Baze aus der Bubble

Drei Songs, vier sogenannte Skits und gefühlte 100 Lebensweisheiten. Liebe Eltern, vergesst alle Erziehungsratgeber und lasst eure Kinder die „Aus Wo Fägt“, die neue EP von Baze, hören. Bitte!

Baze lebt seit Anfang Corona in einer „Bubble“ im Berner Oberland. In einem Hüttli, in dem er nicht viel mehr tut, als ein bisschen zeichnen, Behördenscheiss erledigen und die Zeit mit seiner Familie geniessen. Aus diesem „verordneten Ruhezustand“ heraus, den er „unbedingt brauchte, aber sich von sich aus wohl nie gegönnt hätte“ veröffentlichte der Berner Rapper kürzlich die EP „Aus Wo Fägt“. Das sind drei trappige Songs, „moderne sphärische Beats“, wie er es nennt, aus denen ihr euch jetzt bitte folgende Sätze notiert: „I mues nüt“, „Suber si isch o ke Lösig“ und „Aus wo fägt macht fett ussert vöglä“.

Ich habe Baze am Telefon gefragt, wie er das mit dem Saubersein seinem Nachwuchs erklärt. Sein Kind lerne von ihm: Ich bin erwachsen, du nicht. Was so viel heisse wie: Er darf gewisse Dinge tun, das Kind nicht. Also am liebsten tut es sie gar nie im Leben, fügt er hinzu! Rauchen zum Beispiel.

Er sei allgemein „ein schlechter Moraler“, sagt er weiter. Und Selbstoptimierungswahn und Political Correctness gehen ihm sowieso extrem auf den Sack, weil sie „jeden menschlichen Humor verderben“. Es komme vor, dass er nach Konzerten, an denen um ihn herum niemand einen Schluck Alkohol getrunken habe, sagen müsse: es war ein bisschen langweilig. Das dürfe man nicht falsch verstehen: „Ich respektiere Menschen, die ihr Leben ohne Rausch leben können u huere.“ Er erwarte von keinem, dass er es handhabt wie er, der sich selber als Suchtmenschen bezeichnet. „Ich verurteile mich bloss einfach nicht so krass dafür.“ Und ein Vorbild zu sein, ist auch nicht sein Anspruch. „Ich will Musik machen, meine Gefühlswelt heraustragen und so auch bei anderen Emotionen auslösen.“

Zurück zu den Songs auf der neuen EP (nach „Aus i Üs“ ist sie übrigens der zweite Teil einer Trilogie. Eventuell auch einer viel längeren Reihe). „Suber“, „I Muess Nüt“ und „Aus Wo Fägt“ handeln durchs Band weg von der Freiheit, zu tun und lassen, was man will. Davon, dass man gesellschaftliche Regeln durchaus missachten darf, wenn sie auf Kosten des Genusses, des Spasses, der Entspanntheit und der Liebe gehen. Doch wer glaubt, dass Baze diesbezüglich überhaupt gar nichts kennt, liegt falsch. „Auch ich bin nicht komplett immun gegen die Meinungen von anderen“. Gerade als Texter sei er sehr verletzbar, Kritik perlt nicht einfach an ihm ab. „Was ich rauslasse, ist schliesslich persönlich.“

Kommt mir in den Sinn: Auf der EP sind eben noch diese Skits. Das sind Ausschnitte aus Gesprächen, die Baze mehr oder weniger heimlich aufgenommen und zwischen die Songs gelegt hat. Alltagspoesie, kleine Philosophien, lustige Sprüche von Freunden – und immer geht es um das einfache, normale Leben. Eins, wie es Baze in seiner Oberländer Bubble gerade lebt. „Ich würde gerne etwas davon mitnehmen“, sagt er. Fürchtet aber, dass er nach drei Monaten simplen Daseins wieder in alte Muster zurückfallen werde. „Der Mensch vergisst schnell.“

BAZE: „Aus Wo Fägt“ EP, out (Eret)

(Titelbild: Jonas Moser)

Dieser Text ist auch in unserer Gazette #2 zu finden. Die könnt ihr hier bestellen. 

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