„All men are equal“ – Entdeckung zur aktuellen Debatte

Ich habe auf einem Brocki-Streifzug total zufällig einen alten aber brandaktuellen Song entdeckt: „Out in the Fields“ von Gary Moore und Phil Lynott. Was dann wiederum dazu führte, dass ich seither nur noch Thin Lizzy höre. Nach Jahren endlich Teil 4 meiner Serie namens „Aufgrund von Äusserlichkeiten gekaufte LPs“ (bzw. Singles).

Seit 77 Bombay Street ist Zirkusjacke ein Reizwort für mich. Umso erstaunlicher, dass mir das Outfit von Gary Moore und Phil Lynott auf dem Cover von „Out in the Fields“ erst zu Hause aufgefallen ist. Es waren wohl einfach ihre Blicke, die mich zum Kauf zwangen – vielmehr gibt es auf der Platte ja auch nicht zu sehen. Bei Gary Moore, dem Rechtshänder-Gitarre spielenden Linkshänder aus Belfast, bin ich mir noch immer nicht sicher: schaut er wütend oder einfach nur entschlossen? Während Phil Lynott auf der Vorderseite ganz eindeutig aussieht, als würde er jeden Moment zu weinen anfangen.

Die beiden längst verstorbenen Iren hatten Ende der 60er Jahre die Band Skid Row (nein, nicht die Hardrock-Hair-Metal-Band aus den USA) und spielten über die Jahre immer wieder zusammen. Am erfolgreichsten in der Band Thin Lizzy, in der Lynott Frontmann und Komponist und Moore in den 70ern immer mal wieder dabei war. Für mich ist diese Band die denkwürdigste Neuentdeckung der Stunde. Ich meine, come on:

Denkwürdig auch deshalb, weil Lynott und die Themen der aktuellen Black Lives Matter-Bewegung sehr eng verbunden sind. 1949 als Sohn einer irischen Krankenschwester und eines One Night Stands aus Britisch-Guayana geboren, riet man seiner Mutter sogleich, das schwarze Kind zur Adoption freizugeben. Man nannte sie nigger lover und auch der kleine Phil war vor rassistischen Übergriffen nicht sicher. Er musste nach einigen Jahren in England quasi in Dublin noteingeschult werden, weil er erst da von seinem Umfeld akzeptiert und mit der Zeit sogar richtiggehend angehimmelt wurde. Spätestens dann, als er anfing Bass zu spielen.

Thin Lizzy haben sich über die Jahre von Rock über Blues, Punk und Disco so ziemlich jedem musikalischen Einfluss hingegeben. Und ich finde einfach alles geil, was ich bisher gehört habe. Doch hier geht es um „Out in the Fields“, diese rauschende Single von 1985. Der von Moore geschriebene Titel bezog sich zwar ganz klar auf den Nordirlandkonflikt, auf einen bürgerkriegartigen Machtkampf zwischen Protestanten und Katholiken. Und dennoch gewinnt die Thematik auch heute wieder an Aktualität. Geht es doch im Rassismus ebenso wie in den Glaubenskriegen um die tödliche Wut, mit der sich die Menschen bekämpfen, wenn sie nur noch Unterschiede, gefährliche Kluften, Macht und Angst sehen. Anstatt Gleichheit, Toleranz und Solidarität.

It doesn’t matter
if you’re wrong or if you’re right.
It makes no difference
if you’re black or if you’re white.
All men are equal
till the victory is won.
No colour or religion
ever stopped the bullet from a gun.

Phil Lynott ist übrigens kurz nach dieser Aufnahme im Alter von 36 Jahren an den Folgen seines jahrelangen Alkohol- und Drogenkonsums gestorben. In Dublin erinnert eine Statue an ihn und seinen Bass. Und wie ich beim Googlen gerade sah: Im Herbst soll eine Lynott-Doku namens „Songs For While I’m Away“ in die Kinos kommen.

 

Und weil so viel Gitarre immer so schön ist, hier auch noch „Military Man“, ein weiterer Song auf der gefundenen Platte.

Gary Moore, Phil Lynott: „Out in the Fields“, Single vom Album „Run for Cover“, 1985.

LESETIPPS: Über die Band Thin Lizzy gibt es zwei Bücher: „From Dublin to Jailbreak“ (Thin Lizzy 1969-76) und „The Sun Goes Down“ (Thin Lizzy’s Final Years). Beide wurden von dem kanadischen Musikjournalisten Martin Popoff geschrieben und können bei Bookette (shop@bookette.ch) bestellt werden. Es gibt sie nur auf English!

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