Wir waren dann mal in New York

Ziemlich spontan fliegen wir nach New York. Andere geben Geld für Skiferien aus, wir schauen lieber, was im Big Apple gerade musikalisch so läuft.

Es ist New York, Baby, irgendwas gibt es da schon zu reissen. Schliesslich legen wir die Reise so, dass sie mit einem Konzert von TV on the Radio beginnen und mit Massive Attack enden würde. Das ist jedenfalls der ausgeklügelte Plan von Reiseplaner Marcel.

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TV on the Radio im Madison Square Garden (feat. Pixies und Weezer)

Da sitzen wir also am ersten Abend im Madison Square Garden, einer der wohl bekanntesten Spielstätten überhaupt. 14 Dollar für ein Bier, 100 Dollar für ein Ticket der Doppelheadliner-Show Pixies/Weezer plus Support. In Amerika ist es gerade Mode, so Doppelheadliner-Päckli zu schnüren. Im Sinne 2 für 1. Dann ists ja eigentlich ein Schnäppchen.

Es ist noch früh, 19 Uhr an einem Dienstagabend, der MSG noch fast leer. Die Bestuhlung bis vor die Bühne hilft Basement aus England auch nicht, die Halle zum Rocken zu bringen. Gespannt warten wir also auf eine meiner Lieblingsbands, die New Yorker TV on the Radio. Auch sie nur Vorgruppe, weil da kommt Grösseres, Bekannteres. TVOTR sind gut, in der Roten Fabrik vor Jahren waren sie aber besser. Das bekannte Falsett von Gitarrist Kyp Malone ist überreguliert und tönt leider nur falschette. Dennoch. TV on the Radio im MSG. I’m a happy idiot. Dass sie bei dieser Doppelheadliner-Show spielen ist kein Zufall, der andere Gitarrist Dave Sitek hat das neue, viel diskutierte „Black Album“ von Weezer produziert.

 

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Dann kommen die Pixies, die habe ich zwar nie aktiv wahrgenommen, doch die haben imfall nur Hits. Und wer sein Konzert mit Knallern wie „Nimrod’s Song“, „Here Comes Your Man“ und „Monkeys Gone To Heaven“ anfangen kann, braucht auch keine Ansagen. Sänger Frank Black scheint jedenfalls dieser Meinung zu sein und verzichtet komplett auf irgendwelche Kommunikation mit dem Publikum. Bassistin Paz Lenchantin gibt einen ordentlichen Kim-Deal-Ersatz ab, und bevor Pixies Nichthits spielen können, treten sie schon wieder ab.

pixies
Pixies

 

Wenn auch als Doppelheadliner-Show angekündigt, den ganz grossen Auftritt haben Weezer. The Garden ist nun bis auf den letzten Stuhl besetzt. Weezer standen zwar nicht auf meiner Bucketlist, ich hatte immer das Gefühl, Weezer ist so eine Band, die hätte man früher sehen sollen, in den 90ern, als sie noch gute Alben rausbrachten. Ich lag falsch. Ihre Show ist awesome. Sie beginnen vor dem Vorhang mit „Buddy Holly“ in einer Barbershop A-Capella Version. Als der Vorhang fällt, steht Rivers Cuomo als Marty McFly-Reinkarnation (Back to the Future, remember?) auf der Bühne. Rivers weiss welche Songs er nicht spielen soll. Darum bringt er auch „Buddy Holly“ nochmals als dritten Song in der Rockversion. Zwar spielen sie bezeichnenderweise verhalten nur ein Lied vom neuen Album, doch für den Rest der Show sind Weezer und vor allem Sänger Rivers Cuomo vor Spielfreude kaum zu bremsen. Cuomo schifft für zwei Soloeinlagen mit einem Weezerbötchen durchs Publikum, „Island in the Sun“ und „No Scrubs“ (TLC-Cover!), das Publikum singt mit, Cuomo badet im überschwänglichen Applaus.

Zum Finale von „Hash Pipe“ kommt die Pyro, der Raum wird noch heisser, die Band verausgabt sich, so sehr, dass sich Schlagzeuger Patrick Wilson nach dem Song wie ein erschöpfter Marathonläufer im Zieleinlauf flach auf den Boden legt und nach Luft ringt.

weezer hash pipe
Weezer

Music Hall of Williamsburg statt Radio City Music Hall

Eigentlich wollten wir ja Massive Attack in der Radio City Music Hall sehen. Die Tour wurde aber „due to illness of a bandmember“ verschoben. Zwar wären die Tickets für die Ersatzdaten im Herbst noch gültig gewesen, aber so verrückt sind wir dann auch nicht. Das Geld bekommen wir auf Anfrage anstandslos zurück. Das geben wir nun stattdessen für die Schotten Teenage Fanclub aus, welche in den 90ern mit den Alben „Grand Prix“ und „Bandwagonesque“ zwei Indiepop-Meisterwerke hingelegt haben. Wer sie damals toll fand, findet sie wohl auch an diesem Abend in der Music Hall Williamsburg toll. Wir finden sie leider etwas langweilig. Sympathisch, aber langweilig.

Viel spannender war hingegen die Vorband, The Love Language, eine jüngere Garde von Indierockern aus North Carolina. Falls sie den Gump über den Teich schaffen, werden wir sie sicher wieder schauen gehen.

The Love Language
The Love Language

New York Hardcore-Hardcore mit Youth of Today

And now something completely different. New York Hardcore, Youth of Today spielen nach zwanzig Jahren Pause wieder Live-Konzerte. Das Konzert in der kleinen St. Vitus Bar war innert Sekunden ausverkauft, sagt Marcel. Doch er hat auf einer Resale-Plattform noch zwei Tickets ergattern können.

Über die Band gibt es einiges zu erzählen, sie wurde in der Tradition der anderen Hardcore Bands wie Minor Threats gegründet und verschrieb sich ebenfalls dem Straight Edge. Vereinfacht erklärt: Hardcore sind Punks, die keinen Alkohol trinken und keine Drogen nehmen, meist auch vegan leben. Sänger Ray Cappo ist hauptberuflich Yoga-Lehrer. Alles sehr Zen, könnte man meinen. Doch in der ausverkauften St. Vitus Bar geht alles drunter und drüber, Stagediver schmeissen sich übers Publikum, schlagen Purzelbäume, über dem Publikum notabene, die weniger Todesmutigen pogen sich die Seele aus dem Leib. Nach vierzig Minuten ist die energiegeladene Show vorbei, die Songs sind wie immer im Punk sehr kurz. (Anmerkung von Marcel: Walter Schreifels, der hier nur Bassist ist, kam mit CIV, Gorilla Biscuit (Bester Bandname aller Zeiten) und Rival Schools zu einiger Bekanntheit. Patrick Nuo hat in einem Video ein T-Shirt von Rival Schools getragen).

Road Runner Record Store

New York ansonsten? Musiktechnisch können wir den Record Store „Road Runner“ beim Washington Square sehr empfehlen, nicht wegen der ausgiebigen Kollektion an Madonna-Alben, auch nicht, weil Robert Smith von The Cure schon im Laden war, vielmehr, weil der Besitzer uns nach anfänglichem Zögern ganz viele Geschichten über die New Yorker Musikszene erzählte. Und das Cover von Bob Dylans „The Freewheelin‘ Bob Dylan“ wurde in der Strasse vor seinem Laden aufgenommen. „He lived just around the corner, back in the days“.

Road Runner Record Store
Road Runner

Places to go:

(Bilder: privat)

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