Live at X, heute: Fri-Son, Fribourg

Die Coronakrise hat auch die Betreiber*innen von Konzertlokalen hart getroffen. Seit dem 13. März und auf nicht absehbare Zeit können keine Konzerte veranstaltet werden, auf jeden Fall keine mit Publikum im Saal. Wie geht es den Lokalen, wie gehen sie mit der Krise um? Unser Gastautor Kurt Werren hat herumgefragt. Teil 7: Fri-Son, Fribourg. Die Antworten kommen von Julia Foster, Verantwortliche für Kommunikation im Fri-Son.

Wer ist das Fri-Son? Wofür steht das Fri-Son? Was ist eure Mission, was programmiert ihr?

Das Fri-Son wurde 1983 gegründet und ist ein nicht profitorientiertes Konzert- und Kulturhaus in Fribourg, eine Bühne für Live- und andere Musik – und vor allem ein espace sociale. Also ein sozialer Ort, ein physisches Réseau Social und immer wieder primär auch: eine Idee. Die Mission ist die Gestaltung eines stets ein bisschen avantgardistischen – primär musikorientierten – Programms mit lokalen, nationalen und internationalen Künstler*innen.

Das Fri-Son ist zweisprachig, Französisch und Deutsch; wir legen grossen Wert auf Inklusion und Diversität und Ausbildung: Jedes Jahr werden zahlreiche Praktikant*innen ausgebildet. Die Geschichte des Fri-Son ist lang und damit auch die Liste der bereits aufgetretenen Künstlern – von Punk, Metal, Pop, Elektronisch und Hip-Hop bis Opera. Wichtig ist uns aber vor allem auch, die lokale Musikszene zu fördern. Die Programmation des Fri-Son ist unabhängig und eigenständig, dabei arbeiten wir auch viel mit lokalen Kollektiven zusammen. Das Fri-Son steht so ziemlich genau zmizt auf dem Röstigraben, das Publikum kommt zur Hälfte aus der Deutschschweiz und zur Hälfte aus der Romandie.

Wir wirkt sich die Coronakrise auf das Fri-Sonaus? Wie geht ihr damit um?

Nun – wir sind zu. Gut zweieinhalb Monate Programm mussten wir entweder canceln oder, wo möglich, verschieben. Im Moment können wir uns über Wasser halten, auch dank der Kurzarbeit. Was uns im Moment sehr zu schaffen macht, ist die Unsicherheit, wann und in welcher Form wieder Veranstaltungen durchgeführt werden können, und wie sich das Ökosystem Live-Musik-Business halten und erhalten wird. Wir sind ja nicht eine erratische Insel für uns selber, sondern Teil eines eng verflochtenen nationalen und internationalen Netzwerks oder eben Ökosystems. Zusammengesetzt aus verschiedenen Berufsgattungen wie Künstler*innen, Agenturen, Technik-Firmen, Grafiker*innen, Drucker, Plakatverteiler, Medien, Getränkehersteller etc. etc.

Positiv betrachtet können wir uns zurzeit Fragen stellen, für die es im überladenen Alltag kaum Platz gibt; eine Krise, wie wir sie zur Zeit erleben, bedeutet ja auch immer eine Öffnung des Gedankenhorizonts und ist eine Gelegenheit für grundsätzliche Reflexionen.

Wie und was plant das Fri-Son, wenn ihr wieder starten könnt?

Wir planen eine Wiedereröffnung – in welcher Form auch immer – im September 2020.

Wie kann man das Fri-Son in diesen Zeiten (und überhaupt!) unterstützen?

Das Fri-Son kann man im Moment am besten mit Ticketkäufen unterstützen. Dabei geht es gar nicht primär um Geld, sondern vor allem auch um moralische und emotionale Unterstützung. Man kann uns so zeigen, dass man sich für unsere Aktivität interessiert, dass es den Menschen wichtig ist, im Herbst wieder unsere Gäste zu sein.

Das Fri-Son ist darauf angewiesen, dass das Ökosystem des alternativen Live-Musik-Bereichs so gesund wie möglich weiterleben kann. Darum hier ein paar Ideen, wie man unsere Lebenswelt unterstützen kann: Petzi hat eine Spendemöglichkeit eingerichtet; dort kann man sowohl einzelne Clubs direkt unterstützen oder aber in einen Community Fond einzahlen. Gelder aus dem Community Fond werden an Institutionen ausgeschüttet, welche in finanzielle Notlage geraten. Man kann zum Beispiel auch seine Lieblingskünstler unterstützen; denn wir möchten schliesslich, dass diese mit ihrer Musik weitermachen und dann wieder bei uns auftreten können.

Und zuletzt: Gibt es Musik “live im Fri-Son”, die du gerne vorstellen möchtest?

 Lass uns folgendes Video von hubris nehmen:

 

Die Geschichte dazu: Am 13.3. mussten wir die Schliessung der Venue aufgrund der an diesem Tag kommunizierten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie bekanntgeben. Die Massnahmen kamen im Laufe des Nachmittags aus. hubris, die an diesem Abend ihre Plattentaufe gefeiert hätten, beschlossen kurzfristig, das Konzert als Live-Stream zu senden.

AUCH LUST? Liebe Konzertlokal-Betreiber*innen, ihr möchtet Teil dieser Serie sein?
Dann meldet euch bei kurt@putziproductions.com

 

GUESTLIST: Kurt Werren lebt in Bern, der Libanon ist seine zweite Heimat. Er hat hat ein Flair für fruchtbare Begegnungen und ein Näschen für spannende Frauen und Männer sowie gute Musik. Er betreibt den englischsprachigen Blog The Open Enso und mit seiner Frau May die Künstleragentur Putzi Productions. Hier gehts zu den anderen Teilen der Serie.

(Bilder: Stéphane Schmutz)

 

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.