Wir wollen mehr Biffy unleashed

Kaum ein Album wird in der Rockszene momentan so heiss erwartet, wie Biffy Clyros neue Scheibe. Die soll gerade jetzt in diesen Tagen in Los Angeles fertig gestellt werden. Das hat uns Drummer Ben backstage auf dem Heitere verraten. Und auch, was sie dazu bringt, völlig entfesselt Musik zu machen. 

“Things are heating up in here” haben Biffy Clyro gerade über ihre Social-Media-Kanäle verkündet. Wie von Drummer Ben Johnston vor knapp eineinhalb Monaten backstage auf dem Heitere prognostiziert, befinden sich die Schotten jetzt, Ende September, im Endspurt für ihr neues Album mit dem Arbeitstitel “Opus 8”. Die Arbeiten ziehen sich schon eine Weile hin – man brauche eben Zeit, wenn man mit Produzent Rich Costey arbeite, sagte Johnston mal zu NME. Der Longplayer soll nächstes Jahr kommen. Die Virgin Radio Rock Night, die im Vorfeld des Heitere Open Airs erstmals stattgefunden hat, war einer der wenigen ausgesuchten Gigs, die Biffy Clyro zwischen den Arbeiten am Album dieses Jahr spielten.  

Der ein oder andere langjährige Fan von Biffy Clyro (ok, ICH) befand die letzten Alben des Trios als zu kommerziell geraten, mit zu vielen Chören und Effekten belegt und insgesamt etwas überproduziert und zu wenig schrammelig, wie man es sich in den guten alten Zeiten gewohnt war. Da auch “Opus 8” mit dem gleichen Produzenten wie “Ellipsis” entstehen soll – der den cineastischen Sound von einigen Muse-Alben geprägt hat – war die Weiterentwicklung der Richtung zu erwarten, die mit dem letzten Regulären Album eingeschlagen wurde.

Sieht ein bisschen nach Ferien aus, ist aber vor allem harte Arbeit an “Opus 8”.
(Bild: Biffy Clyro Instagram)

Dann aber, dann droppte überraschend Anfang diesen Jahres “Balance, Not Symmetry”. Eigentlich kein reguläres Biffy-Album, sondern der Soundtrack für den gleichnamigen Film. Jedenfalls zeigt sich selbst die Band überrascht, dass die Scheibe derart eingeschlagen hat. “Diese Lieder waren nie als reguläre Album-Titel gedacht. Wir wollten einfach Spass haben nachdem der Regisseur uns kontaktiert und gefragt hat, ob wir ein Album aufnehmen, für das er quasi nachfolgend einen Film macht. Also haben wir uns gesagt, ‘cool, lass uns die Drums in Ayr und in einem beeindruckenden Studio in London aufnehmen, dann die Gitarren in Wales recorden und die Vocals in Belgien. Es fühlte sich fast an, als wäre jeder Song von einer anderen Band.” Es sei niemand von einem Label dabei gewesen, man habe sich keine Gedanken darüber machen müssen, was dieses Album im Vergleich mit den Vorgängern mitbringe. “Es war viel Spass, ‘Biffy unleashed’ quasi”.

Und diese entfesselte, Regel- und Erwartungsdruck-arme Version der Schotten hört sich verdammt nochmal spektakulär an. 

Nun soll auch das neue reguläre Album wieder mehr rocken. “Ein Back-to-the-roots gibt es bei uns nicht – wir können immer diese aggressive Rock-Band sein, wenn wir wollen. Die Richtung von ‘Ellipsis’ soll weiterentwickelt werden. Aber ja, es kommen definitiv mehr Gitarren auf dem neuen Album vor – es ist insgesamt schon deutlich rockiger”, bestätigt Ben Johnston im Interview vor dem Auftritt auf dem Heitere. Dort machte er auch klar, dass er ziemlich angepisst gewesen wäre, wenn die Menge so ruhig gewesen wäre, wie beim letzten Gig in der Schweiz. Das war nämlich ein Unplugged-Auftritt. So sehr er die Akustik-Tour genossen habe, so gut sei es doch, nun wieder richtig verschwitzt von der Bühne zu kommen und nicht bis morgens um 5 wach zu liegen, weil die ganze Energie eines Auftritts nicht richtig verbraucht werden konnte.

Im Flammenmeer bei Biffy Clyro. (Bild: Gisèle Ladner)

Die Entfesselung im Rahmen der Arbeiten an “Balance, Not Symmetry” war auch live zu spüren. Der Auftritt an der Virgin Radio Rock Night hat die Segel für die kommende Tour gesetzt. Wir wollen definitiv mehr “Biffy unleashed”!

Nach dem Interview habe ich natürlich das reguläre Selfie mit Ben Johnston abgestaubt und  bin sofort nach draussen gerast, um auch noch ein Bild mit Mike Vennart zu machen, von dem ich au ein riesiger Fan bin Wer seine Band Oceansize kannte, weiss, wovon ich spreche. Der ist nämlich nicht “nur” der Biffy-Tourgitarrist. (Bilder: Gisèle Ladner)

Bis kurz vor Interview war nicht ganz klar, wann dieses stattfinden sollte. Ich war deshalb praktisch die erste auf
dem Gelände. (Bild: Virgin Radio Switzerland Instagram)

Das Titelbild des Artikels ist von miriamritler-musicphotography.com, erschienen in der Fotoreportage zum Konzert bei den Kolleg*Innen von artnoir.ch.

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