„A Thing About You“

Roxette war seine erste Band. Und wenn er sagt „war“, meint er „ist“. Zeitlos. Gastautor Jengi Krigu verabschiedet sich von der verstorbenen Roxette-Sängerin Marie Fredriksson. 

Geboren ’83, muss es wohl gegen Mitte der 90er gewesen sein, als auf Sat1 (u vo obe übers Biud flüge e huufe farbigi Ballön) ein Konzert der beiden Überschweden Marie Fredriksson und Per Gessle samt Band Roxette ausgestrahlt wurde. Gebannt schaute ich diesen Bildern zu, hörte ich diese Melodien. Ihr wisst schon wie ich meine: Wenn plötzlich nichts anderes mehr stattfindet, nichts mehr stört, sonst nichts gehört wird. Nur ein unterbewusstes „Wow!“. Denn unter uns: Was Per Gessle resp. die Band Roxette als Verputz aufbaute und Marie Fredrikssons Stimme mit Leben und Farbe füllte, sucht heute noch meist vergebens Seinesgleichen.

Es gibt hier und da eine Guge, der auch schon Melodien gelungen sind. Zum Beispiel Rednex. Aber nur äusserst selten in dieser Fülle. Selbst Leute, die von sich behaupten, Roxette nicht zu kennen, können problemlos 12 der 20 Songs auf der Best-of mitsummen.

Dabei immer prägend ist Marie Fredrikssons Stimme. Mal angriffig („The Look“), mal Zucker („Milk And Toast And Honey„), mal herausfordernd („Almost Unreal„), mal frech („Dressed For Success„), mal Frühling („Sleeping In My Car„), mal Herbst („Spending My Time“). Aber nie gesucht, nie over the top. Immer songdienlich, treffsicher, mitten ins Herz. Wer je das lüpfige Schwüngchen in „Dangerous“ (Min. 2.34, hold on tight…) gehört hat, wünscht sich, mit dieser Wahnsinnsfrau noch ein Haus weiter zu ziehen.

Seit diesem Konzert auf Sat1 waren Roxette immer da. Nicht permanent, aber wenns eng wurde, war auf die Stimme von Marie Fredriksson Verlass. Es gab keine junge Liebe, deren Gefühlsauswüchse nicht durch die Stimme von Marie Fredriksson unterstützt und bestärkt wurden. Auch bei Ärger mit dem Herzen war sie zur Stelle. Auch jetzt. Tack sa mycket!

Godspeed Marie

GUESTLIST: Jengi Krigu ist unter anderem Musiker und Texter. Er ist Wanda, nicht Bilderbuch. Züri West, nicht Patent Ochsner. Forever Beatles und ender weniger Damian Lynn. Und wenn es einer schafft, eine verirrte Rockette zurück in die Bahn zu lenken, dann er mit seinem unerschütterlichen Musikgeschmack. Doch: Auch Krigu hat guilty pleasures – und wenn er die zum Besten gibt, dann walkt der boom boom boom boom boomerang on sunshine.

 

(Bild: privat)

 

 

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