Where Kims wild things are

Im Garten. Okay, das war ein ganz doofes Wortspiel. Ich entschuldige mich. Kim Wilde aber ist super. Mehr als das, eigentlich. 

Kim Wilde hat ein Ufo gesehen und sagt, sie werde ‘never be the same again’. Ufo-Sichtungen, dachte ich, waren ein Phänomen der 80er-Jahre. So wie Kim Wilde. Ich irrte.

Manchmal weiss man ja erst, wie sehr man etwas vermisst hat, wenn es weg ist. Manchmal aber lebt man in süsser Unwissenheit, vielleicht viele Jahre lang, und dann wird es einem vor lauter Freude ganz anders, weil etwas (wie gesagt: unerwartet) zurückkehrt. Das ist mir vor kurzem schon einmal passiert, und jetzt auch wieder. Kim Wilde, dachte ich, macht ihre Garten- und ihre Radioshow und geniesst ihr Leben, mir war überhaupt nicht klar, dass sie auch musikalisch noch gschäftig umherwuselt. Tut sie aber, ihr neues Album heisst „Here Come The Aliens“, und das Ufo übrigens, hat sie in ihrem Garten gesehen.

Und ich habe ihre nasale Stimme so vermisst.
Schaut (und hört) euch das an, geht es euch nicht genau gleich?

Das Gefühl, wieder 13 zu sein und nicht zu wissen, welchen Rock man zum Fez tragen soll, und deshalb Kim Wilde fragt, in dem man sich zum siebenundreissigsten Mal „Kids In America“ oder „You Keep Me Hangin‘ On“ anhört zwecks Inspiration und dann beschliesst, nein, kein Rock, Hose und schwarzer Blazer müssen es sein, dieses Gefühl geht nie weg, wenn man sich das Album anhört, von Anfang bis Schluss. Das muss man, und dann gleich noch einmal, weil die 80er sind dann doch schon ein bisschen weit weg, und abgesehen davon ist die Auseinandersetzung mit den Aliens eine Angelegenheit, die von Mal zu Mal schöner wird, das Album ein Winner. Beim dritten Durchgang war ich soweit, vereinzelt schüch mitsingen zu können, zum Beispiel bei „Pop Don’t Stop„, einem Duett mit ihrem Bruder und Produzent Ricky Wilde. Oder bei „Birthday“, bei dem man irgendwie mitten im Fez ist:

So dance like it’s your Birthday,
You gotta dance and we will follow,
It’s your night take the spotlight,
Scream like the world is yours.

Oder auch ganz super: „Cyber.Nation.War“

How do you slee-eep at night? Where does your resentment lie?

(es geht um Social Media Haters). Das zweite Duett „Rosetta“ singt sie mit der Schwedin Frida Sundemo. Es sind diese Balladen (die andere ist „Solstice“, ein Song über Suizid bei Teenagern), die mich denken lassen: Mir egal, was Kim Wilde in ihrem Garten gesehen hat, ein Ufo oder eine Rakete oder eine Fledermaus, ich bin so so glücklich, dass sie zurück ist. Mit diesem unbeschwerten 80er-Pop, bei dem es inhaltlich vielleicht um ganz schlimme Dinge geht, der äusserlich aber einfach und simpel die Message verströmt: Das Leben ist eigentlich gut.

Vielleicht sollten wir alle einfach öfter ein Ufo sichten. Oder so.

KIM WILDE: HERE COME THE ALIENS, out now (Phonag Records)

KONZERT: 03.10., Volkshaus Zürich

So. Und jetzt noch das (diese Frauen!):

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