Ein Sturm, eine Kirche und viele Wörter von Violetta Zironi

Reden ist Silber, Singen ist Gold. Violetta Zironi wollte das an ihrem Konzert in der St Pancras Old Church nicht wahrhaben. Es war trotzdem schön. 

„Ich soll nicht zu viel schwatzen“, sagt Violetta Zironi am Anfang. Und schwatzt dann endlos. O my. Klar, es ist schön zu wissen, warum sie diesen oder jenen Song geschrieben hat, aber eine zehnminütige Erklärung bei allem – sorry, too much information.

Aber was tu ich hier mötzeln. Es war alles schön, damals in London, in der Prä-Corona-Zeit (einen Mund-Nasen-Schutz trug ich da zwar, im Gegensatz zu jetzt, im Zug nach Paris, weil neben mir einer Mcdo frass, in London, weil irgendein Sturm wütete, die ganze Zeit). Es war ein Erlebnis, aus vielen Gründen, vor allem aber wegen dem schönen Merch von Violetta Zironi. Weil das Konzert in der St Pancras Old Church stattfand, anscheinend einer der ältesten christlichen Plätze in London. Oder vielleicht der älteste (hinter dem Gotteshaus übrigens steht ein Baum, der aus Grabsteinen zu wachsen scheint. Freaky! Und endlos cool!)

 

Violetta Zironi, italienische Singer-Songwriterin, die in Berlin lebt, singt zurzeit vor allem auf Englisch. Mir gefielen aber insbesondere die wenigen italienischen Stücke, sie waren einfach … sexier. Aber vielleicht hatte das wieder einmal einfach mit Sprachmelodie zu tun. Und sie selber will sich wohl nicht mehr als die Popprinzessin sehen, die sie einst nach „X-Factor“ in Italien geworden war.

Jedenfalls: Jetzt ist mehr Folk, mehr Soul und mehr Pop in ihren Songs zu finden, und das ist so schön! Das viele Quasseln störte nur so halb, wenn ich ehrlich bin, ich schaute mich um und trank – einmal mehr – viel zu warmen Rotwein aus einem Plastikbecher, der Sturm blieb draussen, und ich empfand ehrliche, weltliche Freude ob all dem Gold an den kirchlichen Gadgets.

Okay, zwischendurch googelte ich noch den Support. Archie Faulks hatte vorher eine Stunde lang gesungen (und ein, zwei Witze gemacht). Bei ihm klingen alle Lieder, als ob sie Filme untermalen würden, wichtige, tiefe, wunderschöne Filme. Haben sie vielleicht auch schon, ich weiss nicht. Das war mir dann doch zu viel Google-Recherche. Was er – neben den Jokes – auch noch sagte, war, dass er gerne mehr Instagram-Follower hätte. Ich finde, so viel Ehrlichkeit muss belohnt werden. Und überhaupt alles. Archie Faulks ist super. Also, go ahead, please.

(Bilder: Rockette)

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