Geile “Yeahs” und “Bläähs” aus dem Schweizer Nu-Metal-Distrikt

Nu Metal gehört zum Millennium – ähnlich wie Feuerwerk und Baggy Pants. Wer damals jung und pubertierend war, schrie sich durch die Songs von Limp Bizkit, Papa Roach oder Linkin Park. Wer die Nu-Metal-Welle immer noch vermisst (wie ich) oder zu jung ist, um sie erlebt zu haben, sollte dringend A Small District kennenlernen.

Was war es geil, mit 12 Jahren die innere Zerrissenheit und die Wut gegenüber allem und jedem mit Lyrics wie “Everything ist fucked, everybody sucks”, “Don’t give a fuck if I cut my arm, bleeding” oder “I tried so hard and got so far, but in the end it doesn’t even matter” in die Welt hinauszuschreien. Nu Metal war die Musik einer ganzen Generation und mein Eintritt in die Welt der harten Riffs und Breakdowns.

Mittlerweile sind die Helden von damals etwas verweichlicht (#räusper Papa Roach #hüstel), teilweise eher zum Lachen oder Rest in Peace, Chester nicht mehr unter uns. Die Flagge dieses Genre hoch halten A Small District. Nicht des Genres wegen, sondern weil sie die Musik mögen: “Die Nu-Metal-Welle hat stattgefunden, jedoch hat unsere Motivation nichts damit zu tun. Es ist einfach die Musikrichtung, die uns gefällt.”

Das Promobild zum Erstling “The Big Rescue Plan”.

“Eigentlich machen wir’s nur der Kohle wegen”, witzelt Sänger Björn. Ernst ist es dem ambitionierten Quartett aus Bern und Thun hingegen damit, seine Musik unter die Leute und diese auch an ihre Konzerte zu bringen: ” Im Untergrund gestaltet es sich jedoch oftmals schwierig, zumal Genres wie Metalcore und Hardcore nach wie vor beliebter sind – somit bedienen wir mit unserem Sound eine Nische.”

Ihr “small district” gefällt Sänger Björn, Drummer Avi, Basser Adrian und Gitarrist Remo aus vielen Gründen. “Nu-Metal lebt von rhythmischen Parts, Metal- und HipHop-Einflüssen. Wir spielen keine Gitarrensoli (auch, weil wir es nicht könnten :-)) und haben keine Blast-Beats, bedienen uns an cleanen Vocals, Rap-Parts und Shouts. Diese Vielfältigkeit lieben wir besonders, da wir aus vielen Genres unsere Inspiration holen können.” Von Linkin Park über Deftones, Rage Agains The Machine oder Prodigy zu den Red Hot Chilli Peppers – jedes Band-Mitglied wurde von unterschiedlichen musikalischen Vorbildern oder Inspirationen beeinflusst, die sich alle in den Songs der Band deutlich hören lassen.

Sänger Björn lüftet dann auch das Geheimnis (ok, es hat mich einfach tierisch Wunder genommen), was es mit dem Metalcore-, Hardcore- und Nu-Metal-typischen “bläh” (klingt ein wenig, als hätte der Sänger gerade etwas ganz, ganz Ekliges gesehen), auf sich hat: “Zum Thema ‘Bläh’ kann ich nur sagen, dass es ein Stilmittel ist und einfach geil tönt. ‘Yeeahs’ und ‘Bläähs’ eignen sich hervorragend, um ein Breakdown oder einen groovigen Part einzuleiten.”

Nach dem neun Songs starken Erstling “The Big Rescue Plan” (hier zu hören, 2016) haben A Small District 2017 mit dem Songwriting für die nach der Band benannte Nachfolge-EP begonnen. “Die Songs haben wir zuerst in Eigenregie im Übungsraum aufgenommen und grob abgemischt, damit wir die Songs verfeinern und vollenden konnten. Im April 2019 haben wir schliesslich unsere EP im Downtone Studio in Genf aufgenommen.”


Die nach der Band benannte zweite EP mit einem Artwork von Carlo Knöpfel (Credits: A Small District).

Persönlich verfolge ich A Small District seit Ende 2017. Der 29. Dezember 2017 wird vielen Schweizer Metalheads als schwarzer Tag im Gedächtnis bleiben. Die Berner Metalcore-Formation Breakdown of Sanity hat ein letztes Heimspiel im Bierhübeli gespielt, bevor sie sich auflöste. Mir bleibt dieser Tag aber auch in Erinnerung, weil ich zum ersten Mal A Small District auf der Bühne erlebt habe. So gross die Wehmut an diesem Abend auch war, so pickelhart war das Set der Vorband A Small District. Umso mehr einen Stein in Brett bei mir (der Veganerin, die für Tierrechte stundenlang durch die Strassen demonstriert) haben die Nu-Metaller, weil sie sich am kommenden Samstag für Tiere engagieren und im Jugendkulturhaus Flösserplatz zusammen mit weiteren Musikern ein Benfizkonzert für den Tierschutzverein “Hilf dem Tier” spielen: “Wir sind alle Tierfreunde. Und wenn uns die Möglichkeit geboten wird, etwas Gutes zu tun, sind wir sehr gerne dabei.”

Danach sind A Small District im Rahmen von “Bring back the Insanity” am 21. Dezember 2019 im Treibhaus in Luzern zu sehen (und hören).

* In der von der Burgergemeinde Bern unterstützten Bern-Serie stellen wir Musikerinnen und Musiker aus der Hauptstadt vor. Das ist der zweitletzte Teil der Serie. Alle anderen Teile sind hier zu finden.

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