“Du sollst Dinge nicht aufhalten, die einfach rollen”

In ihrer dritten Version wollen Sinside nochmal durchstarten. Das Hauptziel der Schweizer Allstar-Group um Chris Blum ist dabei nicht der grosse Ruhm, sondern “richtig tight” als Band zusammenzuwachsen. 

Chris Blum in seinem Element

Platten-Deals, internationale Tourneen, Fame – Chris Blum kennt das, wonach junge Bands streben, nur zu gut. Der umtriebige Gitarrist ist in der Schweizer Musikszene bekannt wie ein bunter Hund. Ob als Musiker, Stage Hand oder Booker – was nichts mit Musik zu tun hat, findet in seinem Leben wenig Platz. “Ich stehe am Morgen auf, mache mir einen Kaffee und setze mich an die Gitarre. Was nichts mit Musik zu tun hat, ist mir relativ egal”, so der Gitarrist, der sich seinen Lebensunterhalt mit seiner eigenen Musikschule in Frauenfeld verdient. Es sind vor allem diese Leidenschaft für die Musik und das lässige Auftreten, die den Schweizer zum wahren Sinnbild für Rock’n’Roll machen – er hat mehr “Sex, Drugs and Rock’n’Roll” im kleinen Finger als andere Bands in ihrer ganzen musikalischen Karriere erleben.

Was er nicht mehr hat, sind Illusionen. Seine 2006 begründete Band Sinside brach kurz nach den Aufnahmen für das Debütalbum auseinander. Das Studio in Irland hatte sich nicht an Abmachungen gehalten und der Sound entsprach nicht dem, was sich Chris und die Band vorgestellt hatten: “Danach brauchte ich erst einmal zwei, drei Jahre – wenn man so viel Energie in etwas steckt, das dann so schief geht, muss man sich kurz davon erholen.” Aber auch eine zweite Version der Formation war nicht von Bestand.

Sinside 3.0

Die Umstände, die Sinside 2017 wie den sprichwörtlichen Phönix aus der Asche steigen lassen, waren filmreif: “Während einer Ausgabe meiner legendären Santa-Claus-Party lief ein alter Sinside-Song – meine Gäste tobten und sangen Zeile für Zeile mit. Ein Gänsehaut-Moment, in dem ich mich schon fragte, ob meine Band nicht wiederbelebt werden sollte.” Als er kurz darauf aufgrund eines Verkehrsdelikts in Thailand im Gefängnis landete, ihn ein Kumpel direkt im “Knast” anrief und meinte “Hey, ich kann gerade zwar nicht weg, weil meine Freundin mich daheim eingesperrt hat, aber lass uns als Sinside nochmal starten. Und ich weiss auch, wer noch in die Band gehört – er ist nur gerade im Spital, weil er sich die Birne aufgeschlagen hat” war für den Rocker klar: Dieser Moment war so einmalig – Sinside nicht wieder zu beleben, war gar keine Option mehr.

Sinside 2017

Nochmal mit einer Band durchzustarten, daran hatte Patrik Wydler, Gitarrist und unter anderem Greenfield- und Musig Pub TV-Moderator, nach seinen Stationen bei Soulstrip und und zuletzt Mephistosystem eigentlich auch nicht mehr gedacht. Aber schon nach der ersten Jam-Session mit “Sinside 2017” war für den Musiker klar: “Das passt!” Und obwohl jedes Mitglied der Band – alles arrivierte Schweizer Musiker mit viel Erfahrung und einem grossen Netzwerk – eine Leaderfigur sei, harmoniere die neue Konstellation perfekt, so Chris Blum. Kaum bekam die Szene Wind davon, das Chris Blum zusammen mit Sängerin Alexx Suter, Basser Roger Koblet, Drummer Steve Karrer und Gitarrist Patrik Wydler nochmal unter dem Bandnamen Sinside startet, regnete es es Gigs: “Wir mussten ein Dutzend Auftritte absagen, weil wir zeitlich nicht so viele Shows hinbekommen haben. Aber: So viele Anfragen zu bekommen, ohne einen Finger zu krümmen – das muss man erst mal schaffen!”, so Chris Blum, der die vielen positiven Reaktionen auf die “Reunion” seiner Band auch damit begründet, dass er für eine gewisse Qualität stehe, die auch die Veranstalter kennen und schätzen würden.

Ein Demo geplant – eine EP produziert 

Sein Qualitätsbewussstein zeigt sich auch darin, dass er seine Gitarren-Parts auf der ersten EP der “neuen” Sinside noch als verbesserungswürdig einstuft. Eigentlich war nur geplant, bei V.O Pulver im Little Creek Studio ein Demo aufzunehmen. Ein Tag später hielten Sinside vier gemixte und gemasterte Songs in den Händen und für Patrik Wydler war klar: “Das ist nicht nur ein Demo – das muss raus als EP.” Gesagt, getan: Kurz darauf stand die EP “2017” bereits als Digital Release unter Brownsville Records, dem Label seines Bruders, zum Kauf bereit. “Ich hätte hie und da noch etwas an meinen Gitarren-Parts gefeilt – aber hey, wir hatten die Möglichkeit, das Demo als EP zu releasen – Dinge, die einfach rollen, soll man nicht stoppen”, so Chris Blum gewohnt lässig.

Kaum war die EP draussen, nahmen Sinside am Ostschweizer Festival Rock am Gleis ein Video zum Song “Superhero” auf. Das Resultat ist ein perfektes Abbild dessen, was Sinside auszeichnet: Klassiker, authentischer, schnörkelloser Rock’n’Roll und Spielfreude pur.

© 2017 Schmith Digital, www.schmith.digital

“…dann kommt niemand mehr an uns vorbei”

Wenn eine Band mit so viel Experience neu startet, geschieht das augenscheinlich ganz frei von Illusionen. “Erfolg ist ein dehnbarer Bergriff – ist ein Musiker erfolgreich, wenn er um die Welt tourt, aber seine Familie nur ein paar Monate im Jahr sieht? Ich kann geile Gigs spielen und miterleben, wie meine Jungs aufwachsen, das ist mein Erfolg”, so Patrik Wydler. Und Chris Blum ergänzt grinsend: “Plattenverträge, grosse Tourneen? Das interessiert mich nicht. Mein grössten Ziel ist es, dass wir als Band richtig richtig tight zusammenwachsen – dann kommt niemand mehr an uns vorbei!”

Out now! Sinside, 2017. Brownsville Records 

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(Fotos: Facebook/Sinside)

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