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17.09.2025

Bad Ragaz war nicht bad, sondern eher Veraguth

Es fühlt sich an, als hätten wir kürzlich am Bad Ragazer Literaturfestival Die Rahmenhandlung gerade zwei Wochenenden übereinander erlebt. Das eine als Bloggerinnen, die erkennen mussten, dass dieser Begriff uminterpretiert worden ist. Das andere als ganz normale Rocketten, die es an Festivals stets schaffen, in die skurrilsten Momente zu platzen. Und dann doch die Bucket List vergessen. Wo fangen wir an?

 

Vielleicht beim Bloggerinnen-Event:

Wenige Monate nach unserem Bloggerinnen-Comeback wurden wir als solche an Die Rahmenhandlung eingeladen. In einem kleinen Referat sprachen wir zu einer uns bis dato unbekannten Blogger:innen-Gruppe über die Wichtigkeit unserer Tätigkeit in Zeiten der Medienkrise, von unseren Ansprüchen als Journalistinnen an unsere Texte und von den Grenzen, die wir in den klassischen Medien brav einhalten und auf unserem Blog lustvoll brechen. Wir präsentierten das Rockette-Universum mit all seinen kreativen Auswüchsen, und dann ... merkten wir, dass wir zu Menschen sprechen, die den Begriff bloggen für eine Tätigkeit brauchen, die wir beide schlicht influencen nennen, und dass auf Social Media längst andere Kriterien gelten als auf der guten alten Website.

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Wir sind wohl einfach alt geworden. Das ist okay, und solcherlei trübe Gedanken haben wir ja zum Glück immer nur bis zum ersten Glas Wein. Das gabs allerdings erst nach dem ersten Lesungsparcours. Was so viel bedeutete wie: Man ging von Ort zu Ort, hörte Menschen zu, die etwas geschrieben haben, und versammelte sich dann mit dem Rest des Publikums im Oberstufenzentrum. Dort, wo Miriam statt Wein Bier genommen hat, weil sie dachte, es sei gratis. (Wars nicht, es kostete 5 Franken. Nina hat diese gezahlt, aber nur das halbe Bier getrunken, weils warm war. Aber wir waren ja nicht gekommen wegen des Bieres!)

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Aber der Reihe nach. Auf Ronja von Rönne hatten wir uns an diesem Abend am meisten gefreut. Und wir wurden nicht enttäuscht! Bloss waren unsere Gedanken schnell bei ihren Fingernägeln, die farblich so gut zu den unseren passten. Und wir setzten den Punkt "Handfoto mit Ronja von Rönne" sogleich auf unsere Bucket List (ein altbewährtes Festivalkonzept von uns). Ja, wir waren bissi abgelenkt (wir fragten uns die ganze Zeit bange: Wird sie da sein? Im Oberstufenzentrum? Sie war). Am nächsten Posten, in der katholischen Kirche, las Judith Poznan eine Geschichte von ihrem Wohnwagen vor. Nina natürlich sofort sehr gerührt und bewegt und mit Tränen in den Augen (es ging im Text darum, dass sie, Judith Poznan, ihren Wohnwagen verkauft, etwas, das Nina auch mal gemacht hat). In ihrem Buch "Prima Aussicht" schreibt Poznan mehr über ihre Wohnwagen-Erfahrungen. Es lohnt, auch wenn man selber keinen hat. 

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Judith Poznan war es dann auch, die unsere Nägel mit jenen von Ronja von Rönne fotografierte. Wobei Letztere die Optik ihrer Nägel mit einem familiären Gendefekt begründete und auch wir irgendwie Hemmungen bekamen, unsere Pranken auf Instagram zu teilen. Hände sehen auf Fotos einfach in den allermeisten Fällen unvorteilhaft aus. Schlimmer als schlecht sitzende Hosen oder von der falschen Seite her fotografierte Gesichter.

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Das alles haben wir Renato Kaiser brühwarm erzählt, der plötzlich auch noch auftauchte. Renato Kaiser, muss man wissen, hat schon mehrmals klappentextgelesen bei uns (hier ein Beispiel) und macht sich die Nägel selber (das hätten wir niemals erraten). Er lebt schiints jetzt ‒ wie wir ‒ auf dem Land und wir hatten ein lustiges Gespräch mit ihm übers Wandern und so, bis Sunil Mann unser kleines Kränzchen crashte. Grundlos. Mais bon. 

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Auch den Lesungsparcours am nächsten Abend prägte vor allem das Danach. Als Nina und der Autor und Mundtrommler Peter Weber auf ihre gemeinsamen Wurzeln, die Kantizeit und die Lehrer zu sprechen kamen, die sie beide so sehr prägten, beispielsweise. Und Miriam, diesmal mit einem bezahlten Getränk in der Hand, heraus fand, dass sie währenddessen allesamt ‒ Maultrommler inklusive ‒ aus der Aula ausgesperrt worden waren. Dort spielten gerade die famosen Los Serej. So schön. Vielleicht noch ein bisschen schöner, weil wir uns fernab von Bern befanden, es war halt irgendwie auch recht speziell. 

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Wir waren verzaubert. Kauften Merch. Kauften Bücher. Und dann war alles fertig, dort im Oberstufenzentrum, die Show, der Apéro und so. Und so blieb am Ende nicht viel mehr als der direkte Weg ins temporäre Rockette-Stammlokal, dessen Namen wir vergessen haben. Dort, wo Stephan Klapproth, eben noch auf der Showbühne, gerade dabei war, für ein Erinnerungsfoto zu posieren. Nina bot an, das Bild zu knipsen (wir haben die Situation nachgestellt). Es mag an äusseren Umständen gelegen haben, dass wir bis heute das Gefühl haben, das Handy von Stephan Klapproth sei extrem klein gewesen. 

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Wenn wir in Bad Ragaz überhaupt je einen Plan gehabt haben, dann war es der, am Festivalsonntag zu Noah Veraguth zu gehen und herauszufinden, wie er seine Songtexte schreibt. Am Ende sassen wir in dieser Zeit aber in der Sauna beim Gewürzaufguss, schwitzten, gingen in uns und dachten: Hey, eigentlich auch Veraguth, dieses Programm. 

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Übrigens: Die Bucket List haben wir im Verlauf des Festivals vergessen - allerdings nur, um zu merken dass wir unsere To Dos inzwischen schon abhaken können, ohne sie vorher definiert zu haben.  

Und wenn das jetzt alles ein bisschen wirr tönt ‒ genau so wars.

 

 

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