Frei, wild, laut und heiss

Dottore Safari, Frontmann der Berner Rock’n’Roll-Band Frankie Safari, wäre wenige Stunden vor der Taufe des Debütalbums „From The Wild Frontier“ beinahe an einer Bratwurst erstickt. Die Story ist wahr. 

Frankie Safari gehören nicht zu jenen Bands, die zu Marketingzwecken irgendwelche Legenden erfinden. Warum auch? Sie werden in dieser Zeit, in diesem Land, bei diesem vorherrschenden Mehrheitsmusikgeschmack sowieso nie kommerziell erfolgreich sein. Leider auch wahr. Ob „aus Blödheit, aus Überzeugung, aus Idealismus oder Sturheit“ – Dottore Safari, Bassist Mr. Haymito, Drummer Monsignore Dies und Organistin Jungle Matsumi wollen trotzdem Songs schreiben und auf Bühnen stehen. „Wir tun es, auch wenn wir keine Chance haben“, sagte Dottore Safari, nachdem er das Stück Wurst irgendwann ausgehustet hatte und die Platte in Biel dann doch noch getauft werden konnte. Weil es Freude mache und weil sie so auch mal alles um sich herum vergessen können.

Wenn ich überhaupt irgendeinen positiven Einfluss auf die heutige Gesellschaft haben kann, dann, indem ich über Menschen mit einer so viel Leidenschaft und einer solchen Schaffenslust schreibe. Über Leute, die mit den wunderbaren Mitteln der Kunst eine ganz eigene „Ausweichwelt“ erschaffen, wie Dottore Safari es nennt. „Eine Welt, die mehr Spass macht, als die da draussen. Eine, in der wir überleben können.“

Die Welt von Frankie Safari, „Universum“ nennen sie sie, ist sehr bunt, sehr wild, sehr inspiriert und sehr drauf los. Soweit ich weiss, hat keine andere Band vor lauter Euphorie so schnell so viele Videos zu einem Album herausgehauen ( „I Want Love“ feierte bei uns Premiere). Und: Frankie Safari sind gerne laut. „Unsere Art ist gekoppelt mit viel Lärm“, so der Sänger. Auf der Bühne komme das noch viel deutlicher zur Geltung als auf der Platte.

„From The Wild Frontier“ ist das erste Album der Band, die anderen Formationen wie The Dead, The Monsignores oder The Babies entwachsen ist. „Sie ist unser Herzstück“, so Dottore Safari. So eckig und primitiv, wie ihr 60er-Jahre Garage-Punk live klinge, genau so sei er nun auch daheim anzuhören. Die Aufnahmen dauerten drei Tage, jeder Song wurde maximal dreimal gespielt. „Wir haben keinen Perfektionsdrang – letztendlich zählen die Emotionen, der Spass an der Musik, das Fühlen der Musik und das darin Aufgehen.“

Nun sind ist 14 Rock’n’Roll-Nummern nicht die einzigen guten News from the wild frontier. Wie es so läuft bei getriebenen Bands, die nicht an Ruhm oder Geld, sondern ans Schwitzen, an Live-Konzerte und überhaupt jede Form des kreativen Ausdrucks denken, steckt die Platte in einem vom Berner Künstler Dirk Bosma gestalteten Cover. Mit einem Comic!! Das von Christian Calame (Blackyard) illustrierte Bändchen erzählt die Geschichte von Jungle Matsumi, dem neusten Bandmitglied. „Sie hat uns gerettet, nicht nur im Comic“, sagt Dottore Safari über die Organistin. „Das ganze männerlastige Rockding ist nicht nur nervtötend, es ist auch vorbei.“

Soweit zu den Fakten. Am nächsten Samstag wird „From The Wild Frontier“ in Bern zum zweiten Mal getauft. Ich lass mich auf jeden Fall drauf los.

FRANKIE SAFARI: „From The Wild Frontier“, out.

Hier verlosen wir 2×1 LPs mit Comic und Download-Code. 

LIVE: 

(Bilder: Frankie Safari)

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