„Meine Kindheit war eine Rock’n’Roll-Party“

Der Text über Poor Little Things ist ein würdiger Abschluss unserer Bern-Serie.* Nicht nur, weil die Sängerin des Duos aus der Bundesstadt kommt. Vor allem, weil sich unser Kennenlernen in sprichwörtlich bernischem Tempo vollzog. Was lange währt, wird aber ja bekanntlich gut. Wir haben Martina Jackson und ihren australischen Mann und Gitarristen Dave Talon getroffen und mit ihnen über Rock ’n‘ Roll, Liebe und tote Tiere auf der Strasse geredet.

Die Geschichte von Poor Little Things beginnt mit der Liebe: Martina ist in Bern aufgewachsen. Sie sang in einer Schülerband und wollte die Welt sehen. Sie ging nach Australien, wo sie als Requisiteurin beim Film arbeitete und abends an Konzerte ging. Obwohl sie schüchtern und beeindruckt war von so viel Rock ’n‘ Roll, kam sie dem Gitarristen Dave näher. Sie verliebten sich und heirateten. Nach acht Jahren kamen sie nach Bern, wo sie seit zehn Jahren leben. Eines Tages erzählte sie Dave, sie wolle wieder Musik machen. „Endlich!“, dachte Dave. Und sie gründeten nach rund 15 Jahren Ehe das Duo Poor Little Things.

Als wir das sahen, wollten wir Poor Little Things kennenlernen.

Da kamen wir ins Spiel. Vor über einem Jahr schrieb uns Martina, ob wir mal ein Bier mit ihnen trinken wollten. Wir wollten sofort. Ihr Sound und das Artwork ihrer ersten EP „Poor Little Things“ gefielen uns. Bis wir sie schliesslich trafen, verging aber einige Zeit. Poor Little Things brachten eine zweite EP (Disco’s Burning) raus und reisten nach Australien, wo Dave auf Tour ging. In Bern dauert es halt etwas länger, würde Dave sagen, der im Gespräch gern aufs klischierte langsame Tempo der Hiesigen anspielt. Jedenfalls schafften wir das mit dem Bier schliesslich und plauderten ein bisschen.

Das Cover der zweiten EP.

Wie Martina zur Musik kam, hat sie erzählt, wie wars bei dir, Dave?

Ich trat bereits 1984 als 13-Jähriger Gitarrist in Clubs auf. Meine Kindheit war eine  eine Rock ’n‘ Roll-Party. Ich spielte bei Rollerball und The Marlboro Men. In den 80ern war ich bei Kings of the Sun. Eine Kitschrock-Band, mit der wir in den USA almost famous waren. Wir waren etwa die Vorband von Kiss. Zudem spielte ich in der Rockband Rollerball. Mit denen hatten wir gerade ein Reunion-Konzert in Australien. Das war gut, weil ich gerade Werbung machen konnte für Poor Little Things. Ich sagte jeweils, „hey Leute, ich habe übrigens noch ein Projekt mit der Merch-Frau dort“.

Als Ehepaar Musik zu machen ist es sicher anders als mit einer Band. Funktioniert das?

Dave: Naja, play together, stay together, gäu?!

Martina lacht und sagt: Dave hat natürlich sehr viel Erfahrung. Er schreibt die Songs und kommt mit den Ideen. Und er pusht mich immer weiter, damit ich mich gesanglich etwas traue und weiterentwickle. Wenn es beim Proben manchmal etwas intensiv wird, gehen wir als Ausgleich an die Aare spazieren.

Dave: Martina ist für mich eine Inspiration. Sie ist eine Pocket-Rocket, eine Frau voller Power. Sie ist für mich sozusagen eine Wohnzimmerinspiration.

Ihr lebt ja jetzt in Bern und doch scheint ihr in eurer Musik sehr beeinflusst von australischen Bands.

Martina: Ja, wir mögen die Musik der 70er, 80er und 90er und da gab es in Australien viele coole Bands.

Dave: Ja, wir orientieren uns an der Zeit, als Pop und Rock noch zusammen waren.

Martina: An Bands wie The Angels, The Divinyls. Zudem gefällt mir Blondie sehr und das ganze New-Wave-, und Glam-Rock-Genre ist unser Ding.

Dave: Dabei geht es gar nicht so sehr darum, zu entscheiden, welche Richtung wir einschlagen. Durch die Mischung entsteht ein eigener Stil. Wichtig sind gute Melodien und eingängige Ohrwürmer. Übrigens gibts aber auch in Bern eine coole Underground-Szene. Ich habe zum Beispiel mal bei Captain Control gespielt und Nasty Rumours gefallen uns auch.

Gibts euch auf live?

Martina: Bis jetzt nicht. Ich würde gern live spielen aber wir haben momentan keine Zeit, etwas aufzugleisen.

Dave: Es gibt viele gute Musik, die es noch nicht auf der Bühne gibt. Momentan machen wir einfach Rock for the sake of rock.

Okay, dann warten wir noch ein bisschen. Aber wir könnens kaum erwarten, die beiden mal auf der Bühne zu sehen. Bis dahin begnügen wir uns mit ihren EPs. Hier die neue in voller Länge:

Die klassische Frage, wie sie auf ihren Namen gekommen sind, habe ich übrigens nicht gestellt. Martina hat selbst davon erzählt: „Daves Mutter sagt zu allen möglichen Kreaturen ‚Poor Little Thing'“, das hat uns gefallen. Zudem ist es ein origineller Name. Wenn man ihn googelt, kommt nicht viel, ausser ein paar überfahrene Tiere.“

* In der von der Burgergemeinde Bern unterstützten Bern-Serie stellen wir Musikerinnen und Musiker aus der Hauptstadt vor. Lo & Leduc kommen nicht vor. Sorry. Eher Neu-Entdeckungen. Das ist der letzte Teil. Die ganze Serie ist hier zu finden.

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.