Versifft müssen sie sein, die Plattenläden

Plattenläden müssen etwas gemütlich Schmuddeliges an sich haben, das macht sie sympathischer. Und man stösst auf Alben, die man sonst nie gefunden hätte.

Wenn in einem Plattenladen die Alben nach Genre und Alphabet sortiert sind, ist das Suchen und Finden einfach: Man betritt den Laden, läuft zielstrebig den Gang entlang, steuert direkt die Ecke an, in der das favorisierte Genre zu finden ist, schweift mit dem Blick über die kleinen Buchstaben, die das Angebot alphabetisch unterteilen, drippelt mit Zeige- und Mittelfinger über die Plattenhüllen, klappt so eine nach der anderen nach vorne, das macht man vielleicht drei, vier Mal, und schwupps, das gesuchte Album ist gefunden. Man klemmt sich das Teil unter den Arm, zahlt an der Kasse, und genauso zielstrebig, wie man rein gelaufen ist, läuft man wieder aus dem Laden raus. Eine Sache von fünf Minuten. Höchstens. Wenn man denn weiss, welche Platte einem jetzt sofort das Leben retten muss.

Kann man so machen. Ist aber nicht lustig. Denn so entgehen der Musikfreundin viel zu viele Schmuckstücke. In einem weniger klinisch ausgeräumten Laden ist zwar eine gewisse Sortierung des Angebots vorhanden, aber oft nur in groben Zügen. Korrigiert mich wenn nötig, aber mich dünkt, es gibt in versifften Plattenläden mehr Raritäten, Debütalben und Undergroundstuff. Sprich: Mehr wirklich cooles Zeug. Man muss sich durch ein kaum strukturiertes Universum wühlen, Cover um Cover anschauen, sich durch das Angebot kämpfen, bis Zeige- und Mittelfinger bitzli weh machen. Aber so verdient man sich eine Platte!

Ein schönes Cover, ein Blick auf die Rückseite. Ein “was isch das?” und ein “das isch ganz geil, psychedlisch, schwär, dräckig, rockig, sind übrigens Schwiizer, und uf de B-Siitä heds en abdreihte Jam druffe, wo 20 Minutä gaht. Wart ich lah ders schnell ab”, und schon dreht sich das Vinyl auf dem Plattenspieler oder die CD im Recorder. “Oh, mega! Muäsi ha!” heissts dann des Öfteren. Aber auch dann ist der Hunger nach Musik nicht gestillt. Nein, es müssen noch mehr Platten und CDs sein (Hier muss es tatsächlich mehr sein!). Denn: Wenn sich in diesem Regal schon das eine Prachtstück hier versteckt hat –  was findet sich denn sonst noch so da drin?

Und hier beginnt er: Der Rausch. 

Man versinkt zwischen all den Alben, man sieht über die Reihen schlecht angeschriebener Genre-Unterteilungen und denkt sich: Alles, was das Licht berührt, ist unser Königreich …
Wow!
• Die Herrschaft eines Königs geht auf und unter wie die Sonne. Eines Tages, Simba, geht die Sonne meiner Herrschaft auch unter und geht mit dir als neuer König wieder auf.

Oh, sorry, das war jetzt eine Zeile zu viel zitiert.

Ab genau diesem Moment, wo man wie Simba über die Weiten des Ladens schaut, ist klar: Hier bleibt man noch eine Weile. Gibt ja nichts Schöneres, als sich stundenlang durch unbekannte Alben zu wühlen. Und genau das tat ich vor kurzem im Keller-Plattenladen von Voodoo Rhythm in Bern und kam mit drei Alben von drei Bands wieder raus, die ich vorher alle nicht kannte. Und ich war begeistert. Bin es immer noch. Jede meiner Plattenladen-Wühlerfahrungen bleibt unvergessen. Und das gilt nicht nur für Vinyl, sondern auch für CDs.

Dank diesem leider viel zu kurzen Besuch im besagten Laden folgen demnächst Reviews der drei Alben. Stay tuned! Und shop in your local record store.

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