17. Dezember: Es ist nie zu spät für Guillaume Depardieu

Ich habe Guillaume Depardieu einmal live gesehen. Allerdings, und das bedaure ich rückblickend zutiefst, nur huschhusch an der Raststätte Oensingen, und nicht etwa an einem seiner Konzerte. Letztere hat er auch gar nie geben können. Der Sohn von Gerard Depardieu ist 2008 im Alter von 37 Jahren an einer Lungenentzüdung gestorben, fünf Jahre vor Erscheinen seines Debutalbums “Post Mortem”. In dem Sinne habe ich ihn also immerhin in Oensingen gesehen, als er, der hauptsächlich Schauspieler war, mit seinem Vater eine Szene für den Film “Aime ton Père” drehte.

Vor einigen Wochen, geschlagene 8 Jahre nach seinem Tod, habe ich “Post Mortem” zufällig und ich würde sagen: endlich! entdeckt. Guillaume Depardieu hat es übrigens selber so benannt, erzählte seine Schwester Julie einmal in einem Interview. Er sei immer davon überzeugt gewesen, dass die grössten Werke eines Menschen erst dann erscheinen, wenn dieser schon gestorben ist.

Selbst wenn Depardieu ihn hätte voraussehen sollen: Vom Tod ist auf dem Album nicht viel zu spüren. Die Songs sind zwar nicht etwa (nur) heiter, leicht, sondern vielmehr schwer und dramatisch. Aber eben auch voller Poesie, Gefühl und Lebenslust. Was sich in erster Linie an der ausdrucksstarken Darbietung der Texte zeigt. Ja, man muss schon von Vortragen sprechen, denn Depardieu singt nur selten im klassischen Sinne. Er erzählt, schreit, flüstert seine Geschichten zur Musik seines Freundes, dem französischen Komponisten François Bernheim. “Post Mortem” ist ein riesiger Schritt über das klassische Chanson hinweg – und kommt als Geschenk nie nie nie zu spät. Jamais.

GUILLAUME DEPARDIEU: “POST MORTEM”, out (Cinq 7)

(Bild: Rockette)

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