Super! Super! Supertramp

Roger Guitar Blue background Promo RS F

Ich gebs zu. Bei diesem Text hatte ich Startschwierigkeiten. Drei Mal hab ich neu angefangen. Jeder Schreiber wünscht sich ja, dass möglichst viele Leser hängen bleiben und die Sache bis zum Schluss durchziehen. Ist ja sonst nur das halbe Menü gegessen. In der Hälfte der Zugreise ausgestiegen. Da gibts noch grandiosere Vergleiche, aber ich will nicht künstlich verlängern. Jedenfalls: Der Anfang ist bei einem Text zentral, lernt man in jeder Journalistenschule. Knackiger Einstieg, Teaser und so.

Wie wärs also mit: Es war super am Samstag. Der Mann ist fast 70 und kommt immer noch hoch! Macht neugierig, oder? Die Aussage stimmt auch, aber es wäre völlig der falsche Ton. Völlig!

Raketenstartversuch 2: Das ganze Volkshaus Zürich teilte mit mir an diesem Samstagabend ein Geheimnis. Wenn nämlich Random mir beim Pendeln SUPERTRAMP in die Ohren spült, überprüfe ich reflexartig, ob der Kopfhörer auch wirklich im Gerät steckt. Damit niemand hört, was ich höre. Wäre mir irgendwie … peinlich.

IMG_0176Aber wieso eigentlich? Jetzt ists raus: SUPERTRAMP! ROGER HODGSON! Für alle, die jetzt aus dem Text raus wollen: Nein!! Er ist “Logical Song”. “Dreamer”. Oder “Breakfast in America”, ein Wurf, den Hodgson mit 19 Jahren innert einer Stunde geschafft hat. Und da stand der alte Charmeur am Samstag im vollen Volkshaus in Sneakers und ohne Schnickschnack auf der Bühne – deren Deko aus einem Palmenwald bestand – und wünschte seinem (gut durchmischten, im Fall!) Publikum eine gute Reise. “Life is pretty hard. In these next two hours, let’s put all the problems away and celebrate a bit. I hope, my songs will bring back some good memories.”

In die Erinnerungen, ob schön oder nicht, holte einen schon Hodgsons unverkennbare Stimme. Die erreicht tatsächlich mit 66 Jahren noch dieselben luftigen Höhen (das habe ich vorher gemeint, voilà), während er mit beiden Füssen fest auf dem Boden steht, ein verwurzelter, erdiger Mensch und Künstler, der in den letzten Jahrzehnten aber durchaus auch einige Ausflüge in die spirituelle Welt getan hat. Dass diese Türen noch immer geöffnet sind, beweist an diesem Abend ein intelligent eingestreuter, wuchtiger Über-10-Minüter, ein instrumentaler Trip wie ein Besuch beim Schamanen.

Der Rest des Programms: Hits, Hits, Hits – in den 70ern und frühen 80ern landeten Supertramp einen nach dem andern. Für seine Europatournee (in Zürich war übrigens der Auftakt) hat Roger Hodgson eine junge, begabte Band um sich geschart. Vier Musiker, die genau wie der Meister himself (wie immer in der No-Go-Kombo weisses Hemd und vorhangfarbenes Gilet) sichtlich Freude haben am Spielen. Die meisten Songs stammten von den Supertrampscheiben, einige wenige von Hodgsons Soloalben. Er kann übrigens aus rechtlichen Gründen nicht als “Supertramp” auftreten: Das darf nur Band-Mitgründer Rick Davies, der letztes Jahr seine Tournee wegen einer Krebserkrankung absagen musste.

So. Das Konzert war grossartig! Ich und das andere Volk freuten sich, die Masse stand auf, sang mit, tanzte, klatschte. Und diesen allerletzten Abschnitt widme ich meinem Vater. Er ist es nämlich, der mich immer an solche Konzerte mitnimmt. An die (vielleicht letzten) Auftritte von Dinosauriern wie Genesis, Police, Roger Waters. Er ist es auch, der mir die Türe ins Endlosuniversum Musik überhaupt geöffnet hat, mir meinen ersten E-Bass geschenkt und mit mir geübt hat, bis ich Hornhaut an den Fingerkuppen hatte, der bei Auftritten mit meiner Schülerband immer in der ersten Reihe sass. An solchen Konzerten wie am Samstag holen mich jeweils bereits die ersten paar Takte zurück in meine Kindheit. Wie auch Hodgson sang an diesem Abend: “There’s so much that we need to share”. In diesem Sinn: Merci, Pa.

(Bilder: www.rogerhodgson.com, privat)

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One thought

  • Ha mi mega gfreut über dä super Supertramp Bricht!
    üsi gmeinsame Kozärtbsueche si für mi immer öppis Bsunders!
    I hoffe, dass mir no viu cooli Bands zäme gö ga lose!

    Merci, Sime
    Päppel

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