Ich habe den "Salzpfad" ("The Salt Path") zweimal gelesen, beide Male war ich erschüttert, wie so etwas möglich ist: Ein britisches Ehepaar verliert seinen Bauernhof und wird obdachlos. Raynor und Moth gehen auf Wanderschaft, weil sie kein Heim mehr haben. Sie leben von wenigen Pfund in der Woche, der kranke Moth gesundet, Raynor schreibt nachher ein Buch. Das erste von mittlerweile 3 ist nun verfilmt worden. Mit Gillian Anderson!!!
Die drei !!! sind nötig, denn erstens ist sie (Gillian Anderson) eine Göttin. Zweitens ist es unfassbar, wie ähnlich sich die Film-Eheleute und die echten sehen. Das Filmfest München hat der Schauspielerin kürzlich einen Preis verliehen für ihre herausragenden Beiträge zur Filmkunst. Ihr Partner, Moth, wird übrigens von „White Lotus“-Star Jason Isaacs gespielt, mir sagt das nichts, aber ich kenne ein paar, die jetzt kurz aufkreischen, gell?
Und jetzt kommts: Ich habe kürzlich mit Raynor Winn gesprochen. In Zürich, sie kam gerade aus München, wo sie mit Gillian Anderson unterwegs gewesen war. Nach dem Interview setzte ich mich in den TGV Richtung Paris, um von dort nach London zu fahren. Nach diversen Wirren, aber das ist eine andere Geschichte, landete ich auch dort, kaufte am Sonntagmorgen den "Observer" und las: Alles gar nicht wahr. Die Story von Raynor Winn. Die nicht so heisst. Nachzulesen unter anderem hier.
Ich fühlte und fühle mich etwas verarscht. Erst wollte ich deshalb grad gar nichts mehr dazu schreiben. Aber: Der Film ist schön. Und gut gespielt. Die vielen Naturaufnahmen lassen einen das Salz in der Luft riechen, selbst wenn man in einem Kinosessel sitzt. Und, ich wiederhole mich, Gillian - ich könnte sie stundenlang anstarren.
Das Ende des Films ist seltsam abgehackt, Raynor Winn, die am Drehbuch mitgeschrieben hat, meinte: Die Story ist eben dann erzählt. Wie sich herausstellt, nicht die ganze. Dennoch lohnt es, sich "The Salt Path" anzuschauen. Man muss damit rechnen, nachher sofort loslaufen zu wollen, irgendeinen Fernwanderweg unter die Füsse zu nehmen, oder sagen wir: mal sicher die Wanderschuhe suchen zu wollen. Nina
"Der Salzpfad", jetzt im Kino.
Bilder: Stills aus "Der Salzpfad", Verleih DCM