Flieg rein, Ikarus, durchs Zeitfenster

Es sollte ja bitte sehr immer alles wie durch Butter gehen. Wie geschmiert, flutschen, runter wie Öl. Und dann kommt da eine Band wie Borderline Symphony, deren Musik sich ganz schön quer stellt. “Crisantemi”, wie der Einsteiger auf deren erstem Studioalbum heisst, deutet zwar nur ansatzweise darauf hin. Ungewohnt ist an diesem Song höchstens das Italienisch, das nicht mit Italo-Pop-typischer Inbrunst, sondern mit relativ emotionsloser Stimme dahingesungen wird. Gegen Ende von “Rubik’s Cube”, Song Nummer Zwei, drückt die Verschrobenheit, auf die die Zürcher Band mit ihrem Namen anspielen könnte, dann aber schon ganz hübsch durch. Nicht nur wird auf einmal englisch gesungen, auch der Sound wechselt die Laune, wird noch einen Tick abgefahrener. Ab “Apoteosi Per Tutti” und allerspätestens beim deutschsprachigen “Schauspiel der Grosszügigkeit” ist dann endgültig klar, dass es sich hierbei um ein psychedelisches Pop-Album handelt.

Ich bewundere die Fähigkeit von Borderline Symphony, zu irritieren, ohne zwanghaft ins Abstruse abzudriften. Mein einziges Problem: Die Dreisprachigkeit, die vielen Einflüsse, die dadurch entstehende Unberechenbarkeit machen es schwierig, diese Musik zufriedenstellend zu beschreiben. Ich vertraue jetzt einfach mal darauf, dass mich Luca Pollioni, Dzhevret Sali und deren Mitmusiker nicht hänseln, wenn ich einfach sage: Das Album ist intensiv und speziell geil. Abgehoben, aber nie arrogant. Jeder kann es verstehen, obwohl es einen gewissen Unergründlichkeitsanspruch hat.

Übrigens habe ich im Zuge des Zwangsherausschiebens dieser Albumkritik (Release war ja glaubs schon Anfang Monat) ein zweites Goldstück des Borderline-Labels Ikarus Records in meinem CD-Haufen gefunden: “Playback Dreams” von Kid Ikarus. Und mir fiel ein, dass auch meine St. Galler-Heiligen Lord Kesseli and the Drums zu dem Kuchen gehören. Oh Gott, und Emilie Zoé, die am Freitag ihr Album “Dead-End Tape” veröffentlicht hat, worüber ich im Trubel nicht schreiben konnte, ist die erste Frau auf “Freakarus Records“.

“Tut uns leid, wir haben keine Zeit, wir sind verplant, spontan ist schwierig, doch vielleicht, wir schauen den Terminplan an, lässt sich irgendwie ein kleines Zeitfenster öffnen, wir haben Glück, es gibt noch Lücken, eine davon dürft ihr pflücken und näher zu uns rücken” (Borderline Symphony, “Die Jahreszeitlosen”)

Dafür das Video!

BORDERLINE SYMPHONY: “BORDERLINE SYMPHONY”,
KID IKARUS: “PLAYBACK DREAMS”,
EMILIE ZOE: “DEAD-END TAPE”
(out, out, out bei Ikarus Records, Emilie Zoe in Kollaboration mit Hummus Records)

(Pressefoto)

 

PS: Wir bitten um Entschuldigung für die falsche Schreibweise von Borderline Symphony in der ersten Version dieses Posts, da haben wir ein wenig überboardet …

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