Live at X, heute: OldCapitol, Langenthal

Die Coronakrise hat auch die Betreiber*innen von Konzertlokalen hart getroffen. Seit dem 13. März und auf nicht absehbare Zeit können keine Konzerte veranstaltet werden, auf jeden Fall keine mit Publikum im Saal. Wie geht es den Lokalen, wie gehen sie mit der Krise um? Unser Gastautor Kurt Werren hat herumgefragt. Teil 6: OldCapitol, Langenthal. Die Antworten kommen von Murielle Schärer, Vorstandsmitglied und ehrenamtliche Mitarbeiterin im OldCapitol Office.

Wer ist das OldCapitol in Langenthal? Wofür steht ihr? Welche Musik programmiert ihr?

Jahrzehntelang war das Kino Capitol Treffpunkt für Popcorn-Liebhaber und Filmbegeisterte in der Region Oberaargau. Nachdem im Juni 2012 der letzte Film über die Leinwand flimmerte, war es für eine Zeit lang dunkel im alten Kino. Eine Gruppe von Kulturbegeisterten aus der Umgebung hatte sich aber zum Ziel gesetzt, aus dem alten Kino wieder einen Ort der Begegnung zu schaffen. Nach rund fünf Jahren Baubewilligungsverfahren und Umbau war es dann soweit: Als regelmässige Konzert- und Festivalgänger haben wir unsere gesammelten Erfahrungen genutzt und sind vom Besucher auf die Seite des Veranstalters gewechselt.

Als Höhepunkt unserer ersten Saison kann man sicherlich das exklusive Schweizer Konzert der Hip-Hop-Legende Grandmaster Flash anfangs März 2018 bezeichnen. In der zweiten Saison bescherten uns Hecht das erste im Vorverkauf ausverkaufte Konzert und mit den Publikumslieblingen KUNZ, Rob Spence sowie Häberli Oggier konnten wird drei weitere Male ein volles Haus verzeichnen.

In unserer dritten Saison ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Wir konnten endlich Patent Ochsner verpflichten. Die Konzerte waren innerhalb weniger Sekunden und Stunden ausverkauft. Um so mehr hat es uns geschmerzt, dass die Konzerte genau in die erste Woche des Lockdowns fielen und daher abgesagt werden mussten.

Wie wirkt sich die Coronakrise auf das OldCapitoal aus? Wie geht ihr damit um?

Die Corona-Krise trifft uns hart. Wir mussten den Betrieb ab 13. März 2020 komplett schliessen und versuchen nun, die Kosten möglich tief zu halten und anderweitig Einnahmen zu generieren. Die Kurzarbeitsentschädigung ist eine wertvolle Unterstützung. Wir haben ebenfalls ein Gesuch um Ausfallentschädigung beim Kanton eingereicht. Aber bereits heute ist klar, dass diese Entschädigung nur einen Teil des Schadens decken wird. Nachdem wir aber so lange für unser Herzensprojekt gekämpft haben, wollen wir jetzt nicht einfach so kampflos aufgeben. Wir werden alles daransetzen, um diese Krise zu überwinden.

Wie plant das OldCapitol den Neustart?

Eine Planung in dieser unsicheren Zeit ist sehr schwierig. Wir gehen davon aus, dass wir bei einer Wiedereröffnung nicht einfach wieder zum normalen Modus zurückkehren können. Daher müssen wir flexibel reagieren können. Aber darin sind wir mittlerweile ganz gut.

Wie kann man das OldCapitol Langenthal unterstützen, aktuell und überhaupt?

Da gibt es ein Menge Möglichkeiten. Wir bieten seit Kurzem in unserem Webshop Kulturpflästerli zum Sonderangebot von 49 Franken an. Sozusagen eine „Erste Hilfe“ in dieser schwierigen Zeit. Dort kann man sich auch gleich noch mit vielen tollen Merch-Produkten eindecken. Spenden jeglicher Art sind ebenso herzlich willkommen. Und wohl die wichtigste Unterstützung für uns: Wenn wir wieder öffnen können, kommt vorbei und trinkt vielleicht ein Getränk mehr als sonst oder kommt auch mal an ein Konzert eines Newcomers und unterstützt so auch die Schweizer Musikszene. Denn die grossen Herausforderungen stehen uns wohl erst bei einer Wiedereröffnung bevor.

Und zuletzt: Gibt es Musik „live im OldCapitol“, die du gerne vorstellen möchtest?

Da fällt mir die Entscheidung nicht schwer. Das Konzert der Langenthaler Band Vapourtrail vom 1. September 2017. Dieser Konzertmoment hat einen emotionalen Wert für mich. Denn das war unser Eröffnungswochenende. Endlich, nach fünf Jahren, konnten wir das OldCapitol eröffnen Und Sigi, der Frontmann der Band, hat meiner Meinung nach eine so unglaublich fesselnde Stimme! Das zeigt sich auch immer wieder, wenn er solo nur mit Gitarre auftritt.

 

AUCH LUST? Liebe Konzertlokal-Betreiber*innen, ihr möchtet Teil dieser Serie sein?
Dann meldet euch bei kurt@putziproductions.com

 

GUESTLIST: Kurt Werren lebt in Bern, der Libanon ist seine zweite Heimat. Er hat hat ein Flair für fruchtbare Begegnungen und ein Näschen für spannende Frauen und Männer sowie gute Musik. Er betreibt den englischsprachigen Blog The Open Enso und mit seiner Frau May die Künstleragentur Putzi Productions. Hier gehts zu den anderen Teilen der Serie.

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