Mir fehlt die KUFA so sehr

Wenn man jenseits der Zwanziger immer mal wieder „ein erstes Mal“ erleben darf, ist das schon was Schönes. Für diesen Blog zu schreiben, ist hier und heute mein erstes Mal, und ja – ich bin zugegebenermassen etwas nervös. Und stehe unter bizzli erschwerten Bedingungen.

Ich konnte für meine Verhältnisse schon eine gefühlte Ewigkeit kein Konzert mehr besuchen, die Musik in mich aufnehmen und die Atmosphäre geniessen. Das macht mich unkreativ, genauso wie das coronabedingte Homeoffice. Ja, ich finde auch: F*** you Corona. Und zwar so richtig. Aber wenn schon nicht am Konzert, dann versuche ich doch wenigstens in Bezug auf dieses leidige Thema mein Glas mindestens halb voll zu behalten (entweder mit Bier, einem Gin Tonic oder mit Ingwerer, einfach damit wir das schon geklärt haben, falls mich jemand mal auf was einladen möchte). Das Positive an diesem quarantänebedingten ersten Mal? Ich sitze im Schlabberpischi (Ja! Ich trage ein viel zu grosses Bandshirt!) mit unrasierten Beinen in meinem Wohnzimmer. Ungeduscht. Zähne noch nicht geputzt. Wenigstens entfällt dieser Stress, den man sonst so hat, vor einem ersten Mal. Item … ich schweife ab.

Was schreibt man als Clubbetreiberin mit einem geschlossenen Club in Zeiten, in denen den Menschen das Coronathema langsam aber sicher zum Hals raushängt? Im Wissen darum, dass die Gedanken in meinem Kopf um einiges kreativer wären, würde ich jetzt in meinem Büro in der KUFA sitzen? Ach … die KUFA. Menschenleer und still. So menschenleer und still, wie ich sie sonst nur unter der Woche frühmorgens kenne. Es ist jetzt also immer irgendwie frühmorgens und es ist immer irgendwie unter der Woche, und das finde ich ehrlich gesagt scheisse.

In meiner WG haben wir uns drauf geeinigt, dass jeder Tag ein Sonntag ist. Das hilft. Mir fehlt die KUFA so sehr. Meine Bürogspändli, die mich mit ihrem Lärm in den Wahnsinn treiben und mich nach Lust und Laune mit Nerf Guns abballern. Das Waschbärbildli auf dem Bildschirmrücken vis-à-vis. Die aufgeheizte Stimmung im Haus vor einem Event. Sogar der Techniker, der den ganzen verdammten Nachmittag „check one, check, check, tss, tsss, sssa, ssssa“ und sonstige komische wie-nennt-man-die-bloss-Geräusche ins Mikrofon schreit. All die Leute, die unangekündigt ins Büro platzen, weil sie davon ausgehen, dass die Kulturschaffenden immer Zeit für ein Kafi und einen Schwatz haben. Haben wir ja auch, weil wir sie uns nehmen. Mir fehlt die KUFA, mir fehlt die Live-Musik, mir fehlen die Gäste – sogar die sturzbetrunkenen. Der Publikumsapplaus. Die Bässe der DJs.

Aber ja – es macht auch Angst. Dieses Konzert- und Partyverbot. Wie lange dauert das noch? Wann können wir wieder öffnen? Überlebt die KUFA das Virus? Bringen wir die Kohle in unserem aktuell laufenden Crowdfunding zusammen (ja, auf we make it, damit wir auch das geklärt haben)? Die KUFA überlebt im jetzigen Zustand bis September 2020. Das scheint noch sehr weit weg. Und ist doch quasi um die Ecke. Aber ich schliesse den Kreis, weil ich so gerne Kreise schliesse. Mein Glas ist und bleibt halb voll. Und ich sehe mich stehen. An einem Konzert. Mit einem ganz vollen Glas. Rockmusig brätscht mir um die Ohren. Und ich bin glücklich. Schon bald. Ich glaube fest daran. Bleibt gesund und bleibt zuhause, aber lasst euren Gedanken so freien Lauf wie schon lange nicht mehr.

Oder wie wir in der KUFA sagen: viel Liebe für euch!

GUESTLIST: Im Prinzip ist Daniela Eicher-Hulliger eine Rockette. Sie ist oft an Rock- und Punkkonzerten in kleinen verrauchten Clubs anzutreffen, liest wahnsinnig gerne (ja, sie ist auch in unserem Rock’n’Roll-Buchclub) und hält auf fast jedem Foto ein Bier in der Hand. Und das seit Jahren. Einziger Unterschied: Seit 2017 ist sie auch noch Chefin der KUFA Lyss.

(Bilder: Daniela)

Tags:

One thought

  • Ich musste oft schmunzeln und lachen bei diesem Text! Das hast du sehr gut gemacht finde ich. Vielleicht wirst du ja Autorin oder Journalistin, falls die Coronazeiten nicht bald aufhören 🙂

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.