„Herrgöttli panaschiert“ – das Protokoll

Der noch namenlose Video-Livepodcast von Death by Chocolate-Sänger Mathias Schenk und dem amtierenden Poetry Slam-Schweizermeister Marco Gurtner ist wie im Spunten sitzen und zwei Typen beim Biertrinken und Rumliiren zuschauen. Bloss würde ich da nie im Leben ein Protokoll schreiben.*

Datum: 26. März 2020
Beginn: 19 Uhr
Ende: 20 Uhr
Ort: Instagram
Folge: 2
Anwesende: Mathias Schenk, Marco Gurtner
Protokollantin: Rockette Miriam
Zur Protokollführung: Passagen mit Musikbezug sind fett. Etliche wurden weggelassen.

Begrüssung durch Mathias Schenk, Zuschalten von Marco Gurtner.

Bei Mathias klingelt es. Er geht in Richtung Tür, verschwimmt, die Verbindung im Treppenhaus ist schlecht, doch dem Gesagten nach nimmt er ein Paket von Microsoft entgegen. Er hat beinahe eine Sehnenscheidenentzündung und deswegen eine Maus bestellt. Marco hält seine „gruusige“ Tastatur wie ein Telefon ans Ohr, damit die Zuschauer sie sehen – er habe sie wegen seinen Armen gekauft.

Marco trägt einen „Police“-Hut, das ist eigentlich verboten.

Es wird einander zugeprostet. Mathias hat sein Bier bei Bier Bienne bestellt. Er macht Werbung, wird dafür aber nach eigenen Angaben nicht bezahlt.

Mathias und Marco waren im Blick. Zum Stolz von Marcos Vater, der den Link zum Artikel herumgeschickte.

Mathias, oben, Marco, unten.

Weder Mathias noch Marco sind auf diese Videokonferenz vorbereitet. Dabei wäre das abgemacht gewesen. Mathias musste jedoch staubsaugen, was ihm viel Kapazität raubte. In Marcos WG wurde die Facility Managerin wegen der Coronakrise abbestellt.

Marco hat die Literarische in Biel gemacht. Mathias ist auch in einer Band namens The Fabulous Gipsy Dicks. Die hat schon zweimal an der Holzfachschuleparty gespielt. Die Chilbi ziehe einem die Schuhe aus.

Marco hat nicht Metallbauschlosser gelernt aber eine Lehre gemacht. Ein spezielles KV. Nicht das Sex-KV. Er machte auch nie das Accounting der Golden Girls. Er hat das Bank-KV gemacht und danach nie mehr auf einer Bank gearbeitet. Mathias kennt einen mit demselben Werdegang. Die Banklehre sei das Schlimmste gewesen, das dieser je in seinem Leben gemacht habe. Marco kann dem Kollegen nachfühlen. Die Literarische hat er übrigens sauber abgebrochen und dann als Velokurier und in einer Tubenfabrik gearbeitet. Mathias hat den Gymer absolviert, Sport studiert und die PH gemacht.

Es wird wie schon in der ersten Folge beschlossen, dass in dieser Diskussion nicht „gmacht“, sondern „pmacht“ gesagt wird.

Marco macht oft Tontechnik. Für sich daheim, gemütlich. Wenn er lacht, dann geht das eine Auge immer zu. Mathias bemerkt dazu, dass Menschen asymmetrisch sind.

Übergang zur Namenssuche für das laufende Live-Format: „Herrgöttli panaschiert“ oder „no es Absackerli“ sind Vorschläge.

Marcos Mutter hat seinerzeit die Platte „Wohäre Geisch?“ von Chlöisu Friedli gekauft. In Tagen, in denen Friedli big war. Marco findet die Platte im Regal und kontrolliert: 1969 kam sie heraus. Seine Mutter habe in dem Alter wohl kaum schon solche Musik gehört, sagt er.

Mathias hat in den vergangenen Tagen Nachrichten von Randenfans bekommen. Randen soll potenzsteigernd sein.

Marco und Mathias machen auf dem Splitscreen einen Riesenfinger.

Wieviel Musik macht Marco, lautet die Frage. Rein nur drummen tut er wenig. Er wohnt in Basel, der Bandraum ist in Bern. Ausserdem macht seine Band eine Pause.

Mathias hat ein Klavier in seiner Wohnung, ist aber zu bescheuert, es zu spielen. Er kann sich nie merken, was er drückt.

Von Seiten der Zuschauer kommt ein weiterer Namensvorschlag: „Güchenko“. Mathias notiert den Vorschlag auf der imaginären Schreibmaschine.

Mathias ist Klassenlehrer. Was heisst das? Er ist hin und wieder auch seelsorgerisch tätig, nach eigenen Angaben aber nicht der Typ, der den Kindern das „Mäsi“ anbietet.

Marco hat eine Story gelesen. Auf 20 Minuten, wo er normalerweise nie etwas liest.

Marco muss sein zweites Bier aus dem Gefrierfach holen. Derweil kommentiert Nadine Lirio. Marco meint, er liiri o.

Wegen dieser Story im 20 Minuten: Da schrieb eine Frau, sie habe sich mit 17 in ihren 45-jährigen Lehrer verliebt. Die beiden waren 13 Jahre zusammen. Jetzt nicht mehr. Marco fragt, ob das unprofessionell sei. Worauf Mathias kurz überlegt, wie alt man mit 17 ist. Eine solche Beziehung wird einstimmig als unchillig befunden.

Doch: Die Welt ist für alle da, sagt Marco. Ein Zitat, das Mathias sofort erkennt. Es stammt von Produzent Philippe Laffer, dem Mitbewohner von Marco. Mathias sagt es, wie Laffer, auf hardcore Baseldeutsch. Mathias kann gut Baseldeutsch, Marco eher den Dialekt von Leuten aus Lörrach nachmachen. Die Freundin von Marco kommt aus dem Kanton Bern, ein Grossteil ihrer Familie aber aus Basel. Und sie switcht zwischen den Dialekten. James Gruntz kann das auch. Switchen. Mathias findet das immer huere komisch, weil er dann nicht mehr die Person vor sich hat, die er doch schon ewig zu kennen glaubt.

Mathias hat letzte Woche seinen Zahn ziehen müssen und ihn – scheisst der Papst in den Wald? – mit nach Hause genommen. Der Zahn steht nun auf seinem Klavier. Er nimmt ihn und zeigt Marco, wo ungefähr sich dieser Zahn im Mund befunden hat. Manchmal schaut der Zahn zum Fenster raus.

Marco schlägt Mathias vor, mal etwas mit Worten zu machen. Es sei nicht so schwierig. Mathias hat aber auch mit dem Gesicht alles unter Kontrolle. Marco meint, wer seine Mimik im Griff hat, hat sein Leben im Griff. Er selber hat seine Mimik nicht im Griff. Wenn er Fotos von sich an Auftritten sieht, denkt er oft: „fuck, so sehe ich aus?“ Mathias sagt, dass auch, wer ein Instrument spiele, ein komisches Gesicht macht. Dasselbe wie beim Sex. Ein Ejakulationsgesicht. Marco bevorzugt deshalb Sex im Dunkeln, erwähnt aber gleichzeitig Fangeräusche, die er einschalten kann. Alles muss ein Event sein, auch wenn nur zwei Leute teilnehmen, sagt er.

Es bleiben noch zwei Minuten. Mathias und Marco diskutieren, ob sie es beenden oder beenden lassen wollen. Abmoderation oder abchlemmen? Sie machen noch einen Screenshot und vereinbaren, sich nächste Woche wieder zu treffen. Gleicher Ort, gleiche Zeit.

 

* Es ist Corona, wir haben Zeit zum Versauen. Deshalb erscheinen bis auf Weiteres immer freitags diese Protokolle. Die Live-Gespräche könnt ihr euch jeweils donnerstags um 19 Uhr auf den Insta-Profilen von Mathias Schenk und Marco Gurtner reinziehen.

(Bilder: Mäschä)

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