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17.08.2025

Kriminelle Orientierung

Bansin ist das jüngste von drei Kaiserbädern auf der Ostseeinsel Usedom. Entlang der Küste, besser: des kilometerlangen Traumsandstrandes, sind die Ortschaften Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck fast ausschliesslich für Tourist:innen reserviert. Es reihen sich Hotels an Ferienwohnungen an Gästezimmer an Restaurants, die im Sommer voll und im Winter leer sind. Die Einheimischen – früher lebten sie vor allem von Fischerei und Landwirtschaft – sind alle auf die eine oder andere Art in das Tourismusgeschäft involviert. Sie wohnen allerdings nicht dort, wos wirklich schön ist, sondern am Dorfrand oder noch weiter im Inselinneren.

 

Das (und noch viel mehr) weiss ich, weil ich am zweiten Tag unserer Ferien die Krimis von Elke Pupke entdeckt und innerhalb von drei Tagen drei Bände verschlungen habe ("die lesen sich gut, ne?", sagte die Verkäuferin und mir schien, eine bessere Beschreibung dieser Bücher könne es nicht geben). Pupke ist ein Local. Sie wuchs in Bansin auf, hat das Seebad nie länger als eine Feriendauer verlassen, ist gelernte Bibliothekarin, arbeitete in der Gastronomie und heute kann man sich von ihr durch das Örtchen führen und historisch updaten lassen. Was ich selbstverständlich getan habe. Und so lesen sich dann eben auch ihre Krimis, die sie en masse veröffentlicht, wie unterhaltsame Reiseführer oder lebendige Porträts der Menschen, die dort leben.

 

Obwohl, Krimi ist eigentlich zu viel gesagt. Die Verbrechen geschehen eher nebenher, was mich anfangs schwer irritiert hat. Ein Mord passiert innerhalb eines Satzes, die Polizei kommt kaum vor und dann folgen erst einmal 200 Seiten Dorfgeschehen. Es gibt unzählige Gespräche am Stammtisch, hin und wieder nimmt einen die Autorin in ein Wohnzimmer mit, es wird spekuliert und getratscht und auf den letzten paar Seiten läst die alte Dorfbewohnerin Tante Berta "den Fall".

 

In einem Interview auf Youtube gibt Elke Pupke zu, dass sie mit dem Morden schwer tue. "Bei mir kriegen die Menschen meistens von hinten einen Schlag auf den Kopf oder sie werden von der Seebrücke gestossen", sagt sie. Andere Methoden machen ihr selber Angst, geschossen wird in ihren Büchern beispielsweise selten. Elke Pupke interessiert sich viel mehr für die Mordmotive. Sie lässt die Leichen also gewissermassen liegen und die Polizei im Hintergrund ihre Arbeit machen und rückt stattdessen die Dorfmenschen in den Fokus.

 

Für mich waren diese Bücher die beste Art und Weise, dieses schräge Örtchen Bansin kennenzulernen. Ich erfuhr, wo früher die Fischerhütten standen, warum sie weg sind, wer hier welches Haus bauen liess und was der Grund für die spezielle Anordnung der Villen entlang der Strandpromenade ist. Daheim im Emmental funktionieren die Geschichten nicht mehr so gut. Ich fühle mich beim Lesen buchstäblich nicht mehr so mittendrin. Aber ich habe mir vorgenommen, mich in den Ferien vermehrt mit Hilfe von Lokalkrimis zu orientieren. Sie sind meiner Meinung nach die besten Reiseführer. Miriam

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