Von Belgiern und niederen Landen

Eefje de Visser, ihr erinnert euch, hat diese Woche ihr viertes Album «Bitterzoet» veröffentlicht. Nun begleitet sie die belgische Band Balthazar auf Tour und spielt nächsten Mittwoch im Kaufleuten Zürich. Wir verlosen Tickets. Und haben ein Interview geführt und viel über niederländische Kultur gelernt. 

Ich treffe Eefje de Visser in der Martinikerk in Groningen. Nicht, weil wir so andächtig wären, während des Eurosonic ist die Kirche Medienzentrum mit Bar, Bühne und Radiostudios. Martini gibt es hier keinen, dafür Jenever. Aber zum Trinken sind wir eh nicht hier.

Gleich zwei Konzerte spielt Eefje de Visser im Rahmen des Eurosonic/Noorderslag. Obwohl sie keine Newcomerin mehr ist, wie die meisten anderen Künstler hier. Das Eurosonic ist für sie vielmehr eine gute Gelegenheit, ihre neue Show und Lieder vor Publikum zu testen. Mit Erfolg. Am Abend vor dem Interview spielt sie in der Stadsshouwburg, wohl eine der grösseren Bühnen des Eurosonics, der Saal ist rappelvoll, die Stimmung zu später Stunde verträumt betrunken.

Bitterzoet, bittersüss, würde ich auch die Musik von Eefje umschreiben, betörender Gesang mit melancholischen Klängen. Viel interessanter ist jedoch, wie Eefje ihre Musik auf meine Frage selbst zu kategorisieren versucht: «Alternative Pop Muziek» oder «Melancholieke Pop Dance» oder doch eher «Art Pop»? Sie ändert, während sie nachdenkt, mehrmals ihre Meinung. Jedenfalls findet sie Kate Bush super, Björk auch, aber weniger wegen der Musik, sondern der avantgardistische Stil, Robyn wiederholt sie während des Gespräches mehrmals als Idol. Obwohl in ihrer Musik und Auftritten alles so perfekt und durchdacht wirkt, ist sie im Interview ganz anders. Sie findet ihre Show nicht perfekt, aber das sei so gewollt. Sie und ihre beiden Backgroundsängerinnen haben eine Choreografie einstudiert, auch wenn sie keine Tänzerinnen seien. Die Choreografie ist einfach, aber effektvoll, wie in den 80ern. Im Video zu „Bitterzoet“ legen sie noch einen drauf als Synchronschwimmerinnen.

Seit ein paar Jahren wohnt Eefje im belgischen Gent, der Liebe wegen, es sei einfacher gewesen zum Verlobten zu ziehen, als ihn in die Niederlanden zu entwurzeln. Ihr gefällt es sehr in Belgien, sie mag die kulturellen Unterschiede. Seit sie in Belgien wohnt, sieht sie auch die niederländische Kultur anders. «Wet je, die Niederländer sind die Amerikaner Europas». Zwar komme man einfach mit ihnen ins Gespräch, aber sie sind genauso laut und oberflächlich wie die Amerikaner. Belgier müsse man erst kennenlernen, seien zurückgezogener, aber viel weniger oberflächlich. Die Niederländer machen sich oft lustig über die Belgier, schauen aber musikalisch zu ihnen auf, weil viele belgische Bands auch international erfolgreich sind. Stromae, dEUS, Soulwax oder eben Balthazar, mit denen sie nun auf Tour geht.

Sie hat auch schon ein paar wenige Konzerte im fremdsprachigen Ausland gespielt, in Deutschland und Österreich, die Reaktionen waren immer gut. Zu Beginn ihrer Karriere hat sie noch Englisch gesungen, dann aber auf Niederländisch gewechselt. Ihr Englisch ist perfekt, aber in ihrer Muttersprache hat sie mehr Fantasie, um zu texten. Sie würde ihre Lieder nicht auf Englisch übersetzen für das Ausland, wie das zum Beispiel Clouseau („Daar gaat ze“ vs. „Close Encounters„) gemacht haben. Auch weil bei ihrer Musik nicht der Text im Vordergrund stehe, sondern die Stimmung, die Emotionen, die sie mit ihrer Musik transportieren möchte.

Sie fragt mich zum Schluss noch, was für Schweizer Bands sie am Eurosonic schauen gehen soll, sie notiert sich The Gardener & The Tree. Im Gegenzug empfiehlt sie mir niederländische und belgische Bands. Spinvis (Hat Fernweh) singt niederländisch und deutsch, Luwten, Weval und Sylvie Kreusch machen geweldige Muziek mit englischen Lyrics.

(Und falls ihr verwirrt seid, weshalb ich hier von den Niederlanden und nicht über Holland schreibe, hier ein kleines Erklärvideo.)

Wir verlosen hier 2*2 Tickets für Eefje de Visser am 5.2.2020 im Kaufleuten Zürich. (Balthazar dürft ihr dann auch noch anschauen)

Notitie aan mezelf: Ich habe das Interview sehr ambitioniert auf Niederländisch geführt.  Es geht. Auch wenn Eefje ein paar viele Sprachfehler charmant weggelächelt hat.

(Bilder: privat)

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