„Herrgöttli panaschiert“ – das sechste Protokoll

Mathias Schenk ist von einem Brief der Steuerverwaltung Pisser genannt worden. Wegen solchen Geschichten hat Marco „Güschä“ Gurtner mit dem Konzept Briefkasten aufgehört. Das ist ihm zu brutal. Wir haben protokolliert.*

Datum: 4. Juni 2020
Beginn: 19 Uhr
Ende: 20 Uhr
Ort: Instagram
Folge: 7
Anwesende: Mathias Schenk, Marco Gurtner
Protokollantin: Rockette Miriam
Zur Protokollführung: Passagen mit Musikbezug sind fett. Etliche wurden weggelassen.

Mathias sagt „so“ und streichelt seinen Hals. Er sucht nach einem Wort – es ist nicht Miriam.

Gopfertelisiech, jetzt ist auch Marco da.

Mathias kommt das Wort immer noch nicht in den Sinn. Protokollantin, sagt Marco und fragt, ob sich die Protokollantin selber ins Protokoll nimmt. Das müsse sie ja fast, da bis jetzt noch gar nichts passiert ist.

Mathias spielt seine Steuerrechnung.

„Herrgöttli panaschiert“ hat heute drei Minuten Verspätung, sagt Marco, was ist da los? Mathias kommt einfach nicht draus. Er kam nach dem Bänden nach Hause. Diesmal haben sie keine Frauenfürze abgelassen, sondern Katzen gestreichelt, also alles megagut, seine Band hat sogar einen Welthit geschrieben. Und eben, er kam heim, öffnete den Briefkasten und sah einen gräueligen Brief. Im Kanton Bern nimmt man einen solchen in die Hand und erkennt sofort, dass das mit Steuern zu tun hat. (Bei Marco wandert sowas direkt in den runden Ordner.) Mathias dachte „He, fuck mann, sorry, mir muss das mal jemand erklären“. Er kommt einfach nicht draus mit den Schlussabrechnungen. Kaum hat er alles von 2019 eingeordnet, kommt wieder etwas von 2019. Zägg, bremst es dir einen rein. (Marco gefällt, wie Mathias sich aufregt.) Mathias scheisst es nicht an, Steuern zu zahlen. Er macht das gern. Was ihn aufregt ist, dass er nicht drauskommt. Er dachte wirklich, er sei safe, habe alles bezahlt. Dann kam wieder eine Rechnung, die ihm aus dem Briefkasten heraus sagte, er sei ein Pisser.

Marco hat mit dem Konzept Briefkasten aufgehört. Das ist ihm zu brutal, für ihn ist das einfach eine Kiste. Nicht in meine Kiste, not in my box, not in my kitchen.

Mathias geht es gut, er hat viele erfreuliche Nachrichten. Zum Beispiel ist sein Velo wieder da. Es war nicht im Service, es ist gestohlen worden. Kurz gefasst: Es wurde sehr nahe von seiner Wohnung geklaut. Kurze Zeit später stand es noch näher, aber mit einem anderen Schloss. Also rief er die Polizei. Marco findet das huere überkorrekt. Mathias wollte aber nicht in eine Situation kommen, in der jemand kommt und sagt, fick dich, du klaust mein Velo. Mathias ist sich ziemlich sicher, dass sein Velo von einer kleinen Person geklaut wurde. Der Sattel war sehr weit unten. Vielleicht wars ein Arschlochkind.

Marco ist wieder in Basel, weil er als Experte interviewt wurde – für eine Bachelor-Arbeit über Geilheit. Aus dem Interview seien vier Bier geworden, sagt er. Deshalb habe er ein bisschen einen drin.

Marco öffnet ein Bier.

Marco war vorher im schönen Thun und hat da mit Henä, seinem alten Herrn, im Garten gebügelt. Sie haben eine Trennwand gestellt, wegen der Paparazzi, die bei Papa wohnen. Den haben Mathias und Marco schon am Telefon gebracht, auch damals mussten sie beide lachen. Eben, Sichtwände aus dem Obi. Dann ein Kakteengärtli. Früher hat Marco sowas nie gemacht, er hatte zwei linke Hände. Dachte er zumindest. Denn inzwischen fiel ihm etwas auf: Früher sagte er immer „sorry“, wenn ihm blödes Zeugs mit Werkzeug passierte. Sein Vater ist manchmal auch abgeschlipft, aber der sagte Dinge wie „du huere Schisschrube“. Marco ist sich heute sicher: Es liegt immer am Werkzeug, nicht an einem selbst. Marco hat also nicht zwei linke Hände, sondern zwei linke Hämmer.

Mathias macht bei solchen Dingen immer etwas mindestens so falsch, dass er fünf Arbeitsschritte zurückgehen muss. Nur malen kann er wie ein Herrgöttli. Und er hat sein Bett selber gemacht, also mit Hilfe eines Schreiners und so Geräten. Er schläft jetzt am Boden, dafür sieht das Bett geil aus.

Mathias will das Bett zeigen, zeigt aber seine Gitarre. Ein geiles Nest.

Marco hat schon IKEA-Regale selber zusammengestellt. Bei einem fehlte eine Zwischenwand. Nicht er, sondern IKEA hat etwas falsch gemacht. IKEA ist eben auch nur ein Mensch. Jetzt hat Marco da den Drucker und „Twin Peaks“ reingestellt.

Marco hat auf einmal eine Bindehautentzündung, Mathias hat gefeisst. Das sind die neuen Foto-Dingdongs auf Instagram.

Mathias hat ein paar Fragen. Die Dringendste: Wolltest du mal Glasbläser werden? Marco findet Glasbläser einen huere krassen Job. Glas ist geil. Blasen irgendwie auch. Glas blasen klingt auch geil. Man könnte auch Blas glasen sagen. Das ist wie das fünfte Wad am Ragen.

Rasenmäherroboter oder Rasenmähertraktor? Marco hat nur schlechte Erfahrungen mit dem Rasenmäher gemacht. Sie hatten ein Miniminiminimäuerchen im Garten, da fuhr er oft rein. Marco fände einen Rasenmäherroboter geil, der aussieht wie ein kleiner Traktor, auf dem er sitzt. Dafür würde er Bauchreden lernen. „Ja, ihr könnt von unserem Holunder holen“, würde er sagen. „Houderebäseler.“ Er kann schon etwas bauchreden, nämlich „mmmmh“. Mathias kann „aha“ – aber man sieht es am Hals. Er müsse das Doppelkinn drüberlegen, sagt Marco und zeigt, wie das geht.

Mathias hat Simu Spahr, den Gitarristen von Pegasus, einmal gefragt, ob er lieber taub oder blind wäre. Die Antwort: „Lieber blind, mann, ich kann nicht leben ohne Reggae.“

Ein guter Freund von Marco wird aggressiv bei Reggae. Das versteht Marco nicht. Obwohl, wenn man sich so sehr entspannt und gar nicht entspannt sein will, dann verliert man schon die Kontrolle. Dann hat Bob Marley gewonnen. Er ist eigentlich der Kontrollverlust in Person.

Eines der besten Alben ist laut Mathias „Babylon by Bus“ von Bob Marley.

Die Fragen an Marco sind alle von Dominik Muheim. Marco muss sich bei Dominik melden. Der hat ihm nämlich letzte Woche eine Sprachnachricht geschrieben, als er offensichtlich betrunken war. Er habe auch bestätigt, dass er einen am Helm hatte, sagt Marco. Eine blumige Bränte am Béret.

Foto-Dingsdongs.

Eine weitere Frage. Ist Marco wie die Festivals auch abgesagt? Marco sagt: „Die Festivals sind abgesagt, ich bin angesagt.“ Mathias findet das nicht lustig, sondern wahr. Ab wahren Sachen kann er nicht lachen.

Man sieht Mathias’ Nase immer. Auch wenn kein Licht ist.

Mathias und Marco treffen sich nächste Woche zum ersten Mal persönlich. Beide sind nervös. Mathias fragt sich, wie gross Marco ist. 1,82, das ist Marcos Ernst. Er sagt, Mathias sei 1,90 und hat recht. Das heisst, in sechs Jahren ist Marco auch 1,90.

Bei dem Treffen werden viele Sachen passieren. Mathias hat bis dahin allerdings noch so einiges im Kopf, zum Beispiel eine Schlussabrechnung begleichen. Marco weiss schon, was er oben anziehen wird. Auch den Zug hat er schon herausgeschrieben.

Marco liebt Dominik Muheim. Mathias findet, man dürfe ihm nicht zu viel Love geben. Marco meint, doch, er brauche die Liebe, er sei aus Liestal. Wenn Marco gerne von jemandem Götti wäre, dann von Dominik Muheim. Oder von dessen Kompostwürmern.

Mathias ist zweifacher Götti. Er empfiehlt allerdings Güsche als Götti, er selber findet sich als solchen schlecht.

Bei Mathias fängt es an zu seichen. Bei Marco nicht. Rägä ist gut für die Würmer, kommentiert Dominik Muheim. Reggae ist gut für die Würmer.

Bei Mathias haben sie einen Kran gestellt. Daneben hing durch puren fucking Zufall ein Kinderballon. Mathias dachte, man wolle den Ballon holen. Er stellt sich gerade ein Bauunternehmen vor, das von einem Kind geführt wird und nur solche Sachen macht. Er spielt nach, wie das Kind in den Windeln und mit sehr tiefer Stimme ins Sitzungszimmer kommt und den Auftrag erteilt, den Ballon zu holen.

Das klingt alles nach Marcos Kindheit. Auch nach der von Mathias.

Mathias erzählt rund fünf Minuten weiter, wie das Kind Stutz machen würde. Für Marco klingt das nach einem perfekten Trickfilm. Mathias: Fuck, „The Boss Baby„, das gibt es ja alles schon! Er schwört, dass er gerade alles selber erfunden hat, was er jetzt aber natürlich noch lange sagen kann. Es scheisst ihn an.

Marco kennt das. Wenn er beispielsweise eine Geschichte schreiben will über ein Schiff, das auf dem Meer in etwas reinfährt, zerbricht, untergeht, parallel dazu eine fucking Love Story, dann merkt er, shit gibts schon: Ice Age.

Marco ist sehr trainiert. Er ist ein Tier, geht zweimal die Woche ins Fitness und dreimal ins Crossfit. Er ist im Lockdown sehr gläubig geworden. Und beim Crossfit ist er Jesus am nächsten.

Mathias sind gerade die Steuern in den Sinn gekommen.

Tschautschau.

Marco zieht in Richtung Thun, in eine Mansion. Die Vermieter würden am liebsten mit ihm einziehen, sagt er. Er wird Mathias einladen und alle können zuschauen. Einfach nicht bei allem.

Mathias gratuliert.

Mathias hat Geld wie Heu im Bach.

Es bleiben noch eineinhalb Minuten. Die Story der Woche: Marco hat Mathias’ Vater auf Instagram „Legende“ genannt. Er meinte, das sei das Profil von Mathias. Vättu schickte daraufhin ein GIF, der ist huere parat.

Mathias hat wieder fast in die Hose gepisst, als er das letzte Protokoll gelesen hat. Marco möchte immer nur das Protkoll lesen, merkt aber dann, dass er dafür erst reden muss.

Mathias verabschiedet sich. Tschautschau.

* Diese Protokolle (hier sind sie gesammelt) erscheinen bis auf Weiteres immer freitags. Die Live-Gespräche könnt ihr euch jeweils donnerstags um 19 Uhr auf den Insta-Profilen von Mathias Schenk und Marco Gurtner reinziehen.

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