What Josephine Saw – Das Interview

Wir Rocketten führen ja leidenschaftlich gerne Interviews. Manchmal vergessen wir uns in unserer endlosen Neugier und fallen auf die Fresse. Momoll. Es gibt Interviews, die so schlimm waren, dass sie gar nie hier gepostet wurden (das mit Molotov diesen Sommer am Sziget Festival zum Beispiel. Auf das ich mich nicht vorbereiten konnte, weil die Mexikaner spontan entschieden, ja, wir reden jetzt doch noch hurti mit Journalisten, wer will denn? Ich wollte, sicher 30 Sekunden lang, und dann sass ich da, und es war eine Katastrophe. Selbstverständlich war Bier im Spiel bei allen Beteiligten und auf meiner Seite ein Blackout, ausgelöst wahrscheinlich natürlich durch Randy Ebright, der neben mir sass, und der eine Gedanke: Wie heisst der verdammte Präsident von Mexiko? Das ist eine verdammte Protestband, ich muss hier verdammt wichtige Fragen stellen, wie heisst der verdammte Präsident, und was halten sie von ihm?)*

Dann gab es Interviews, die in der Badi versoffen, solche, die seltsam bleiben, egal, wie oft man sie liest, und jenes mit Sven Regener, den wir – oh wie fanden wir uns clever! – ausschliesslich anhand von Element-of-Crime-Lyrics befragten. Wir bibberten die Hälfte des doch recht langen Interviews darüber, ob und wann wir in hohem Bogen aus dem Backstage-Bereich geworfen werden würden (stellt euch mal einen irritierten Sven Regener vor. Eben). Dann hat Miriam eine neue Art von Interviews erfunden, Instaview, und Dominique diskutiert auch gerne mal zweisprachig. Juliette Lewis rief uns nach vielen, vielen Schrecksekunden aus Kalifornien zurück, nachdem das Gespräch unterbrochen worden war, (ich glaube, ich hatte keinen Empfang!), andere waren gar nicht so lustig wie erwartet, andere schlicht langweilig.

Eben, manchmal geht das schief.

Und da kommt der Jannik von What Josephine Saw, die mir ja am Herzen liegen, und die übrigens heute im ISC in Bern spielen, und sagt: Fragt uns doch!

Hehe (Händereiben).

Das sind die mit den Velos, und eigentlich hätte ich mit ihnen gern einen Energy-Drink getrunken, oder besser, ein paar Bier, aber es ist grad überall so chli Stress und Zeitmangel und so, also schickte ich dem Jannik Fragen per Mail. Das ist immer blöd, weil man nicht nachhaken kann, aber vielleicht war das ja nicht das letzte Interview. Und sowieso: Geantwortet hat dann Dimi, der Gitarrist!

“Es gibt zu viele Gründe, warum es sich lohnt, Musik und Fahrräder miteinander zu verbinden”, schreibt ihr auf Facebook. Ja, mhm. Welche denn?

Beim Radfahren spürt man sofort, ob ein Song funktioniert, ob er einen trägt, schweben lässt, man erfährt, ob die Musik rollt und fliesst. Wenn man musikhörend durch die Nacht oder noch besser durch die Abendstimmung braust, spürt man ausserdem schnell, ob die Musik in einem Glücksgefühle auslöst und einem Energie gibt. Es ist diese Qualität von Musik, die uns interessiert.

Euer Velovideo hat ja nichts mit Velofahren zu tun.

Nun ja, da hast du recht. Den Pass hinaufzufahren grenzte zeitweise an Folter. Dafür sind wir jetzt fit für die Tour … Aber auch wenn das im Video nicht zu sehen ist, es ist zu erahnen: wir sind dann mit der Abendsonne wieder den Berg runter gedonnert. Also dialektisch betrachtet würden wir sagen, hat es dann eben doch mit Velofahren zu tun hat.

Wäre das nicht auch auf dem Fussballplatz möglich gewesen?

Wir lieben Fussball! Aber zum Glück sind wir nicht 11 Bandmitglieder. Ausserdem hat das Velofahren schon noch eine andere Qualität: Man fährt! Das Zurücklegen einer Strecke hat durchaus dramaturgisch und auch symbolisch eine Kraft. Ausserdem behaupte ich, dass wir besser strampeln können, am Ball sind wir zu dilettantisch.

Ein Lied von euch heisst “I want you” – wer ist “you”?

Ok, seinen eigenen Song zu erklären ist ein bisschen lame, aber wir geben einen Hit: Das „You“ ist etwas oder jemand, dem man exponiert ist. Davon wird man beeinflusst und vielleicht sogar verändert. Dadurch entsteht ein Konflikt zwischen dem Ego und dem Alter Ego … So ungefähr darum dreht sich der Song.

Ja, wirklich eine Gähn-Frage. Sorry. Also gleich noch mal so eine, hihi: Was sah Josephine?

Hört die Platte, dann wisst ihr es;)… Josephine ist die Muse, die in uns allen schlummert. Was sie sah, hat mit der persönlichen Geschichte zu tun.

Also, wenn DAS jetzt keine lahme Antwort war … Aber weiter:

Schaut ihr Bachelor?

Bachelor, wie kommst du darauf? Sehen wir so aus? Wenn schon schauen wir Master! Max arbeitet zwar noch noch am Bachelor, aber auch mehr der Rosen wegen. Ansonsten haben wir alle einen Master.

Und in ehrlich?

Also in ehrlich, ihr meint wahrscheinlich dieses TV Ding … Dank dieser einen Gratiszeitung, die einem ab und zu anspringt, sind wir natürlich informiert. Aber ehrlich gesagt: Wir schauen Fussball oder Youtube, Gossip haben wir genug in unserem Leben.

Es gibt da dieses Video, in dem ihr euch in euren Hoodies herzerwärmend Pizza teilt. Ist es soo kalt Backstage Helsinki?

Der Helsinki Backstage ist ein ausrangierter Wohnwagen, was sehr charmant ist. Darin hat es zwar einen kleinen Elektroofen, aber an dem Novemberabend wars wirklich kalt.

Pizza, jetzt ernsthaft?

Zu unsportlich? Pizza ist doch super! Aber grundsätzlich an Konzerten: Wir essen, was es gibt. An den meisten Orten ist das gut.

Sieht trotzdem aus wie Pfadilager.

Wir waren nie in der Pfadi, aber mag sein … Zur Campingromantik haben sicher auch Josh beigetragen, unsere Support-Band im Helsinki. Sie brachten mit ihren akkustischen Gitarren und den Cowboy-Chords viel Herzenswärme in den Wohnwagen.

Wie lange musste der Herr in der Badewanne posen (Instagram), bis das Foto stimmte?14731324_752273154914829_5441502644245752721_n

Ich war nicht dabei, aber ich würde jetzt mal diplomatisch sagen: Mittellange.;) Hübsch oder?

Das beste Konzert ever (von euch) und warum.

Unser Konzert am Lauter Festival im Mai: Es gibt einfach Tage, da liegt diese Magie und Euphorie in der Luft. Der Sommer stand vor der Tür, das Bier floss in Strömen, es war das erste Konzert der Tour und das kultige „El Lokal“ platze aus allen Nähten. Es war so voll, dass nicht einmal die Polizei mehr rein kam, die sich wegen überhörter Lautstärke beklagen wollte …

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Was haltet ihr da in den Händen? Harry Potters Zauberstäbe?

Ok, können wir hier den Joker ziehen? 😉

Nein. Kamt ihr euch da blöd vor beim Fotoshooting? Bitte ankreuzen:

Ja
Ja, sehr
Wir sehen so verkrampft aus, weil unsere Hemden nicht sitzen

Bitte jetzt euer Lieblingsbüsi-Video.

Ein Lied heisst “Hope”. Deine/eure grösste Hoffnung?

… Dass niemand seine Hoffnungen aufgibt.

(Okay, ich habe jetzt begriffen, dass Song-Fragen langweilig sind und bleiben …)

Und jetzt ehrlich.

… Dass wir endlich Rockstars werden.

ENDLICH mal eine ehrliche Antwort! Wie viele Bier habt ihr dort in der Bretagne getrunken?

Diesbezüglich sind wir schon Rockstars. Jedenfalls mehr, wie die berühmten Iren (!), die dort mit uns rumlungerten.

(Notiz an mich selbst: Iren? Irren? Nächstes mal unbedingt danach fragen)

Was ganz anderes: “I love my life, I am powerful, I am beautiful, I am free”, singt Robbie Williams. Cheesy oder nicht?

Nicht cheesy, Robbie darf das!

Ist Robbie Williams nicht einfach grossartig?

Absolut! Er ist ein extrem cooler, sympathischer und auch sensibler Typ. Ich glaube, er meint das, was er singt auch so. Dennoch schwingt in seiner ganzen Ernsthaftigkeit auch immer bisschen Selbstironie mit. Robbie nimmt sich selbst nicht so ernst. Aber hört: “Find the others with hearts like yours; Run far, run free, I’m with you.” Das spricht uns aus dem Herzen.

Die beste Songzeile VON EUCH ever?

Hm, wenn wir schon grad beim Thema sind, vielleicht die: “Let go, stay true to your heart”.

Die peinlichste?

…”There’s garbage all around”.

Wie viele Groupies habt ihr insgesamt schon abgeschleppt?

Musste grad kurz die nächste Frage lesen, ob da wieder kommt: “Und jetzt in ehrlich?” Aber demfall: Das ist uns allen schon paar mal passiert. Aber grundsätzlich sind wir eher auf Qualität statt Quantität aus.

Was machst du an Silvester?

Wahrscheinlich Champagner trinken an einer Party, die wegen den hohen Erwartungen (Silvester und so) eher langweilig ist?

Was ist eigentlich euer Ziel, so als Band?

Wir wollen zusammen eine gute Zeit haben, um die Häuser ziehen, Klamauk machen, gute Songs schreiben. Es ist etwas vom Schönsten überhaupt, mit seinen Freunden in einer Band zu spielen. Unser Ziel ist, mit Leichtigkeit Musik zu machen und Energie und unsere Message an das Publikum weiterzugeben. Unser nächstes konkretes Ziel ist, im Herbst ein neues Album einzuspielen.

“Set a fire” – klingt imfall auch ein bisschen nach Pfadi.

Wenn du das sagst, ok. Du hast die Pfadi ja voll ausgecheckt. Vielleicht sollten wir da mal vorbei gehen. Oder sind wir dafür schon zu alt?

Ja. So, und jetzt darfst du noch antworten, was wir nicht gefragt haben.

There is more. If all is said and done, we’re sad and gone.

(Vielleicht wird das ja auch eine Serie. Wir schicken euch in unregelmässigen Abständen Fragen. Ja, das wäre lustig, oder?

Gerne. Danke fürs Interview!)

Und ich danke für das tolle Katzenvideo Interview!

*Der Präsident heisst Enrique Peña Nieto, es fiel mir nicht ein während des Gesprächs, und ich konnte keine anständige Frage stellen, also schon reden, aber das war dann mehr Smalltalk. Also stiess ich etwa dreimal mit den grossartigen Molotovs an, die vor dem Konzert wacker becherten, und liess mir erklären, warum die Schweiz ganz famos ist (eventuell wegen dem Essen, bin mir aber nicht mehr sicher). Und dann machten wir lustige Fotos, tranken unsere Biere aus, und jeder ging seiner Wege.

(Bilder: Screenshot aus dem Video “I Want You” (Titel), Molotov: unbekannt)

 

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