen Bühnen der Schweiz? Warum kann er so schön singen? Was macht er sonst so und warum heisst er JulDem?

Ich rufe ihn also an. Er spricht Schweizerdeutsch mit leichtem französischem Akzent. Seinen Dialekt kann ich nur schwer zuordnen. („Ich habe acht Jahre in Walenstadt im Kanton St. Gallen gelebt“, sagt er später. Aha.) Mit seiner angenehmen Stimme, die sich auch beim Sprechen zeigt, wickelt er einen ein. Er ist charmant, sogar durchs Telefon, und fragt mich, wie alt ich sei, woher ich komme und was ich so mache. Das passiert selten und schmeichelt mir irgendwie.

Trotzdem fasse ich mich rechtzeitig wieder und bekomme Antworten auf meine Fragen.

JulDem (man spricht den Namen übrigens französisch aus: „Schüldem“) hat vor fünf Jahren mit Musik angefangen. Er kaufte sich eine Gitarre und fing an, Songs zu schreiben. Ganz unerfahren war er aber nicht. Als Jugendlicher hat er in einem Chor gesungen und in einer Kinderoper die Hauptrolle gespielt. „Die klassische Musik hat mir eine gute Basis gegeben für meinen Gesang. Die Klassik sagte mir aber plötzlich nicht mehr viel und ich habe fast vollständig aufgehört, Musik zu machen“, erzählt er.

„Auf keinen Fall ins System“

Als er mit 22 die Berufsmatur gemacht hatte, wollte er „auf keinen Fall ins System kommen“. Er wollte nicht arbeiten oder studieren. „Das wäre für mich kein Leben, sondern lediglich ein Überleben“, sagt er. Er habe keinen Bock auf die Arbeitswelt. Das würde seinem „Spirit“ nicht entsprechen.

JulDem will Musik machen und sich nicht in die Arbeitsgesellschaft einfügen.

Deshalb hat er also eine Gitarre gekauft, Songs geschrieben und jetzt eben die EP mit fünf Pop-Raggae-Songs herausgebracht. Durch Zufall lernte er die Musiker aus Bastian Bakers Band kennen. Sie sind jetzt mit ihm auf Tour.

„Das bist natürlich du“

Und woher kommt der Name? Der erste Teil von Julien, ist klar, aber Dem?

Er habe mal ein Featuring mit einem Rapper aufgenommen. Der kam plötzlich mit einem Demotape, auf dem JulDem stand. „Wer ist dieser JulDem“, fragte Julien. „Das bist natürlich du“, habe der Rapper gesagt. „Und er war so überzeugt von dem Namen, dass ich sagte, okay gut“.

Obwohl es vorwärts geht mit JulDems Musik und er an grossen Festivals spielt („und es kommt noch fettes Zeug, das ich noch nicht verraten darf“), muss er sich noch etwas in das „System“, das seinem „Spirit“ so zuwider ist, einfügen. Er ist bei Philip Morris angestellt und bietet den Leuten an Kiosks Zigaretten-Alternativen an. Aber eines Tages werde er hoffentlich nur noch Musik machen können und davon leben.

Bis dahin erfreue er sich an den Gesprächen mit den Leuten am Kiosk, wie er sagt, und den Momenten, in denen er Zeit für die Musik hat.

Und wir werden uns am Zermatt Unplugged an seinem Gig erfreuen und diesmal nicht zu spät kommen.

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