Rockette-Spezialität am Zermatt Unplugged: Nix planen und alles kriegen

Eigentlich wollten wir ja nur Luca Hänni sehen. Wir wollten wissen, wie er sich in einer Jazz-Combo schlägt. In diesem Rahmen trat er nämlich auf. Am Zermatt Unplugged. Mit Ronnie Scott’s All Stars. Wir kamen aber nicht in den Club. Bis wir dann doch reinkamen.

Aber der Reihe nach. Unser erstes Konzert ist das von James Bay. Was für eine Eröffnung! Zuletzt live gesehen haben wir ihn vor gut einem Jahr in London, damals in enger Lederhose und mit ständig wechselnden E-Gitarren. Doch auch unplugged (und in normaler Hose) sind wir hin und weg vom Sound des Briten – und ja, auch von ihm selbst. Der Aufritt in Zermatt lässt übrigens nicht nur unser, sondern auch James‘ Herz höher schlagen, so eine Akustik-Show zu spielen, habe er sich schon lange gewünscht, erzählt er. Nach der Show bezeichnet er diese sogar als eine seiner liebsten Shows ever. Wir sind uns einig.

Ganz geflasht von diesem Auftritt wollen wir mehr. Am liebsten eben von Luca Hänni. „Seid ihr auf der Gästeliste“. „Nein“. Okay dann halt nicht. Wir gehen wieder. Trinken Bier und Glühwein. Wie es so geht, trifft man beim Biertrinken Leute, die einen unter den Pulli nehmen. So dass wir plötzlich doch in diesem schicken Pop-up Club im Mont Cervin Palace stehen. (Noch mit den Glühwein-Pappbechern in der Hand. Und die, die uns reingebracht hat, wurde am nächsten Tag glaubs entlassen …)

Wo ist Luca Hänni? Nirgends. Dafür eben diese Band, The Ronnie Scott’s All Stars. Die Sängerin beginnt, irgendwelche Leute anzusagen. Plötzlich steht also Boy George auf der Bühne. Ja, der. Wir müssen auch schnell googeln, um sicher zu sein. Aber es ist dieser Typ, der in den 80ern mal berühmt war mit der Band Culture Club („Do You Really Want To Hurt Me?„).

Yup, that’s Boy George.

Gut. Davon erholen wir uns recht schnell. Obwohl, wenn der hier ist, wer ist es wohl sonst noch? James Bay? Oh Gott. Vielleicht. Zunehmend euphorisiert spähen wir zwischen den Tischen durch. An denen sitzen Herzchirurgen und Chefinnen von Bundesämtern. Und ab und zu ein Sänger. „Dort ist Isaac Gracie!!“ „Waas, wo?“ Es war sein Doppelgänger. Davon gibt’s übrigens viele. Sagt er uns am nächsten Tag selbst, in diesem Interview.

Jedenfalls kommt dann statt Luca Hänni plötzlich Marius Bear auf die Bühne. Der kann mit all den internationalen Stars locker mithalten und bringt die Bude während zwei Songs zum Beben. Da rockt dann auch die Herzchirurgen-Fraktion ordentlich mit, seht hier selbst.

Und Milow. Das Konzert des belgischen Singer-Songwriters am selben Abend haben wir leider verpasst. Das bedauern wir, denn es war garantiert sehr schön. Das wissen wir, weil eine von uns Milow schon dreimal live gesehen hat. Sie hat seine CDs, sogar ein T-Shirt von der „North And South“-Tour 2011. Und jetzt auch ein Fan-Foto.

Milow und eine Rockette, farblich harmonisch.

„Da ist Jessie J!“ Wirklich? Sie geht auf die Toilette. Wir müssen auch. Plötzlich löscht dort das Licht ab. Eine Tür öffnet sich. „I think it’s that one“, sagt Jessie J, drückt auf einen Schalter (obwohl das Licht mittlerweile wieder brennt), zuckt die Schultern. Dann ist sie wieder weg. Sie ist ungeschminkt, trägt super hängerischen Kleider, die natürlich trotzdem ein bisschen stylsich sind. Und es ist wirklich sie …

Als wir kurz darauf grad irgendwo am um Mario Batkovic Rumtanzen sind, steht sie auf einmal auf der Bühne und singt mit der Band „Purple Rain“ und „I Wanna Dance With Somebody“ Es ist unglaublich. Wir sind verliebt. Diese Stimme, diese super attraktive Frau.

Am nächsten Tag wird sie an ihrem offiziellen Konzert vor 3000 Leuten nonstop davon erzählen, wie wichtig es ist sich selber zu lieben und dass wir alle zwar nicht perfect aber enough seien. Jaja. Übrigens trägt sie wieder eine Art Pyjama, dieses Mal aber mit Pailletten.

Love yourself!

Apropos nicht perfekt: Unter all den persönlichen Storys und Mantras, erzählt Jessie J auch von ihrem Tattoo Fail. Die Britin hat sich ihre eigenen Song-Lyrics stechen lassen, nur leider mit Schreibfehler. So steht auf ihrer Hüfte: „Don’t loose who you are in the blur of the stars“, richtig wäre natürlich „lose„, verlieren, nicht „loose„, locker/lose.

Stimmt, da war ja noch ein guy hinter dem guy called James Bay.

Unter perfekt verstehen wir aber sowieso etwas anderes. Zum Beispiel: James Bay über den Weg laufen. Ist leider nicht passiert. Und nachdem wir in dem Bonzen-Club irgendwann in jedem einen Promi sehen, ist dann auch mal gut. Und wir gehen raus und treffen da den Mann, der eine Zigarette sucht. Wir haben nur noch eine zum Teilen und fragen ihn, Andy, ob er hier Feriengast sei. „No, I’m a musician“. Ah, cool. Und mit wem bist du denn so da? „Ich spiele Gitarre in einer Band with a guy called James Bay.“

Neuer Tag, ähnliche Story. Aber diesmal werden wir zum Auftakt gefragt, ob wir Musikerinnen sind. Wir schenken dem Mann, von dem wir uns sicher sind, dass er ein Eigentumswohnung-in-Zermatt-Besitzer ist, einen Rockette-Kleber und fragen aus Freundlichkeit nach seinen Gründen fürs Hiersein. Er spiele Schlagzeug bei Philipp Fankhauser. Noch spannender, als dass er, Richard Spooner, davor auch mit Ronan KeatingBoyzone und glaubs Westlife unterwegs war, finden wir logischerweise seine Story über James Bay. Als dieser 2016 am Gurtenfestival spielte, habe er ihm (sie haben wohl die Handynummer voneinander) einen Tisch ganz hinten im Berner Tramdepot reservieren müssen. Bay sei unglaublich schüchtern und mische sich nur sehr ungern unter die Leute. Deshalb sei er auch nach seinem Auftritt am Vorabend in Zermatt sofort ins Hotel gegangen.

Und Luca Hänni habe seinen Job im Jazz-Club gut gemacht, sagt Spooner noch. Oh Gott, den haben wir total vergessen.

TEAM ZERMATT: Die Rocketten Miriam, Julia und Melinda (v.l.n.r.) waren zwei Nächte am Zermatt Unplugged 2019 und haben für drei bezahlt. Daneben taten sie, was man von Bloggerinnen so erwartet. Oder nicht?

(Bilder: Rockette; GIFs: giphy.com)

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