Wer ist Samu Haber?

Kleinkrimineller, verschupfter finnischer Bub in böser deutscher Castingsendung. Sehr sympathisch. Partylöwe. Viel-Songschreiber. Aber auch nach dem Lesen der Biografie nicht fassbar: Gründer und Sänger von Sunrise Avenue, Samu Haber. Das ist Teil 3 unseres Biografie-Specials in diesem Herbst

Von einer Überraschung zu reden, wäre fast ein wenig untertrieben. Ich erwartete von “Forever yours” (das ist anscheinend auch ein Schrift-Tattoo auf dem Unterarm von Samu Haber, das hundertfach kopiert wurde) nichts. Wollte nur mal kurz reinlesen, weil ich damals, als “Fairytale Gone Bad” herauskam, gerade an einer verhinderten Affaire zu beissen hatte und den Song noch … irgendwie passend fand (in diesem Buch erfährt man, dass die Radiostationen europaweit die falsche Version gespielt hatten – die ohne E-Gitarre). Und Samu kommt aus der Nähe von Helsinki, ich liebe Helsinki.

Ich war sogar schon mal am Sunrise-Avenue-Konzert, in Locarno, ich hielt mich halt eben gerade dort auf, und es war dann nicht mal so schlimm. Ich machte eine Menge lustiger Fotos, eines hat es sogar in unser Postkartenset geschafft, von dem in diesen Minuten eine zweite Auflage gedruckt wird.

 

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Item. Samu Haber. Er bezeichnet einmal Luzern als “die schönste Stadt der Welt”. Seine Autobiografie, die er mithilfe eines Journalisten geschrieben hat, glänzt nicht durch eine Sprache, in der man sich verlieren kann. Aber sie ist gespickt mit Überraschungen und der Antwort auf die Frage: Warum eigentlich waren Sunrise Avenue so populär?

Die Band hatte Glück. Und Samu Haber machte zwar viel Party, kämpfte aber auch – ein Leben lang, wie es scheint. Unter anderem gegen die Arroganz von The Boss Hoss, die sich über sein Deutsch lustig machten bei “The Voice of Germany”. Laut Biografie hatte der Finne mit deutschem Vater erst gar nicht mitmachen wollen, weil er eben der Sprache nicht mächtig war.

Samu Haber versuchte zum Teil krampfhaft, die Harmonie in der Band zu wahren und schmiss Leute viel zu spät raus. Der finanzielle Gewinn von Sunrise Avenue wurde immer gleichmässig verteilt, sogar an Bandmitglieder, die gar nicht von Anfang an dabei waren. Sie spielten auf Hinterhöfen, weil das zweite Album einfach scheisse war. Samu überzeugte EMI, seine Plattenfirma, “Hollywood Hills”, dieses üble Stück, als Single herauszugeben, weil er überzeugt war, dass es ein Hit werden würde. Es wurde ein Hit.

Samu Haber, im Hintergrund Helsinki.

Er fungierte als Juror in “The Voice” anfangs neben Nena (die angeblich nicht einmal mit ihm gesprochen hat), Max Herre (Samus Rettung) und eben The Boss Hoss. Es sei ganz schlimm gewesen, schreibt er. In der ersten Woche der Aufnahmen sei er jeden Abend verschwunden, um sich am Swimming Pool des Hotels zu betrinken, Derrick zu schauen, in Originalsprache, und Schlaftabletten zu schlucken.

Und: Er hatte seine kleinkriminelle Jugend überwunden – während Jahren hatte er Ferienhäuser in Spanien verkauft, die nie bezogen werden konnten – und wurde schliesslich: Musiker. Samu Haber ist vielleicht kein Ausnahmetalent, aber er hat was drauf, jetzt egal, in welcher Hinsicht.  Er klopfte bei 100 Plattenfirmen an, die 101., Bonnier Music, nahm seine Band Sunrise Avenue unter Vertrag. Und er hat(te) Depressionen. Viel Selbstzweifel. Eine Verlobte. Und eine Freundin. Noch eine Freundin. Über die schreibt er leider fast nichts.

Kurz: Ich habe alle 397 Seiten gelesen. Ohne irgendwas zu überfliegen! Die Person Samu Haber ist mir immer noch ein Rätsel. Ich komme nicht draus, was er eigentlich will und was nicht. Er weiss es wohl selber nicht. “Ich habe mich immer als Fuchs im Wald gesehen, mit den eigenen Instinkten als einzigem Schutz und Trumpf”, schreibt er zwar gegen Schluss. Anscheinend hat er jetzt Corona. Oder ist schon wieder gesund. Er hat jetzt Spass bei “The Voice” – vor allem mit Rea Garvey. Was aus seiner Abschiedstournee geworden ist, weiss man nicht genau, sie scheint abgesagt, und ich finde “Hollywood Hills“, auf das Samu furchtbar stolz ist, einen der schlimmsten Songs ever.

Aber seine Autobiografie, die find ich super.

Hier lest ihr Teil 1 und 2 unseres Biografienherbstes.

Samu Haber: Forever Yours, riva, Fr. 35.90, hier bestellen.

Fotos: Rockette

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