Wo Rauch ist, ist auch Zauberwürfel?

DSCN1249Fomo ist die Abkürzung für die Angst, etwas zu verpassen – Fear Of Missing Out. Letzten Donnerstag muss Panik geherrscht haben im Land, denke ich, war ja so viel los. Ich bin zu alt und zu faul für Fomo. Trotzdem kamen mir ungefähr 30 Orte in den Sinn, an denen ich lieber gewesen wäre als in diesem fumo im Fri-Son, hahaha – ja, der war schlecht, soooorry! Dabei stand ein wunderbarer Abend bevor, irgendeine Vorband und dann die alten Hasen (ich bin heute so was von sauglatt) von Sisters of Mercy. „We are a rock’n’roll band. And a pop band. And an industrial groove machine“, sagen sie scheints von sich selber. Jedenfalls: „Irgendeine Vorband“ war LSD on CIA aus Dänemark, die ganz klare Sympathien zur Freikörperkultur hegen (und pflegen). Musikalisch gesprochen: So was wie Hardrock und in den Balladen ein (nicht mal sooo schlechter) Muse-Verschnitt. Bevor die langmähnigen Dänen richtig gefühlsduselig-weil-Schlusskonzert werden konnten, mussten sie aber schon wieder abtreten – man war ja schliesslich nicht wegen ihnen hier. Sondern wegen Sisters of Mercy (die seit 26 Jahren kein Album mehr herausgegeben haben bla bla bla, wer nicht eh weiss, lese bitte selber nach, mercy).

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Wo so viel Rauch, muss auch Feuer sein, dachte man noch so. It’s New Wave, baby, wie früher, ah, süsse Nostalgie! Leider ist nicht mehr früher, und man bekam recht schnell keine Luft mehr, oder ämel fast keine. Die Rauchmaschine: Hypereffizient und mit ADHS-Syndrom. Egal, hustete man aber noch hoffnungsvoll in die blaue Finsternis, zurück in die 80er, yeah. Leider war nach zwei Minuten klar: Groovy wird das nicht. Langweilig im besten Falle. Andrew Eldritch kennt nur noch eine Stimmlage (doch, das war mal anders) und die Band als Ganzes trat auf wie die Nati-Tschutter tags darauf in Irland: Krass uninspiriert. Um es kurz zu machen (oder in den Worten von Rockette Dominique auszudrücken, die war auch da): Es war grottig.

Sowieso, die viereinhalb Leute von denen ich wusste, dass sie auch ins Fri-Son gepilgert waren, (endlich passt das Wort mal! Nicht wegen Ostern, sondern weil es immer etwas Fanatisches an sich hat, wenn Ü40 in eine fremde Stadt fahren, um jemandem derart zu huldigen), verschwanden ziemlich schnell. Sie  waren a) an der Bar, und zwar an jener im unteren Stock, b) hatten die Location gewechselt (Fomo, hihi) oder c) schütteten sich mit Bier zu. Im Normalfall ist mir das alles schnurz willkommen an einem Konzert Fez, doch da wars eher ärgerlich: Jetzt muss ich nüchtern bleiben, heimfahren muss ja dann doch irgendwer, weil es ist nicht mehr 1985, und nicht mehr Dorf, ergo egal, wenn man nach Hause laufen muss.  Ich schweife ab, aber das passt zum Auftritt. Man stellte Einkaufs- oder Ostereierversteckortelisten zusammen oder sinnierte sonstwas während dieser lahmen Disco.

Und dann wurde es doch noch erträglich: Am Schluss fumo total, man sah kaum mehr einen Meter weit. The Sisters of Mercy packten die Hits aus, die sie am Anfang hätten spielen sollen, was das Konzert nicht rettete, aber bei „Temple of Love“ hoben sogar noch ein paar ihre Pfoten in die Höhe, glaubs, jedenfalls die, die noch atmen konnten, und bei „This Corrosion“ kam eventuell noch ein wenig Stimmung auf. Und null Fomo mehr, imfall, 80er-Jahre-Kinder lieben 80er-Jahre Partys, und das war eine wie aus dem Bilderbuch. Im Prinzip grottenschlecht, aber man bleibt, weil man den Ausgang nicht mehr findet, und überhaupt seinen Gschpänli noch den entwirrten Zauberwürfel zeigen muss.DSCN1250

(Bilder: privat)

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