Stray From The Path gehören nominiert für den Nobelpreis!

Wer sich letzte Woche durch drei (!) Vorbands gehört und bis zum Headliner Stray From The Path durchgehalten hat, hat magische Augenblicke erlebt. Wegen eben diesen möchte ich der Hardcore-Band einen Friedensnobelpreis überreichen.

Metalheads, HipHopper, Schweizer, Amerikaner, Christen, Hindus – in einer Welt voller Stempel und Schubladen, in die man aufgrund seiner DNA, seines Umfelds oder einer Entscheidung gehört, sind werte- und labelfreie Räume eine Seltenheit.

Einen solchen Space schaffen Stray From The Path an jedem einzelnen ihrer Konzerte. Entdeckt habe ich die New Yorker per Zufall Anfang diesen Jahres in Berlin, wo sie die Hütte schon vor dem Main Act While She Sleeps einfach mal abgefackelt haben (gefühlt, nicht wirklich). Selbst bezeichnen sich die New Yorker Hardcore-Metaller als «very outspoken band», die bewusst provoziert und Kontroversen thematisiert. Und das sehr lautstark. Gegründet hat sich die Formation aus Long Island schon 2001 –shame on me, dass ich sie bis 2019 nicht auf dem Schirm hatte.

Bei Trump und Rassismus herrscht Einigkeit

Es gibt in der Musikwelt zwei Lager, was das Politisieren von Bands angeht. Die einen feiern ihre Helden für klare Bekenntnisse, die anderen wollen meinungsfreie Musik. Das obligate «Wir schämen uns, dass Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist» an Konzerten von Stray From The Path wird aber von beiden Lagern gefeiert. Bei Trump ist man sich ja einig. Auch die klaren Statements gegen Rassismus und falsch eingesetzte Polizeigewalt stimmen für die meisten Konzertgänger*innen.

Was für mich aber immer wieder – so auch letzten Dienstagabend im Zürcher Dynamo – Stray From The Path-Konzerte zu einem magischen Abend machen, ist der Moment, wenn Sänger Drew Di Jorio in die Menge schreit: «Egal woher ihr kommt oder wer ihr seid – ihr werdet immer an unseren Konzerten willkommen sein!» Und für einen Bruchteil einer Sekunde sind alle anwesenden Konzertbesucher*innen eine Kategorie-lose Einigkeit, die zumindest so lange anhält, bis Gross und Klein, Schwarz und Weiss, Arm und Reich, Katholiken und Atheisten… wieder ihren eigenen Weg gehen und aus der Location strömen.

Für die Magie dieses Augenblicks danke ich Stray From The Path und beantrage offiziell, dass man die New Yorker mit einem Friedensnobelpreis ehren sollte. Es wäre Zeit, solche Musiker ebenso lautstark zu ehren, wie sie sich für ihre Message stark machen.

Das aktuelle Album Internal Atomics ist seit 1. November 2019 auf dem Markt (Bild: zVg).

Wer das Konzert im Dynamo verpasst hat, bekommt am Open Air Gränichen 2020 wieder eine Chance, Stray From The Path in der Schweiz live zu sehen.

P.S. Da ich meine friedvollen Worte nicht mit einem Rant verdüstern möchte, spare ich mir den Kommentar zur Unnötigkeit von drei Vorbands für eine Headliner-Tour. Anderes Thema.

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