„Herrgöttli panaschiert“ – die siebten Protokolle

Jetzt wirds vertrackt: Marco und Mathias trafen sich zum ersten Mal live, schalteten Ivan zu, der einst bei Protokoll-Vorleser Rolf Hermann im Englisch war und ihm später im Mokka eine Jazz-Brennnessel anbot. Nach dem kurzen Instant-Protokoll auf Facebook, hier nun der zweite Teil der Doppelfolge* „Herrgöttli panaschiert“ von dieser Woche.

Datum: 12. Juni 2020 (Protokoll-Nachführung am 14. Juni)
Beginn: 18 Uhr
Ende: kurz vor 19 Uhr
Ort: Instagram
Folge: 8/Teil 2 (8/Teil 1 wurde auf FB veröffentlicht)
Anwesende: Mathias Schenk, Marco Gurtner, Ivan, Tom vo de Chocs (nur Stimme)
Protokollantin: Rockette Miriam
Zur Protokollführung: Passagen mit Musikbezug sind fett. Etliche wurden weggelassen.

Der Vollständigkeit halber erst mal das siebte Protokoll Teil I, am 11. Juni veröffentlicht auf Facebook:

 

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Mathias sitzt auf seinem Sofa und lacht. Man hat Marcos Haare gesehen, scheisse.

Grüssech mitenang.

Die Frage an die Zuschauer lautet: Warum ist Mathias bei Güsche, bei Gustolino auf dem Screen? Warum steht da Marco Güschä Gurtner auf dem Screen und Mäsi ist dort? Dafür gibt es einen einfachen Grund, sagt Mathias: der Guschteler ist hier. Höi.

Tom vo de Chocs schaut zu. Das ist wie Jay vo de Souls, Güschä vo Güschä, Guschti vo Brösmeli.

Mathias stellt es den Nagel.

Mathias und Marco haben sich heute Nachmittag zum ersten Mal live getroffen. Seit zwei Stunden wissen sie sich nichts mehr zu sagen. Sie haben es mit Alkohol und auch schon mit Sex probiert, aber Mathias schaut immer auf sein Handy, weil es so langweilig ist. Mathias und Marco fordern die Leute auf, ihnen Fragen zu schicken. Oder zu sagen, was ihnen auf dem Herzen liegt. Oder auf einem anderen Körperteil, dem Nagel beispielsweise. Die beiden sind am Multitasken, sie warten nämlich gleichzeitig auch noch auf eine Bierlieferung.

Aiiii, achtung jetzt, da passiert etwas. Marco hört eine Stimme, heilig Stärnedonner, es nimmt nur den Ton. Er hofft, dass die anderen es auch hören. Es ist Schläppis Stimme. Sali zäme, Tom vo de Chocs hie. Schläppi hat den falschen Knopf gedrückt, deshalb hört man ihn nur und sieht ihn nicht. Es hätte eh keinen Platz für einen dritten Kopf.

Tom ist schon wieder weg. Bei ihm weiss man nie, wie lange er bleibt. Aber gute Fragen hat er gestellt.

Jemand mit besserer Internetverbindung soll kommen, sagt Marco.

Mathias hat Marco schon siebenmal erzählt, dass er sich verbrannt hat. Er sehe aus wie ein Rücklicht, sagt Marco, gegen hinten leuchtet es mehr als gegen vorne. Mathias wird heute sicher durch die Strassen fahren.

Schläppi hat es ein Ei in die Wüste geklepft.

Marco und Mathias haben sich vom Standpunkt der T-Shirts her abgesprochen. Sie waren beide mutig, beide Mutter, sie tragen weisse T-Shirts und haben selbst nach dem Essen mit Tomatensauce keinen Fleck drauf. Aber Mathias hat einen roten Rücken.

Marco ist seit ein Uhr in Biel. Mathias hat ihn abgeholt. Er lehnte am Velo, hielt sich lässig am Oberrohr fest. Dann nahm er Marco in die Arme und sie gingen was gisch was hesch zum Italiener. Jetzt sind sie schon länger bei Mathias daheim. Erst sind sie noch bei Rolf Hermann vorbeigegangen, der war aber nicht da.

Mathias hat sich überlegt: So ein Tag, der bleibt. Und was bleibt auch noch? Tätowierungen. Deshalb können die beiden nicht zu lange machen, sie gehen noch tätowieren. Marco und Mathias lachen lange.

Ou, das Bier kommt. Mathias steht auf und lacht jetzt laut, Marco überbrückt. Die beiden gehen später beide zusammen das gleiche Tattoo stechen, erzählt er. Mathias hatte Marco vor dem Treffen nur gesagt, dass er eine Überraschung geplant habe – die sei aber vielleicht ein bisschen reingeschossen. Marco überlegte sich daraufhin, was für ihn reingeschossen wäre. Wenn ihn zum Beispiel der Gemeinderat am Bahnhof begrüssen würde, oder die hiesige Guggenmusik. Oder eventuell hat Mathias einen Tisch im Schloss Biel reserviert. Eben, Mathias hat einen Tattoo-Termin gebucht. Marco ist nur leider pro Reinhaut. Er würde sich nie tätowieren lassen. Für Mathias macht er es aber.

Mathias und Marco sind zusammen.

Für alle, die neu dazu gekommen sind und sich fragen, warum Mathias weg ist: Er ist am Bierholen. Das gibt es in Thun nicht, dass Bier nach Hause geliefert wird. Marco findet das geil. Biu Biur heisst das Bieler Bier, das jetzt kommen wird, sagt er. Da ist auch eine Zahl drauf – und Marco ist ein Zahlenmensch.

Marco ist von Mathias’ Wohnsituation beeindruckt. Vielleicht wird er hier bleiben. Über Nacht, über die Woche, über Jahre.

Jetzt kommt Mathias zurück. Mit vier Harassen, gopferteli, er ist eine Maschine. Sein Balkon ist dafür klein. Sozusagen inexistent.

Mathias und Marco stossen an. Santoise. Sie rappen: 4G, drei Striche, 4G, drei Striche. Was hast du? Was hast du?

Ööö, Swaggers what’s up? Ivan ist zugeschaltet, der Vokuhila von Thun. Er ist gut verschwitzt und hat eine strenge Woche hinter sich. Marco und Ivan kennen sich. Sollte Mathias ihn kennen? Ivan heisst Ivan. Seine Hobbys: blind daten, Schiffli versenken hardcore und Ping Pong spielen. Ivan raucht. Das ist ein rauchfreies Video, sagt Marco. Sie sind von der Krebsliga advertised.

Hört Ivan abends Hörspiele, fragt Mathias? Wenn Ivan ganz ehrlich ist: nicht. Er hatte aber mal eine Freundin, die das brauchte. Er fand das sehr speziell. Als Kind hatte er das schon auch gemacht, er wuchs aber heraus und wusste lange nicht, dass es Erwachsene gibt, die hardcore Hörspieler sind. So wie Mathias. Er hört alles von „Die drei Fragezeichen“ bis zum Joe Rogan-Podcast. Wenn es etwas ist, das ihn interessiert, dann ist das schlecht. Genau das war immer Ivans Problem: Wenn er Ruhe will, dann gönnt er sich Ruhe. Und wenn seine Freundin „Die drei Fragezeichen“ hörte, dann konnte er nicht einfach einpennen (Schnauf nicht so laut, ich will hören, was sie sagen).

tvodeshocs hat eine Frage an Ivan (für eine Kollegin): Ist das ein Vokuhila? Ah, Chocs wegen Death by Chocolate. TV ode Chocs. TV Hode Chocs. Jemand schreibt, Ivan solle seinen geilen Vöku zeigen, was er tut. Mathias gratuliert ihm für sein volles Haar. Aber Ivan war auch schon gröber im Game. Im Moment ist es recht zivilisiert. Seite auf drei. Marcos Ziel ist: Seite auf drei Meter.

Ivan muss mal einstecken.

Marco findet es schön, mit ihm zu reden. Alle Leute, die in diesem Format je vorkamen, sind wahnsinnig berühmt geworden, sagt Mathias. Oder sind schon berühmt, sagt Ivan. Er hat gesehen, dass Rolf Hermann auf die dunkle Site der Macht gezogen worden ist. Ivan kennt Röfe, er war sein Englischlehrer. Ivan ging in Biel zur Schule und war ein bisschen befremdet, dass da ein Walliser Literat Englisch unterrichtete. Er ging hier in die Berufsschule, war so ein Mediamatiker-Fotz.

Rolf Hermann sei ein ganz zfridniger Siech, sagt Ivan. Er habe die ersten zwei Jahre seiner Lehre gerettet. Am Freitagmorgen hatte Ivan erst zwei Stunden Englisch. Er tauchte immer mit einem Mordshuerekater auf und durfte schlafen. Wenn Rolf etwas wissen wollte, dann wusste es Ivan meistens, deshalb ging es gut.

Marco findet das geil. Rolf liest immer das Protokoll vor, jetzt reden sie mit einem Dritten über ihn. Das wird metös, sagt Mathias. Er wird sich selber lesen müssen.

Geil, Ivan läuft zum Telefonieren gleich viel in der Wohnung rum, wie Tom vo de Chocs. Ivan sagt, er sei sonst eher einer, der auch in der Menschenmenge zum Telefonieren sitzenbleibe und damit alle nerve. Er drückt dann jedem seinen Zwang auf. Mathias macht immer die gleichen Schritte, wenn er telefoniert. Marco lief früher immer das Muster des Teppichs ab. Ivan hat eine Zwangsneurose mit Diagonalitäten. Er muss die Bodenplatten schräg ablaufen.

Mathias kann nicht auf Strassenmarkierungen stehen. Das ist das Nadal-Syndrom, der steht auch nie auf die Linien, wenn er auf den Platz läuft, sagt Marco. Schau dem mal zu, wenn er aufschlägt, der hat einen völligen Flick weg, sagt Mathias. Und wie der die Flaschen immer auf den Boden stellt. Als Schweizer muss man ja fast sagen, dass Nadal einen Schaden hat, sagt Ivan. Marco und Mathias kommen nicht draus. Ivan glaubt, dass sie denken, er habe gerade die Rassismus-Keule geschwungen. Sorry, jemand, der in Thun einen Vokuhila trägt, schwingt nicht die Rassismus-Keule, der schwingt eine andere Keule, sagt Mathias. Der schwingt das Unterrohr.

Ivan freut sich, wenn Rolf Hermann das vorlesen muss.

Hey Greezo. Ivans Mitbewohner ist gerade nach Hause gekommen. Sali, hey, das ist ein huere hübscher Typ. Diese Zähne! Hat er sie gebleacht? Diese Farbe, die blendet, sagen Mathias und Marco. Das sei nur, weil er so braun ist, sagt der Mitbewohner.

Pint usem Schnuderschnabu exe oder Caramel-Vodka, fragt tvodechocs. Ivan weiss nicht, was ein Schnuderschnabu ist. Und man muss sowieso Garamel Vödu sagen. Oder Vööde.

Sicher e lauwarme Zapfsiech.

Oben: Mathias und Marco. Unten: der Vokuhila von Thun.

Mathias erklärt, was die Golden Mile ist. Man fängt um zwölf an und hat bis um zwölf Zeit, zwölf Pints in zwölf verschiedenen Bars zu trinken. Das klingt easy, ist aber im Fall nicht so geil, sagt Mathias. Marco sagt, er trinke dir die zwölf Bier in sechs Stunden.

Marco hat 16 Jahre lang geraucht. Dann hatte er mit 16 einen Lungenriss und hörte auf. Allerdings nicht, um zu kiffen.

Ivan hatte an seiner Konfirmation Dreadlocks und war brätschstoned. Die Rastas schnitt er einen Tag später ab, kiffen dagegen hörte er nie auf. Er ist eher ein Hascher, wenn man das so sagen darf. Marco sagt, es sei alles erlaubt, es sei hier wie in einer geschützten Werkstatt. Ivan will noch mehr über Hasch reden, weil er den Gedanken daran, dass Rolf Hermann über Hasch philosophieren muss, recht gut findet.

Röfe Hermann kifft nicht, sagt Mathias.

Ivan hat eine Anekdote zu beidem: kiffen und Rolf. Nach seiner Lehre hat er die Gebirgspoeten im Mokka gesehen. Vor dem Anlass, draussen beim Schnure, tat Ivan eine Jazz-Brennnessel ob und bot sie Rolf an. Dieser sagt: neinei dü, aber mach was dir güet düet. Jaja, der Rolf ist einer der ganz guten Menschen, sagt Mathias. Das klingt sehr nach ihm, sagt Marco.

Marco und Mathias gehen sich nachher stechen. Nach zehnmal Insta Live sind sie Buddybuddies und müssen sich ein Friend Tattoo geben, sagt Ivan. Marco hat in Gedanken schon alles ausgezogen und das Füdle in der Kamera. Ivan fragt, ob sie etwas tätowieren, das erst ein Bild gibt, wenn man es zusammenhält. Der eine ein Schulbub, der andere das Schnäbi und das Bisi beispielsweise. Mathias hat jetzt eher an einen Schulbuben und einen Rucksack gedacht.

Sie gehen in Biel zu Arte Tattoo, das ist das hauseigene Studio des TV-Senders. Da wird bilingue gestochen. Alles macht Sinn, Ivan, sagt Marco. Mathias findet das das beste Schlusswort. Sie haben den Termin um sieben und müssen gehen.

Ivan sagt: bis zum nächsten Mal, mucho amore.

* Diese Protokolle (hier sind sie gesammelt) erscheinen mit Ausnahme von heute bis auf Weiteres immer freitags. Die Live-Gespräche könnt ihr euch jeweils donnerstags um 19 Uhr auf den Insta-Profilen von Mathias Schenk und Marco Gurtner reinziehen. Der Wallisbieler Schriftsteller Rolf Hermann liest in den Folgetagen aus dem Protokoll, was dann auch auf Instagram zu finden ist.

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