Während wir im Zürcher Kongresshaus am Boden knieten, um unter einem dicken Vorhang hindurch einen Blick auf Colin Farrell zu erhaschen, erzählte mir ein Fotograf, er habe sich einmal vertraglich verpflichten müssen, nur während der ersten paar Minuten des Konzerts von Sir Paul McCartney zu fotografieren. Man müsse sich das vorstellen: McCartneys und sein Name auf einem A4-Blatt! Sowas passiere einem nur einmal im Leben.
Mir ist es also auch passiert. Und zwar an ebendiesem 21. Zurich Film Festival, an dem wir gerade rumknieten. Mein Name stand allerdings auf demselben A4-Blatt wie jener von Claire Foy (sie spielte unter anderem die junge Queen Elizabeth II in "The Crown"). Und zwar musste ich mit meiner Signatur garantieren, dass ich nur in einem Medium (Keystone-SDA) und nur im Zusammenhang mit ihrem neuen Film "H is for Hawk" (Filmstart vermutlich im November) veröffentlichen würde, was sie mir im 10-minütigen Interview sagen werde. In dem Sinne eben, darf ich darüber leider nicht schreiben. Aber hier könnt ihr lesen, was ich sonst noch so mit ihr und ihrem lustigen Kollegen Benedict Cumberbatch erlebt habe. Und was ich natürlich auch schreiben darf: "H is for Hawk" ist unbedingt empfehlenswert. Ich habe zwei Stunden lang geweint und bin mit dick geschwollenen Augen zum Interview erschienen. Vielleicht haben einige von euch das Buch "H wie Habicht" von Helen Macdonald gelesen, auf dem der Film basiert. Einen offiziellen Trailer gibt es offenbar noch nicht, aber ich hab diese llustige Zusammenfassung gefunden:
Leider habe ich aus Zeitgründen abgesehen von "H is for Hawk" und "Stiller" keinen Film schauen können. Aber ich habe von einer Filmjournalistin gehört, dass das ZFF dieses Jahr mehrheitlich Filme über jammernde Männer gezeigt hat, was mich sowieso nicht interessiert. Obwohl "Stiller", kann ich hier vielleicht noch als gecheckten Fact hinzufügen, ja genau dieser Kategorie angehört. Und den fand ich als Zusammenfassung der ersten Romanhälfte ganz okay. Hier gehts zu meinem Interview mit Sven Schelker, der einen Teil der Hauptrolle spielt.
Und da war Russell Crowe, den ich, als er mit über 30-minütiger Verspätung auf dem Grünen Teppich erschien, erst für Kurt Russell beziehungsweise Jeff Bridges hielt. Oder eigentlich jeden männlichen Schauspieler über 60. Es hätte, wenn ich das Standbild oben betrachte, auch Brendan Gleeson, der Co-Star von Claire Foy in "H is for Hawk" sein können. Item, da war eben Russell Crowe, der offiziell nach Zürich kam, um "Nuremberg" vorzustellen und einen Preis für sein Lebenswerk abzuholen. Ich finde, er kam, um zu bluffen. Auch darüber habe ich woanders geschrieben.
Letztlich ist es am Zurich Film Festival immer so: Die weiblichen Superpromis rauben mir durch Bescheidenheit, Intelligenz und eine faszinierende Natürlichkeit den Atem, während die männlichen oft durch ein merkwürdig aufgesetztes Verhalten auffallen. Ausser Benedict Cumberbatch, der hatte mich sofort in der Tasche, als er von seinem furzenden Pferd in "The Power of the Dog" erzählte. Miriam