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23.11.2025

Kulturbeute der Woche #3

Die Momente, in denen ich keinen Film schaue, kein Buch lese, kein Museum besuche und keine Musik höre, wären leichter aufzulisten als die anderen. Hier aber trotzdem ein knapper Überblick über meine neuesten kulturellen Höhepunkte:

 

  • Ihr Buch «Pleasure» habe ich verschlungen, ihren ersten Spielfilm herbeigesehnt. Und ich sage euch, «Unterwegs im Namen der Kaiserin» von Autorin, Filmemacherin, Künstlerin, It-Girl, was noch, Tennisspielerin, Jovana Reisinger müsst ihr unbedingt schauen. Zumindest die Menschen, die Filme lieben, die sie in dieser Art überhaupt noch nie, nicht mal im Ansatz je gesehen haben. Die Geschichte um drei Freund:innen, die auf der Suche nach dem Jungbrunnen erfahren, dass eine:r von ihnen die Reinkarnation von Kaiserin Sisi ist, ist nicht nur unglaublich witzig, sondern auch wunderschön kitschig inszeniert. Es passiert wenig, dafür werden umso mehr feinsinnige Gesellschaftsanalyse und -kritik betrieben. Jovana Reisinger ist die Knalltüte der 2020er-Jahre. Sie sprüht vor Fantasie und klugen Gedanken und alles, was sie produziert ist zu 100 Prozent Jovana. So, so erfrischend. 

    Jovana Reisinger, Unterwegs im Namen der KaiserinZDF-Mediathek.

 

  • Dieser Tipp kommt jetzt vielleicht ein bisschen überraschend. Aber es gibt derzeit noch eine CD in meinem Auto, die selten bis nie spinnt. Ich höre sie also seit Jahren, und verleidet ist sie mir nie: «Deitinge Nord» von Chlyklass. Ich habe darüber mal einen Text mit dem Titel «…ssech» geschrieben, den ich immer noch mag – abgesehen von zwei, drei Stellen, die ich heute so nicht mehr schreiben würde (aber im Archiv von Rockette können wir keine Änderungen mehr vornehmen). Das Album läuft also schon seit sechs Jahren, wenn ich von A nach B fahre ‒ immer no lieber dr glich Scheiss aus di Scheiss – und ich will es an dieser Stelle allen empfehlen, die wie ich eigentlich wirklich nicht into Mundartrap sind.

    Chlyklass, Deitinge Nord, 2020 (Chlyklass Records)

 

  • Zweimal war ich schon in der Yayoi-Kusama-Ausstellung in der Fondation Beyeler. Relativ oft, wenn man bedenkt, dass sie erst seit einem guten Monat läuft und ich jedes Mal extra vom Emmental angereist bin. Mein erster Besuch war ein Genuss. Ich war an einem Donnerstag um 9 Uhr morgens da, was in der Fondation Beyeler so viel bedeutet wie: Ich sah bis zu den Bildern, ohne geschubst zu werden. Es blieb also ausreichend Zeit, Kusamas farbstarke Punkte-Malerei psychedelisch auf mich einwirken zu lassen. Dabei driftete ich so weit ab, dass ich am zentralen Werk der Ausstellung, der Installation "Infinity Mirror Room – The Hope of the Polka Dots Buried in Infinity Will Eternally Cover the Universe", vorbeischwebte. Deshalb musste ich ja ein zweites Mal hinreisen. Doch da war Sonntagnachmittag und die Fondation so etwas wie ein erweiterter Arm der Basler Messe. Ich werde mich nie mit dem Rummel in diesem Haus anfreunden können, aber die Retrospektive der japanischen Künstlerin sei hier trotzdem empfohlen.

    Yayoi Kusama, Fondation Beyeler, bis 25. Januar 2026

 

 

  • Ich gehe nicht alle Tage ins Kunstmuseum St. Gallen, auch wenn ich das liebend gerne täte. Aber kürzlich hat mich eine berufsverbundene Veranstaltung hingelockt - und ich habe ganz nebenbei Jacqueline de Jong entdeckt. "Disobedience" (Ungehorsam) heisst die die erste Retrospektive der kürzlich verstorbenen Künstlerin in der Schweiz. Bitte geht hin, denn ihre Malerei (es hat auch Skulpturen und Grafiken) ist nicht nur toll, weil sie gross und farbig und politisch ist. De Jong hatte einen eigenwilligen Ansatz, sich mit den unterschiedlichsten künstlerischen Bewegungen der Nachkriegszeit auseinanderzusetzen. Er ist voller Humor und radikaler Eigenwilligkeit. Erinnert mich alles in allem ein bisschen an Jovana Reisinger ‒ auch wenn man, und das ist ja eben genau der Kern der Sache, die eine nicht mit der anderen vergleichen kann. Miriam

    Jacqueline de Jong, Disobedience, bis 22. März 2026

 

Fotocredits "Unterwegs im Namen der Kaiserin": ZDF/Sophie Wanninger
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