Saufen und Gedichte lesen

Oh, The Libertines, oh, die literarischen Anspielungen, oh, der Rock’n’Roll. Heute spielen Pete Doherty und Carl Barât in Zürich, und man muss die gar nicht cool finden, das bleiche Riesenbaby und den Schnösel, man muss auch die Melodien nicht für mitreissend halten und „Anthems for Doomed Youth“ eines der besten Alben des vergangenen Jahres, aber eines ist doch schon einfach grossartig an diesen Engländern: diese wunderbare Verbindung von Absturz und Hochkultur, die Kombination von Saufen und Intellekt, von Vulgarität und Bohème.

Also ich meine ja nicht, dass das grosse Denker wären. Aber ist es nicht schön, zu wissen, dass die, die da hart auf ihren Gitarren rumschrammen und Bier ins Publikum schütten, auch ab und zu Bücher lesen? Nur ein Beispiel schnell. „Gunga Din“ ist ein Gedicht von Rudyard Kipling aus dem Jahr 1892, es handelt von einem indischen Wasserträger, der sein Leben hergibt für einen Soldaten, obwohl dieser ihn schlecht behandelt hatte. Die Libertines machten daraus einen Song, den ersten seit elf Jahren, und er hat diese Zeile, die einen tagelang nicht aus dem Kopf geht:

The road is long
If you stay strong
You’re a better man than I

Dazu drehten die Studienabbrecher ein sehr schön simples Video, das sie bei einer Sauftour durch Pattaya zeigt, es ist ein bisschen gruusig, aber auch sehr ungeschminkt und ehrlich. Das Ganze ist Rock’n’Roll mit Herz und Kopf, es gibt wenig Besseres. Darauf saufen wir heute eins. Oder zwei. Oder fünfzehn.

Aktuelles Album: „ANTHEMS FOR DOOMED YOUTH“ (Universal)

Konzert: Heute Donnerstag, 24. März, Xtra, Zürich.

(Bild: Facebook / The Libertines)

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