Krösus

Ich war ja letztens am Daughter-Konzert. Nein, das wird keine Konzertkritik, da Sarah die Band schon feierlich beschrieben hat. Nur so viel: Daughter tönen wie Heather Nova begleitet von the XX. Meine romantic Lovestory zu Heather habe ich bereits andernorts verewigt und es ist fürwahr eine Freude, neue Bands wie Daughter zu entdecken, die den alten Geschmack erneut mitten ins Herz treffen.

Heute geht es um die Garderobenfrau. Die Frau, die Stunden im UG sitzt, Jacken und was man sonst so mitschleppt, mit einer Engelsgeduld aufhängt und verstaut. Und während des Konzertes eigentlich nichts zu tun hat. Aber auch nicht weg kann. Die Frau, die sich mit übellaunigen Kunden auseinandersetzen muss, weil es nicht schnell genug geht, weil man grad den ganzen Tagesfrust an ihr auslassen kann oder weiss Gott warum. Und dabei gefälligst immer höflich bleiben soll.

An diesem Abend ist das Kaufleuten ausverkauft. Restlos. Normalerweise pfeffere ich die dicke Winterjacke irgendwo in eine Ecke, aber hier ist schliesslich das Kaufleuten, Zürich, you know. Also gebe ich mein textiles Ungetüm an der Garderobe ab. Und weil ich grad in Spendierlaune bin, gebe ich noch einen Stutz Trinkgeld dazu. In Anbetracht dessen, was man an einem Konzertabend, und erst noch in Zürich, sonst so ausgibt, Nasewasser. Zugbillet, Konzerttickets, Drinks, vielleicht war man vorher noch schön Essen, man lässt an so einem Abend eine Stange Geld liegen. Die Garderobenfrau hingegen schaut mich entgeistert an. Und fragt: „sicher?“ Als wäre ich direkt vom Mond gefallen. Ich rede von einem Stutz. Nicht fünf, nicht zehn.

Eben, Kaufleuten ist ausverkauft. Wir stehen ganz hinten, versuchen einen Blick auf Daughter zu erhaschen und ihre Musik zu hören. Ganz hinten ist übel, Nina hat das hier auch schon moniert. Man sieht kaum was und die Feierabendgespräche übertönen die Musik, für die wir eigentlich gekommen sind. Dies scheint auch ein übler Trend zu sein, und zwar nicht nur in Zürich. Liebe Schnurris. Legt doch einfach zu Hause eine Daughter-CD ein und trinkt dazu eine gute Flasche Wein. Ihr habt so mehr vom Abend. Ich auch.

Wir lassen uns nicht betrüben, trinken Cüpli und Bier zu erstaunlich moderaten Preisen und geniessen vom Konzert das, was wir mitbekommen. Dann müssen wir auch schon wieder auf den Zug. Erst noch Jacke holen, draussen ist es schliesslich saukalt. Ich stürme in Eile zur Garderobe bei den Toiletten im UG und platze in ein Gespräch von der Garderobenfrau mit dem Garderobenmann. Sie kramt einen Fünfliber aus dem Hosensack und stellt konsterniert fest, dass dies ihr gesamtes Trinkgeld für den Abend sei. Milchbüechlirechnung. Satte 20% des Trinkgeldes habe ich spendiert. Im ausverkauften Kaufleuten. In Zürich. Ich komme mir vor wie Krösus höchstpersönlich.

Leute, gebt doch einfach mal ein bisschen Trinkgeld. Und zwar nicht nur der Garderobenfrau. Auch dem Garderobenmann. Dem Taxifahrer. Dem Coiffeur. Dem Pizzakurier. Es gehört sich so. Tamminomau.

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