Songs aus der Jugend: Firestarter and out

Ich kann nicht damit prahlen, zwischen 10000 Platten gross geworden zu sein, mit der Musik der Stones oder der Beatles, oder besser noch mit einem Vater, der in einer krassen Underground-Punkband spielte (das wäre rückblickend mein Traum gewesen). Bei uns lief Zeugs von André Rieu, Andrea Bocelli, Rondo Veneziano – oder Schlager, wildere Strömungen waren meiner Familie fremd. Tabu war zu Hause aber auch Ländlermusik, die mein Vater dafür an den Chlouse-Abenden und auf seinem Töff mit eingebautem Kassettengerät umso ausgiebiger genoss. Auf letzterem durfte ich ab und zu mit durchs Emmental heizen, so auch durch Hasle-Rüegsau, wo seinerzeit die grössten Herzensbrecher an den Ecken rumstanden. Mein Vater so: Hudigäggeler all over the place, ich: kein Helmvisier. Daher wohl mein lockerer Umgang mit Musik.

Meinen Lieblingssound, wen wundert’s, hab ich in meiner frühen Jugend hauptsächlich im Fernsehen entdeckt – und ein paar Jahre später an den legendären Chrachen-Partys. Ein Überblick in entsprechender Reihenfolge:

  • Guillermo Marchena – “Love is a Tango”:  Wegen “Anna” hab ich wie Millionen andere Mädchen angefangen, Ballet zu tanzen und von Silvia Seidel jeden Schnipsel zu sammeln. Dass das Video zu diesem Song meine frühe Jugend so allumfasst, hab ich erst heute mit grosser Freude festgestellt.
  • Jamie Walters, “Hold On”: Beverly Hills 90210, mein samstägliches Paralleluniversum. Damals wollte ich nur eins: Brenda heissen, auf die High School gehen, einen Stapel Bücher auf dem Arm rumtragen und an meinen Locker gelehnt einen Typen wie Jamie Walters küssen.
  • Patrick Swayze – “She’s Like The Wind”: Filme mehrmals anzuschauen, macht mich in der Regeljohnny castle nervös. “Dirty Dancing” ist die Ausnahme. Nicht zuletzt, weil sich in diesem Song so ziemlich alles bündelt, was ich in meinen Jugendjahren an Gefühlsstrapazen durchlebt habe (dazu gehörte auch das Verschmerzen der Tatsache, dass Patrick Swayze für immer unerreichbar bleiben würde, wie auch Billy Warlock aus Baywatch).
  • Whitney Houston -“I Will Always Love You”: Ein Verehrer hat für mich “Bodyguard” auf VHS geklaut, in der Abschlussdisco hab ich zu dem Song dann allerdings mit einem anderen getanzt.
  • Toni Braxton – “Unbreak My Heart”: Irgendeinem Herzigen diesen Song runterzurattern, gehörte zu unseren liebsten AlkopopBalzritualen im “Blue Lemon”. Oh my…
  • Lionel Richie – “Say you say me”: Einer der grossartigsten Songs auf meiner “Verschiedene Heisse”-Kassette. Dank “Aleksandr Petrovsky” weiss ich nun auch, wie ich diesen elend romantikkillenden Zwischenteil beim Slowdance hätte überbrücken können.
  • The Offspring – “Self Esteem”: Ja, auch ich habe irgendwann den Knopf aufgetan. Und mit dem Stöpplen erreichte ich dann auch endlich die Partys, die genauso klangen, und die für dieThe OffspringHödi-Fahrer unter uns meistens in irgendeinem Acker endeten.
  • H-Blockx: “Risin’ High”: Die Band begleitet mich bis heute, wo sie mich an gute Zeiten erinnert und meinen Sohn in den Schlaf lullt.
  • Nirvana – “Smells Like Teen Spirit”: Für dass ich nicht wusste, was Grunge genau ist, habe ich ziemlich oft gesagt, dass ich total darauf stehe. Das war übrigens in der Phase, in der ich extra den Kajal verschmierte, damit die Leute im Dorf denken, ich hätte Probleme.
  • The Prodigy – “Firestarter”: Diesem Singeli gehört bis heute ein Ehrenplatz im CD-Regal. Mit dem Song hab ich meine Jugend ausgeläutet. Was ich bemerkenswert finde, hätte sie doch auch damit enden können.

(Bild: privat / Facebook)

 

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